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Sing it Loud - Luthers Erben in Tansania
Sing it Loud - Luthers Erben in Tansania

Kritik: Sing it Loud - Luthers Erben in Tansania (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Laienchöre sind nicht nur in Europa beliebt. Das beweist der in Tansania gedrehte Dokumentarfilm von Julia Irene Peters und ihrer Co-Regisseurin Jutta Feit. Dort sind über sechs Millionen Menschen Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche, deren Grundstein europäische Missionare vergangener Zeiten legten. Rund um die im Norden gelegene Großstadt Arusha bereiten sich zahlreiche Chöre auf den jährlichen Musikwettbewerb der Diözese vor. Passend zum Lutherjahr zeigt sich hier, wie präsent der Einfluss des Reformators noch ist: Jeder Chor, der am Wettbewerb teilnimmt, muss Luthers Choral "Ein feste Burg ist unser Gott" vortragen und dazu noch eine Eigenkomposition. Auch die Texte dieser eigenen Werke sind religiös und fromm, aber die Melodien klingen fröhlich und beschwingt wie Popsongs. Vermutlich werden sich nicht nur diejenigen Zuschauer, die schon den schwedischen Spielfilm "Wie im Himmel" mochten, auch bei diesem Dokumentarfilm von der Begeisterung einfangen lassen, die das Singen im Chor wecken kann.

Am Beispiel von drei Chören geht der Film der Frage nach, was die Sänger motiviert und wie sich christliche Kirchenmusik mit afrikanischer Kultur vereinbaren lässt. Die Kleinbauern Martha und Simon Mollel singen auf dem Lande im Neema Chor, für den Martha eigene Lieder im traditionellen Stil komponiert. Das Ehepaar Maria und Evarest zählt sich zur Mittelklasse der Stadt Arusha und hat dort vor zwei Jahrzehnten mit Freunden den Cantate Chor gegründet. Kelvin war erst 15 Jahre alt, als er mit Freunden den Kanaani Jugendchor gründete. Ein von Kelvin mit dem Chor gedrehtes Musikvideo ist Teil dieses Films. Aber auch die anderen Chöre tragen einzelne Lieder extra für Kamera vor, in Kostümen, die zum Teil westlich orientiert sind, zum Teil an die Massai-Kultur erinnern. Die Zuschauer bekommen Einblicke in die Lebensverhältnisse einzelner Chorsänger, vor allem aber erleben sie ihre Freude, gemeinsam etwas Künstlerisches auf die Beine zu stellen.

Die Schnitte springen manchmal etwas willkürlich zwischen einzelnen Schauplätzen hin und her, einer Busfahrt zum Wettbewerb, Auskünften der Jury, Besuchen bei Sängern zuhause. Aber die Botschaft der Chöre kommt auf jeden Fall an, wenn sie proben und auftreten: Die Musik ist nicht nur Ausdruck des Glaubens, sondern auch eine beliebte kulturelle Betätigung, die Gemeinschaft stiftet.

Fazit: Vitale Chormusik steht im Zentrum dieses Dokumentarfilms auf den Spuren von Martin Luthers Einfluss in Tansania. Sein Choral "Ein feste Burg ist unser Gott" wird von Laienchören für einen der jährlichen Wettbewerbe der evangelischen Kirche eingeübt. Der Film bietet Einblicke in die Motivation einzelner Sänger und beweist, dass sowohl Jugendliche, als auch ältere Menschen, Bauern wie Städter Spaß am Singen als kultureller Betätigung haben. Die eigenen Kompositionen der Chöre bezeugen zudem, dass der christliche Glaube und die afrikanische Tradition in der Musik auf lebendige Weise fusionieren konnten.





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