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Kritik: The Circle (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der US-Filmemacher James Ponsoldt hat sowohl mit dem Alkoholismus-Drama "Smashed" (2012) als auch mit der Coming-of-Age-Romanze "The Spectacular Now" (2013) und dem tragikomischen Biopic "The End of the Tour" (2015) äußerst empathisch erzählte Indie-Arbeiten vorgelegt, welche sich stets durch die Nähe zu ihren Hauptfiguren auszeichneten. In "The Circle" – seiner bisher größten Produktion – gelingt es Ponsoldt indessen leider nicht, seine Protagonistin zu einer emotional nachvollziehbaren Person werden zu lassen: Mae wird als kluge junge Frau, die die Dinge kritisch hinterfragt, eingeführt – und verhält sich alsbald derart naiv und töricht, dass es als Zuschauer_in zunehmend schwerfällt, ihr zu folgen und sie als Heldin der Geschichte ernst zu nehmen. Hinzu kommt ein weitgehend reizlos gestalteter Antagonist; und auch die Nebenparts bleiben deutlich zu blass, um Interesse oder gar Mitgefühl im Laufe der Geschehnisse zu erzeugen.

Am meisten fürchte sie "nicht genutztes Potenzial", sagt Mae in ihrem Vorstellungsgespräch. Demnach müsste sie Ponsoldts Adaption von Dave Eggers' 2013 erschienenem Roman "Der Circle" als ziemlich beängstigend empfinden. Denn das literarische Werk des 1970 in Boston geborenen Autors ließ zwar eine gewisse Tiefe vermissen und reichte bei Weitem nicht an die visionäre Kraft von Dystopien wie Aldous Huxleys "Schöne neue Welt" (1932) oder George Orwells "1984" (1949) heran; dennoch enthielt die Geschichte diverse spannende Ideen über den Verlust der Privatsphäre zugunsten einer vollständigen Kontrolle sowie über die Schattenseiten neuer Technologien. Da die Zeit seit der Buchveröffentlichung nicht stillstand, wären für eine Leinwandbearbeitung zudem reizvolle Erweiterungen möglich gewesen. Stattdessen ist Ponsoldts Verfilmung noch oberflächlicher als die Vorlage geraten – und steuert auf ein fragwürdiges Ende zu. Die Tonart von "The Circle" ist seltsam unentschlossen: Als Satire fehlt dem Film der Biss, als Thriller mangelt es ihm an Dringlichkeit und als Drama über eine junge Frau, die sich für die Ziele eines totalitär agierenden Großkonzerns einspannen lässt, vermag er wegen seiner schwachen Figurenzeichnung zu keiner Sekunde zu überzeugen. Das Design des Unternehmens-Areals mit schicken Büroräumen, einladenden Grünflächen und zahlreichen Freizeit-Angeboten sowie die Visualisierung von Chats oder User-Kommentaren ist durchaus gut; gleichwohl reichen diese Einfälle auf der Ebene der Ästhetik nicht aus, um die konzeptionellen Mankos zu kaschieren.

Emma Watson, die unlängst in "Die Schöne und das Biest" eine solide Darbietung lieferte, kann ihrer unglaubwürdig handelnden Rolle kaum Leben einhauchen; Mae verliert allzu rasch an Sympathie. Tom Hanks hat indessen sichtlich Spaß an der Verkörperung einer Steve-Jobs-Variation; er verleiht dem Firmengründer Eamon Bailey Charisma, vermag aber nicht zu verhindern, dass die Figur letztlich sehr schematisch und wenig komplex entworfen wurde. Auch Ellar Coltrane ("Boyhood") als Maes Kindheitsfreund sowie der inzwischen verstorbene Bill Paxton ("Apollo 13") als Maes schwer kranker Vater wirken völlig verschenkt; der Part von John Boyega ("Star Wars – Das Erwachen der Macht") als rätselhaft-warnender Mitarbeiter mutet unausgegoren an.

Fazit: Eine überwiegend spannungslose, teilweise ansprechend bebilderte Bestseller-Verfilmung, die ihre Themen trivial behandelt und an einer wenig schlüssig gezeichneten Protagonistin krankt.





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