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Snowpiercer
Snowpiercer
© MFA+ FilmDistribution e.K.

Kritik: Snowpiercer (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Bong Joon-hos Film "Snowpiercer" basiert lose auf der Graphic Novel "Schneekreuzer" der beiden Franzosen Jacques Lob und Jean-Marc Rochette. Zunächst beginnt die Handlung fast ein wenig schwerfällig in den dunklen und verdreckten Abteilen der dritten Klasse. Die gezeigte extreme gesellschaftliche Aufspaltung zwischen einer ausgebeuteten Unterschied und einer dekadenten Oberschicht, die sich auch in einer entsprechenden räumlichen Trennung manifestiert, kennt man bereits aus vielen Sci-Fi-Filmen von Fritz Langs "Metropolis" (1927) bis zu "Elysium" (2013).

Doch schnell kommt der erste große Irritationsfaktor in Form der völlig durchgeknallten Vertreterin von Wilford, der Schreckschraube Mason (Tilda Swinton). Diese ist mit ihrem fatalen Überbiss und ihrem grotesken Habitus derart surreal, dass man sich plötzlich in einem Film wie Tim Burton "Mars Attacks!" (1996) wähnt. Mason liefert einen ersten Vorgeschmack auf so manche absurd-surreale Szene, die sich im Folgenden noch ereignen wird. Ein Höhepunkt des Films ist ein groteskes Gemetzel, das plötzlich von allen Beteiligten unterbrochen wird, als der Zug eine bestimmte Stelle passiert, die eine ganze Erdumrundung markiert und die in dieser Zeit als der Anfang eines neuen Jahrs gefeiert wird. Davon abgesehen ist dieser Zug wie ein Adventskalender, bei dem sich hinter jeder Tür eine neue, zunehmend extravagante Überraschung auftut...

Am Ende des Films ist jedoch alles ganz anders, als man die ganze Zeit über erwartet hat. An diesem Punkt überwindet der Film die oben angeprangerte ausgelutschte Schwarzweißzeichnung und Linearität und offenbart eine Cleverness, von der man sich äußerst angenehm überrumpelt fühlt. Spätestens jetzt zeigt sich, dass "Snowpiercer" nicht nur ein extrem unterhaltsamer Sci-Fi-Actioner mit prächtiger Ausstattung ist, sondern zudem eines der selten gewordenen Exemplare des Genres, die einem zudem so einiges zu denken auf dem Nachhauseweg aus dem Kino mitgeben. Was will man mehr?

Fazit: "Snowpiercer" ist extravagant, surreal, rasant und smart. Es ist ein erstklassiger Sci-Fi-Film, der in der dritten Klasse beginnt!





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