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Kritik: Mitgift - Ostdeutschland im Wandel (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Helmut Kohls Versprechen von den "blühenden Landschaften", die im Osten Deutschlands entstehen würden, erweist sich angesichts der Aufnahmen, die der Filmemacher Roland Blum 2013 sammelt, als buchstäblich richtig. Er findet Vogelparadiese in unberührt wirkender Natur vor: Ein Fünftel der Fläche der ehemaligen DDR steht unter Landschaftsschutz. Der Dokumentarfilm "Mitgift" ist eine Langzeitstudie, die im direkten Bildervergleich der Jahre 1990, 2000 und 2013 eindrucksvoll den ökologischen Fortschritt auf dem Gebiet der neuen Bundesländer aufzeigt.

Als Besucher aus dem Westen ist Blum im Jahr 1990 entsetzt, was er in Fabriken der DDR entdeckt: Aus lecken Rohren sickert Quecksilber, Verantwortliche erklären offen, dass es keine Abwasserbehandlung gibt. Blum konzentriert sich nicht nur auf den Chemiestandort Bitterfeld, der es in jener Zeit zu trauriger Berühmtheit brachte. Sein im ganzen Land gesammeltes Material belegt drastisch den ökologischen Bankrott, mit dem sich die DDR aus der Geschichte verabschiedete. 2013 hingegen findet Blum unter anderem schmucke, sanierte Altstädte vor, deren Glanz nicht mehr vom Industrie- und Kohlesmog getrübt wird. Selbst Bitterfeld wirkt jetzt wie ein Ort, an dem es sich leben lässt.

Zu den positiven Seiten der Dokumentation zählt auch, dass sie an die Bedeutung der Umweltgruppen der DDR erinnert, die vor dem Mauerfall im kirchlichen Umfeld entstanden. Angesichts der offenkundigen Umweltfrevel der Staatsbetriebe setzten sie sich für ein Umdenken ein. Blum vertritt sogar die These, dass die friedliche Revolution auch dem Wunsch der Menschen entsprang, die Natur – und mit ihr die eigene Gesundheit - nicht länger in diesem Ausmaß zu belasten.

Im Vergleich der Bilder von 1990 und 2013 wird deutlich, dass es sich gelohnt hat, massiv in die Umweltsanierung zu investieren. Denn damit wurden auch die erstaunlichen Selbstheilungskräfte gefördert, über die die Natur verfügt. An der grundsätzlich interessanten Dokumentation irritiert die manchmal subjektiv wirkende Auswahl der Beispiele, die sparsamen Hintergrundinformationen, der beinahe missionarische Ton. In dieser geballten Form entsteht der vielleicht so gar nicht beabsichtigte Eindruck, dass Industriefabriken eben pfui sind, das Schippern im Ruderboot durch den Auwald hingegen Ausdruck einer besseren Gesinnung. Den Werte- und Strukturwandel der postindustriellen Zeit hat es ja nicht nur im Osten Deutschlands gegeben, auch wenn er sich da in besonders geraffter, prägnanter Form studieren lässt.

Fazit: Roland Blums Dokumentarfilm zeigt im Langzeitvergleich eindrucksvoll, wie erfolgreich die von der DDR hinterlassenen Umweltschäden nach 1990 beseitigt werden konnten. Während die Bilder in der Gegenüberstellung überzeugen, irritiert manchmal der subjektive Stil der Präsentation.





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