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Barry Seal - Only in America
Barry Seal - Only in America
© Universal Pictures International Germany

Kritik: Barry Seal - Only in America (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dass das Leben die verrücktesten Geschichten schreibt, zeigt sich einmal mehr am Beispiel der unglaublichen Karriere des Linienpiloten Barry Seal (Tom Cruise), der Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger Jahre zu einem der größten Drogenschmuggler aufstieg. Regisseur Doug Liman ("Edge of Tomorrow") nutzt dessen Erfahrungen für ein leichtfüßiges und temporeiches Krimi-Biopic, das bei allem Unterhaltungswert auch ein kritisches Licht auf das zweifelhafte Selbstverständnis der US-Geheimdienste und die zuweilen fragwürdige Politik der Reagan-Regierung wirft.

Ohne Umschweife unterstreicht der Film gleich in den ersten Szenen, dass der Protagonist trotz seines sorgenlosen Familienalltags gehörig unzufrieden ist. Auf der Suche nach echtem Nervenkitzel schaltet Barry während der Arbeit schon mal den Autopiloten aus, um seine Passagiere mit einem angedeuteten Sturzflug zu erschrecken. Regelmäßig schleust er zudem kubanische Zigarren am Zoll vorbei, was schließlich den CIA-Mitarbeiter Monty Schafer (Domhnall Gleeson) aufhorchen lässt. Kurzerhand wendet er sich an den gelangweilten Draufgänger und bietet ihm an, für den Geheimdienst nach Mittel- und Südamerika zu fliegen, wo er aus dem Flugzeug Fotos von kommunistischen Lagern machen soll. Barry überlegt nicht lange und erweist sich als zuverlässiger Bilderlieferant, weshalb Schafer ihm schon bald andere Aufgaben überträgt. Nebenbei verdient sich der Pilot als Drogenkurier des Medellín-Kartells eine goldene Nase.

Liman und Drehbuchautor Gary Spinelli ("Stash House") verwandeln diese an absurden Verwicklungen nicht gerade arme Geschichte aus dem wahren Leben in eine knapp zweistündige Abenteuersause, die ganz auf den hemdsärmelige Protagonisten zugeschnitten ist. Nebenfiguren sind Stichwortgeber und Funktionsträger, wobei zumindest Barrys Ehefrau Lucy (Sarah Wright) etwas mehr Profil verdient gehabt hätte. Erinnerungswürdige Akzente darf sie bloß in der Szene setzen, in der sie ihrem Gatten nach einem Nacht-und-Nebel-Umzug seine Verantwortungslosigkeit vorhält. Dass die Charakterzeichnung rudimentär ausfällt, ist allerdings nicht weiter tragisch, da die dynamisch-augenzwinkernde Aufbereitung des Stoffes Langeweile im Keim erstickt. Starke Flugsequenzen lassen das Actionherz höher schlagen. Ironische Einschübe wie eine Landkarte, auf der Nicaragua zunächst falsch verortet wird, persiflieren die Ignoranz vieler US-Amerikaner. Und Archivbilder – etwa von Ronald Reagan und seiner Ehefrau Nancy – legen eine Heuchelei offen, die sowohl zum Lachen als auch zum Kopfschütteln einlädt.

Nachdem Tom Cruise zuletzt mit "Die Mumie" und "Jack Reacher: Kein Weg zurück" enttäuschte, kann er mit "Barry Seal – Only in America" beweisen, dass er noch immer eine besondere Leinwandaura hat. Den Titelhelden spielt er mit kecker Attitüde und lässt den Zuschauer immer wieder vergessen, dass es sich bei dem Piloten eigentlich um einen zutiefst egoistischen, kriminellen Glücksritter handelt.

Fazit: Launig inszeniertes Krimi-Biopic, das die Absurditäten einer wahren Geschichte konsequent herausstreicht und en passant einen kritischen Blick auf die US-amerikanischen Interventionspolitik in Mittel- und Südamerika wirft.





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