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Kritik: Walk with Me (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Die Filmemacher Max Pugh und Marc J. Francis haben über einen Zeitraum von drei Jahren das Leben im Kloster Plum Village in Frankreich mit der Kamera beobachtet. Sie wurden Zeugen, wie der Gründer und Zen-Meister Thich Nhat Hanh dort seine Meditationspraxis lehrt, die dem Prinzip der Achtsamkeit folgt. Die Eindrücke der Ruhe, der umgebenden Natur, des Miteinanders in der Gemeinschaft illustrieren Thich Nhat Hanhs Lehre des Lebens im Hier und Jetzt sehr sinnlich und nachvollziehbar. So lässt dieser hervorragende Dokumentarfilm sein Publikum auf frappierend intensive Weise miterleben, wie das im Kloster praktizierte Konzept der Achtsamkeit funktioniert.

Pugh beschloss, einen Film über Plum Village zu drehen, weil sein Bruder in das Kloster eintrat. Man bekommt auch eine Aufnahmezeremonie zu sehen und kann in einer humorvollen Szene beobachten, wie schwer die Kunst der Meditation einem der Novizen fällt. Sie zeigt, wie Thich Nhat Hanh in schweigender Kontemplation verharrt und hinter ihm wie in einer Warteschlange einige junge Männer seinem Beispiel folgen. Doch einer von ihnen kratzt sich am Kopf, gähnt, weiß ganz offensichtlich wenig mit der Situation anzufangen. Aus dem Off vom britischen Schauspieler Benedict Cumberbatch vorgetragene Auszüge aus frühen Tagebüchern des Meisters belegen, dass es ihm lange Zeit ebenfalls schwerfiel, in der Stille innere Festigkeit zu erlangen.

Achtsamkeit soll Frieden schenken, aber dieser Prozess vollzieht sich nicht schmerzlos. Thich Nhat Hanh notierte: "Wenn man die Wahrheit erkannt hat, kann man das Leiden nicht vermeiden." Schon die ungewohnte Konfrontation mit der Stille lässt Besucher, die ins Kloster kommen, zuweilen in Tränen ausbrechen. Doch das Gebot der Stille ist nicht absolut, wie auch dem Klosteralltag insgesamt erstaunlich wenig Schwere anzuhaften scheint. Manchmal wird musiziert und gesungen, es gibt langsame, wortlose Gruppenspaziergänge in den Wald und über die Wiesen. Schon nach kurzer Zeit spürt der Betrachter die positive Wirkung der Filmaufnahmen. Weil sie frei von ablenkenden Reizen und Störungen sind, kann das, was zu sehen und zu hören ist, mit ungewohnter Aufmerksamkeit wahrgenommen werden. Immer wieder sucht die Kamera auch Motive aus der umgebenden Natur, wie jenen Baum, dessen Blätter im Wind rauschen und der sich dabei selbst in einem Zustand der Achtsamkeit und des Dialogs mit den Elementen zu befinden scheint.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Max Pugh und Marc J. Francis beobachtet den Alltag im buddhistischen Kloster Plum Village in Frankreich mit hervorragendem Gespür für die sinnliche Aussagekraft der Motive. Sie sind geprägt von der Entschleunigung und dem meditativen Atem, die zur Achtsamkeitslehre des Klostergründers und Zen-Meisters Thich Nhat Hanh gehören. Flankierend rezitiert Benedict Cumberbatch Passagen aus Tagebüchern des Meisters. Das außergewöhnliche Filmerlebnis vermittelt die Wahrhaftigkeit und Schönheit dieser Meditationslehre sehr überzeugend.





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