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Kritik: Doktorspiele (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Komödie von Regisseur Marco Petry basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jaromir Konecny und ist ein Teenager-Genrefilm im Schlepptau von "American Pie". Obwohl es darin um Peinliches geht, fühlt man sich als Zuschauer nicht auf vulgäre Weise abgespeist. Die Mischung von Slapstickhumor und Realitätsnähe überzeugt, der Hauptcharakter macht eine aufregende innere Entwicklung durch und das Verhältnis von pubertär gefärbtem Spaß und zartem Gefühl stimmt.

Die Geschichte führt eindringlich vor Augen, wie schlimm die Versagensängste Jugendlicher sind, wenn es ums Körperliche geht. Andi ist ein gutaussehender, sensibler Junge, aber er zermartert sich den Kopf darüber, ob sein Penis nicht außergewöhnlich klein ist. Zu klein, um jemals eine Freundin zu haben. Und dann lauern überall diese peinlichen Fettnäpfchen, Freudsche Versprecher, die die geheimsten schlüpfrigen Gedanken verraten, oder Momente im Freibad, in denen die Badehose nicht genug verbirgt. Die Angst, den eigenen Körper nicht kontrollieren zu können und von den Trieben überwältigt zu werden, wird durch ganz reale, schreckliche Situationen nur bestätigt. Andi kann den vielen Alkohol, den er konsumiert hat, genau in dem Moment nicht mehr bei sich behalten, als Katja ihn umarmen will. Draufgänger Harry, der so tut, als sei er Experte in Sachen Sex, fackelt im Überschwang der Gefühle sogar beinahe das Elternhaus seiner Freundin ab. Diese Situationen sind vor allem auch deswegen lustig, weil sich in ihnen so viel von der Angst der Protagonisten spiegelt, insgeheim noch ein Kind zu sein.

Trotz der häufigen Lacher vergisst der Film die emotionale Entwicklung der Charaktere nicht. Andi und Harry stellen fest, dass beim Sex auch Liebe und Zärtlichkeit eine Rolle spielen können, zu ihrer Überraschung sogar eine größere als die Penislänge oder Imponiergehabe. Merlin Rose spielt Andi sehr gut als nachdenklichen Jungen, der lernt, der Stimme des eigenen Herzens zu folgen und sich aus Imageproblemen zu befreien. Dass es nicht nur um seine Geschichte geht, sondern auch um Harrys und Lillis Erlebnisse, verleiht der Komödie eine spannende Vielfalt. Insgesamt hebt sie mit ihrem guten Gespür für die Nöte ihrer Figuren das Teenager-und-Sex-Genre auf ein ansprechendes Niveau.

Fazit: Die Teenager-Komödie von Marco Petry importiert die "American-Pie"-Thematik in ein deutsches Umfeld, wobei ihre gut austarierte Mischung aus Slapstick und Realismus, Humor und Gefühlstiefe positiv überrascht.





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