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Der Wein und der Wind
Der Wein und der Wind
© Studiocanal

Kritik: Der Wein und der Wind (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In der Landwirtschaft ist ein Generationenwechsel immer eine heikle Angelegenheit. Oft wollen die Kinder den Hof nicht übernehmen, sondern wie Jean, der älteste Sohn eines französischen Weinbauern im neuen Film von Regisseur Cédric Klapisch ("So ist Paris"), hinaus in die Welt ziehen. Doch als Jean nach langer Abwesenheit zurückkehrt, stellt er fest, dass seine Wurzeln ihm mehr bedeuten, als er vermutete. Soll er also wieder gehen oder doch bleiben? Seine beiden Geschwister haben sich für das Bleiben entschieden, aber über die Zukunft des Weinguts im Burgund können sie nur gemeinsam bestimmen. Im Laufe eines Jahres, im Wechsel der Jahreszeiten taucht das ruhige Drama in den arbeitsreichen Alltag der Geschwister ein und sinniert mit Jean über die Kraft der familiären Wurzeln.

Die Dynamik, die sich in der Beziehung der drei Geschwister entfaltet, gibt der betont realistischen Geschichte ihren besonderen Reiz. Juliette ist die neue Chefin des Guts, aber sie ist noch sehr unsicher, ob sie ihre Meinung durchsetzen darf. Das zeigt sich zum Beispiel bei der Verkostung oder der Frage, an welchem Tag die Lese beginnen soll. Jean erinnert sich, dass sie schon als Kind die beste Nase für die Qualität des Weins hatte. Er stärkt ihr den Rücken, obwohl er das Gut am liebsten verkaufen würde. Jérémie gerät unter Druck, als sein Schwiegervater einen Teil des Grunds kaufen möchte. Es ist das tägliche Miteinander bei der Arbeit, das den Geschwistern auf der schwierigen Gratwanderung zwischen alter Verbundenheit und konträren Ansichten hilft. Die Charaktere sind sehr authentisch gezeichnet und das nüchterne Spiel der Darsteller lässt den Film zuweilen beinahe dokumentarisch wirken.

Klapisch singt mit den schönen Naturaufnahmen und ländlichen Szenen ein Loblied auf den französischen Weinbau. Minutiös führt er das Publikum in dieses Metier ein, in dem wahre Meisterschaft hart erarbeitet sein muss. Jean, Juliette, Jérémies Schwiegervater sind oft verschiedener Ansicht in Geschmacks- und Herstellungsfragen. So betont Klapisch, dass Kennerschaft sowohl eine Frage der Familientradition ist, als auch vom individuellen Talent abhängt. Ein Jahr im Weinbau ist lang und arbeitsintensiv – doch wer für diesen stillen Film die nötige Geduld aufbringt, wird mit dem Gefühl der inneren Zufriedenheit belohnt, das auch die stolzen Erben Jean, Juliette und Jérémie empfinden.

Fazit: Cédric Klapisch erzählt in diesem nüchtern-realistischen Familiendrama von drei Geschwistern, die das väterliche Weingut im Burgund erben und ihre unterschiedlichen Pläne aufeinander abstimmen müssen. In ruhigen Aufnahmen vertieft sich der Film in die konflikthafte und doch von Zuneigung geprägte Dynamik der Beziehungen und philosophiert aus der Perspektive des Hauptcharakters Jean über die Bindung an die Heimat. Die im Weinbau anfallenden Arbeiten bilden ein fast dokumentarisch strenges Gerüst für die Handlung, deren emotionale Reize sich mit verhaltener Kraft entfalten.





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