Ein faszinierendes und kühnes Meisterwerk. In diesem Thriller des Briten Chris Nolan wird vom Ende zum Anfang hin erzählt, wie Guy Pearce ohne Kurzzeitgedächtnis den Mörder seiner Frau zu finden versucht. In den USA zu Recht ein Überraschu
Inhalt
Leonard Shelby sieht aus wie ein erfolgreicher Geschäftsmann, lebt aber in billigen anonymen Hotels und seine einzige Beschäftigung ist Rache: An dem Vergewaltiger und Mörder seiner Frau. Seine Sucht nach Gerechtigkeit wird durch eine seltene, unheilbare Form von Gedächtnisverlust erschwert: Obwohl er sich an das Leben vor seinem "Unfall" erinnern kann, weiß er nicht mehr, was (jeweils) vor 15 Minuten geschehen ist, wo er sich befindet, wo er hingeht und warum. Er versucht, die Abläufe seines Lebens mit Karteikarten, Tätowierungen und Polaroids festzuhalten. Aber Shelby ist immer auf die Hilfe Fremder angewiesen, wenn er auch unfähig ist, ihre Motive zu durchschauen. Welches Interesse haben also der Polizist Teddy und die undurchsichtige Nathalie daran, ihm bei der Aufklärung des Mordes zu helfen?
"Memento" ist ein originelles
Kinorätsel, das man
von hinten lösen muss - kein Film für
Unaufmerksame also,
die sich berieseln lassen möchten. Doch
auch ein Kunstfilm
ist "Memento" nicht, sondern in erster Linie
eine
"Murder-Mystery" - ein Puzzle-Spiel, das
intellektuell
dermaßen fordert, dass man den Film nach
erster Sichtung
gleich noch einmal sehen will. Kein Wunder
also, dass
"Memento" an den US-Kinokassen so
erfolgreich war.
Der von Christopher Nolan
inszenierten Suche eines
Mannes nach der Wirklichkeit fehlt die
vertraute
Thriller-Dramaturgie, denn es gibt keinen
roten
Handlungsfaden. Statt dessen sind wir
ebenso verwirrt wie
der auf Rache sinnende Held. Gewissheiten
sind dabei
Mangelware: Wer zunächst noch
vertrauenswürdig scheint,
entpuppt sich in der nächsten Rückblende als
Schwindler.
Und so fragt man sich bei "Memento"
niemals, wie es
weiter geht, sondern immer nur, wie es dazu
kommen
konnte. Was jedoch, wenn man sich darauf
einlässt,
ungeheuer spannend ist.
8martin vom 12.01.2011 Der Hauptdarsteller Leonard (Guy Pearce) verliert das Kurzzeitgedächtnis. Dazu passt recht gut die umgekehrte Erzählweise: von hinten nach vorn. Das schafft Spannung, denn man ist erkenntnismäßig immer nur so weit wie der Held bei seinen Nachforschungen. Das bringt aber auch Verwirrung mit sich, denn unerwartet neue oder abgeschnittene Handlungsstränge oder Personen kreuzen seinen Weg. Mitdenken ist bei dieser komplexen Gemengelage angesagt, keine Entspannung. Und wenn man sich denn schon die Mühe macht, wäre es äußerst befriedigend, wenn am Ende Klarheit herrschen würde. Stattdessen überrascht der Abspann und ein cooler Satz von Leonard. Er lässt uns im Regen stehen. Es war zwar keine dicke Langeweile aufgekommen, allein schon wegen der Anstrengung der Handlung folgen zu können, aber die Eintönigkeit der Ermittlungen sind schon etwas ermüdend. Andererseits ebnet ja vielleicht das Fehlen letzter Wahrheiten den Weg zum Kultobjekt, für diejenigen, die gern im Unklaren gelassen werden wollen.