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In stürmischen Zeiten

Userwertung 9/10

The Man Who Cried

Russland, 1927: Die junge Jüdin Fegele muss aus ihrer Heimat Russland fliehen. Ihr Weg führt über ein Londoner Waisenhaus bis an die Pariser Oper
In stürmischen Zeiten In stürmischen Zeiten
Inhalt
  • Russland, 1927: Die junge Jüdin Fegele muss aus ihrer Heimat Russland fliehen. Ihr Weg führt über ein Londoner Waisenhaus bis an die Pariser Oper. Yiddisch darf sie nicht mehr sprechen und sie bekommt einen neuen Namen: Suzie. An der Oper trifft sie auf die russische Tänzerin Lola, den arroganten Tenor Dante und den Zigeuner Cesar - in den sie sich verliebt. Ihr grösster Wunsch ist, ihren Vater wiederzufinden, der Russland noch eher als sie verlassen mußte, und dessen Spur sich in Amerika verliert. Schliesslich nehmen die Nazis Paris ein. Suzie muss sich entscheiden, ob sie abermals fliehen wird.
Credits
Filmkritik
  • Johnny Depp spielt einen Zigeuner. Wer sich "In stürmischen Zeiten" und dann im März noch "Chocolat" (Regie: Lasse Hallström) ansieht, der wird sich möglicherweise ein bisschen die Augen reiben. Denn dann gibt's Johnny Depp quasi in der selben Rolle noch einmal. Das bedauerliche daran ist vor allem, dass Depp in beiden Filmen mit dem jeweiligen Part völlig unterfordert zu sein scheint. Er soll in "In stürmischen Zeiten" einen stolzen Mann spielen und das erreicht er bereits dadurch, dass er einfach da ist. Mehr wird von ihm nicht verlangt. Zu dieser fahrlässigen Verschwendung von darstellerischem Können gesellen sich zudem noch ein paar weitere Schwächen.

    Sally Potter torpediert ihre eigene Thematik von den verlorenen Seelen, die sich mit ihrer erzwungenen Diaspora zurecht finden müssen durch den überflüssigen Gebrauch von oberflächlichen Figuren. Der stolze Zigeuner trifft auf die trinkfreudige Russin, den zurückhaltenden Briten, etc. Der Blick in die Seele solcher Pappmachéfiguren offenbart, dass sie nur eine zweidimensionale Ausdehnung besitzen und geht deswegen völlig ins Leere. Ein Kabinett des Langweiligen hat Sally Potter dort inszeniert, wo innere Spannungen zu finden wären. Das ist besonders traurig. Dennoch will ich nicht unerwähnt lassen, dass das Kino auch bei solchen Schwächen noch einen Teil seiner Hexenkräfte besitzt. Das Interessanteste an "In stürmischen Zeiten" ist demzufolge, wie die technisch gute Umsetzung der Geschichte im Zusammenspiel aus Bild, Musik sowie Schnitt Emotionen erzeugen kann. Aber das Ergebnis ist dann doch etwas gespenstisch und hat etwas von einem Tamagotchi-Friedhof: Man weint um nichts und weiß nicht einmal warum.

    Sally Potter versäumt bei "In stürmischen Zeiten" dem Geschehen die nötige Tiefe zu verleihen, wodurch der Stoff zu einem schlecht genährten Gerippe verkommt.


    Stefan Dabrock

Clips, Trailer und Audio



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