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Kein Zickenfox
Kein Zickenfox
© Daredo Media GmbH

Kritik: Kein Zickenfox (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der Dokumentarfilm von Dagmar Jäger und Kerstin Polte stellt ein Berliner Laienblasorchester vor, in dem ausschließlich Frauen musizieren. Wenn sie Trompete, Klarinette, Saxophon oder Waldhorn spielen, geht es weder leise, noch zurückhaltend zu. Insofern ist dieses Orchester ein schönes Beispiel für gelebte Emanzipation und für lustvolle Selbstverwirklichung. In der Gruppe finden die selbstbewussten Frauen Gleichgesinnte, die keine Angst davor haben, aus der Reihe zu tanzen, sich aber dennoch in eine gemeinsam erarbeitete Harmonie einfügen wollen. Der von Crowdfundern unterstützte Film versteht sich als eine Hommage an dieses Gruppenerlebnis, geht bei einer Länge von nur 69 Minuten jedoch kaum in die Tiefe.

Die Frauen des Orchesters führen ein ausgefülltes Leben, sind in den verschiedensten Berufen tätig. Manche haben Kinder, zwei weißhaarige Frauen sind glücklich miteinander verheiratet. Einige, wie die Landwirtin Steph, die Tuba spielt, und die Saxophonistin Bettina, die straffällig gewordene Frauen betreut, werden in ihrem Umfeld näher vorgestellt. Andere geben nur kurze Statements über das Musizieren, die in schneller Folge aneinandergereiht werden. Der Tenor dieser Statements und Kurzporträts ist die Selbstbestimmung und auch die bunte Vielfalt, die entsteht, wenn aktive Frauen aus unterschiedlichen Lebensbereichen zusammenkommen. Die fröhliche Frische ist dem Dokumentarfilm Programm, aber er verlässt sich nahezu ausschließlich auf sie.

Gelegentlich klingen bei den Proben Konflikte an, zum Beispiel, wenn die Leiterin Astrid mehr Disziplin einfordert und eine Musikerin kritisiert, dass ihr der strenge Ton den Spaß verderbe. Der Film nutzt die Möglichkeit jedoch nicht, Auseinandersetzungen nachzugehen und zu erforschen, wie ein Konsens erarbeitet wird. Auch wird das Musizieren zu wenig als Prozess betrachtet. Die Tour ins ländliche Franken wird vor allem als Ausflug in ein überwunden geglaubtes Patriarchat geschildert. Auch da begnügt sich der Film jedoch mit Impressionen im Stil eines Reisealbums. Am Schluss steht dann das Konzert in der Berliner Philharmonie, das viel Lampenfieber mit sich bringt. Insgesamt wirkt das so vorgestellte Orchester sympathisch, aktiv und energiegeladen, aber der Film entwickelt leider nicht viel mehr Tiefe als ein Imagevideo.

Fazit: Der Dokumentarfilm stellt das Frauenblasorchester Berlin als quirlige Gemeinschaft emanzipierter Laienmusikerinnen vor. Die Einblicke in den Probenalltag, die Kurzporträts einzelner Frauen und die Ausschnitte aus Konzerten fügen sich zu einem fröhlichen, bunten Bild der Selbstverwirklichung jenseits geschlechtlicher Rollenklischees. Leider werden jedoch interessante Themen wie der Umgang mit Konflikten im Orchester oder der musikalische Lernprozess nicht vertieft.





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