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Almanya - Willkommen in Deutschland

Userwertung 6/10

Almanya

Deutsche Komödie: Eine seit drei Generationen in Deutschland lebende türkische Gastarbeiterfamilie, fährt auf Wunsch des Großvaters noch einmal gemeinsam in ihre alte Heimat. Die turbulente Reise nimmt jedoch eine unerwartete Wendung
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Inhalt

  • Julia Nieder

Filmkritik
  • Zusammenarbeitende Brüder sind in der Filmwelt nicht wirklich ungewöhnlich: Die Coen-Brüder, die Farrelly-Brüder, die Wachowski-Brüder - sie alle arbeiten seit Jahren erfolgreich zusammen. Das zwei Schwestern zusammen Filme schreiben und inszenieren, ist hingegen, aus welchen Gründen auch immer, deutlich seltener.

    Die Schwestern Nesrin und Yasemin Samdereli sind insofern eine Ausnahme - und ich will mal behaupten, auch ein Glücksfall für die deutsche Filmlandschaft. Schon einige TV-Projekte, etwa die Komödie "Alles getürkt" haben die beiden 1973 und 1979 in Dortmund geborenen Schwestern zusammen realisiert. Und bereits vor sieben Jahren haben die beiden ihr Kinodebüt "Almanya - Willkommen in Deutschland" in Angriff genommen - Finanzierungsprobleme allerdings führten zu der langjährigen Verzögerung. Die Wartezeit wurde von den Schwestern für einen sorgsamen Feinschliff am Script genutzt - bis zur endgültigen Drehbuchversion wurden laut Presseheft rekordverdächtige 50 Drehbuchfassungen erarbeitet. Dem Film hat das sicherlich gut getan: Gekonnt bewegt sich die Story durch die verschiedenen Zeitebenen und erzählt so im Zeitraffer 40 Jahre Familiengeschichte.

    Der Tonfall ist dabei nach der letztjährigen Sarrazin-Debatte wohltuend versöhnlich und unaufgeregt, und das selbst in Szenen, die als (notwendige) Klarstellung gesehen werden können, wie etwa jene, in der darauf hingewiesen wird, dass die Gastarbeiter nicht von selbst auf die Idee gekommen sind, ins kalte Deutschland zu ziehen, sondern im Gegenteil die Deutschen es waren, die ihres Wirtschaftswunders zuliebe Gastarbeiter gerufen - und gar mit Geschenken umgarnt - haben. Vor allem aber ist der gesamte Film, aber inbesondere die erste Hälfte, schlicht und ergreifend brüllend komisch. Einen Großteil der Komik ziehen die Samdereli-Schwestern dabei aus der liebevollen Darstellung der beiderseitigen Vorurteile, also türkische Voruteile gegen Deutsche und deutsche Vorurteile gegen Türken. Entsprechend dominieren Dialogwitz und Situationskomik. Dafür haben die Schwestern sogar, ähnlich wie Charlie Chaplin in "Der große Diktator", einen ganz eigenen Kauderwelsch entwickelt, der zum Einsatz kommt, wenn die (im Film natürlich deutsch sprechenden) Türken mit der für sie unverständlichen deutschen Sprache konfrontiert werden. In der zweiten Hälfte bis zum Happy End gibt es dann etwas weniger zu lachen - vor allem, weil die Story, um die Sache abzurunden, gegen Ende noch einmal mit einem Schuss Tragik gewürzt wurde.

    Gefilmt wurde das ganze dann eher klassisch: Kein modernes Gewackel, kein wildes Rumgeschnipsel, keine schrägen Kameraperspektiven lenken von Story und Lachern ab.
    Von den Darstellern bleibt insbesondere die mit urkomischer Mimik und einer liebenswert vergnügten Ausstrahlung ausgestattete Lilay Huser (als alte Fatma) im Gedächtnis, gefolgt von Vedat Erincin, der als alter Hüseyin etwas Melancholie mit ins Spiel bringt. Aber auch der Rest der Darsteller-Riege schlägt sich nicht schlecht und macht "Almanya - Willkommen in Deutschland" zu einer rundum gelungenen Komödie.

    Fazit: Urkomische Komödie, die einzig Fäkalhumorfreunden wenig bietet. Lange nicht mehr so gelacht im Kino!

    Julia Nieder






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Userkommentare
8martin vom 13.03.2011
Der Film schafft es in sehr humorvoller Form das Verständnis der Deutschen für die türkischen Mitmenschen und umgekehrt zu vertiefen. Dabei spielt er mit Clichés und Vorurteilen und das immer mit viel Empathie für beide Seiten. Es wird sehr genau hingeschaut und hingehört, wie die eine Volksgurppe auf die andere wirkt. Dabei kommt ein Integrationsprozess in Gang, in dem am Ende türkische Deutsche bzw. deutsche Türken stehen. Die einzelnen Stufen der Annäherung sind gut nachvollziehbar, was zu einem gemeinsamen Lachen führt, weil sich jeder wiedererkennen kann.' Wenn sie Deutsche werden wollen, müssen sie zweimal in der Woche Schweinefleisch essen, in einen Schützenverein eintreten und Tatort gucken.' Bemerkenswert ist die sprachliche Umsetzung der Fremdartigkeit. Hier hört der Immigrant ein akustisches Kauderwelsch, eine Kunstsprache, die besonders beim Weihnachtslied eindrucksvoll gestaltet ist. Im Verlauf der Handlung kommen dann allgemein menschliche Probleme zur Sprache: z.B. Schwangerschaft und auch der Tod. Aus der Sicht der Kinder werden ernsthafte Phänomene erklärt, wie z.B. die Frage nach dem Aufenthaltort des verstorbenen Großvaters: 'Er ist verdampft'. Und auch das Haus, das er in der Türkei gekauft hat, ist noch nicht bewohnbar. Es muss noch fertiggebaut werden. Ein Symbol für die deutsch-türkische Freundschaft. Ein gelungener Beitrag zur Völkerverständigung.
Meinhard Funk vom 19.01.2011
Einer der besten und konstruktivsten Beiträge zur Integrationsdebatte. Entwaffnend subtil und selbst für Betonköpfe leicht zugänglich. Herrlich verarbeitete Vorurteile und ein ganz neuer Ansatz, das Problem der Sprachbarriere zu verdeutlichen. Türken wie Deutsche werden mit feuchten Augen das Kino nach dem vermeindlich viel zu frühen Ende des Films verlassen, gemeinsam einen Döner mit deutschen Bier im Pamukkale verspeisen und über Gründung eines deutsch-türkischen Kulturvereins diskutieren. Ein Film, nicht nur für ewig gestrige Bremser und Sarrazine, sondern auch bestätigender Spaß für aufgeklärte, tolerante Menschen, die schon den Blick über den Tellerrand geschafft haben.

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