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Nader und Simin - Eine Trennung

Userwertung 7/10

Jodaeiye Nader az Simin

Iranisches Drama: Das Schicksal von zwei Familien im Iran – die eine aus dem modernen Mittelstand, die andere aus streng gläubigen, ärmeren Verhältnissen – bei einer aufreibenden Suche nach den vielen Gesichtern der Wahrheit.
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Inhalt
  • Nader und Simin sitzen vor Gericht. Simin will die Scheidung, um mit ihrer Tochter das Land zu verlassen. Nader weigert sich mitzugehen, er möchte seinen an Alzheimer leidenden Vater nicht zurücklassen. Als ihr der Richter die Scheidung verwehrt, zieht Simin zurück zu ihren Eltern.
    Nader engagiert für die Pflege seines Vaters die junge Mutter Razieh. Doch Razieh arbeitet ohne Erlaubnis ihres jähzornigen und hoch verschuldeten Ehemannes – und sie erwartet ein weiteres Kind. Mit der Pflege des verwirrten Vaters ist sie schon bald überfordert. Eines Tages bindet sie den alten Mann ans Bett und verlässt die Wohnung. Als Nader seinen bewusstlosen Vater findet, stößt er Razieh wütend aus der Wohnung. Am nächsten Tag erfährt Nader, dass Razieh bei dem Sturz ihr Kind verloren hat. Wusste er, dass sie schwanger war? Sagt Razieh die volle Wahrheit?
    Ein Netz aus Lügen, Angst und Beschuldigungen spinnt sich unentrinnbar um alle Beteiligten.
Credits
Awards, Auszeichnungen und Preise
Filmkritik
  • Am Anfang des Films steht eine Trennung. Nader (Peyman Moadi) und Simin (Leila Hatami) sind seit 14 Jahren verheiratet, aber nun will Simin den Iran verlassen. Nach monatelangem Warten haben sie eine Ausreiseerlaubnis bekommen, doch Nader will seinen an Alzheimer erkrankten Vater nicht zurücklassen. Und da Simin nicht will, dass die gemeinsame Tochter Termeh (Sarina Farhadi) im Iran aufwächst, will sie die Trennung. Aber für den Familienrichter sind diese Gründe nicht ausreichend. Also verlässt Simin vorerst die gemeinsame Wohnung und zieht zu ihren Eltern. Daraufhin engagiert Nader die streng gläubige Razieh (Sareh Bayat) als Pflegerin und Haushaltshilfe, die ohne Wissen ihres Mannes Hodhat (Shahab Hosseini) die Stelle annimmt. Doch die Pflege überfordert die schwangere Razieh, zumal ihre Arbeit auch schlecht bezahlt und mit einem weiten Arbeitsweg verbunden ist. Also will sie die Stelle ihrem Mann weitervermitteln, aber er ist verhindert und so bleibt sie dort. Dann kehren Nader und seine Tochter Termeh eines Tages in die Wohnung zurück und finden Naders Vater bewusstlos und angebunden neben dem Bett. Nader ist wütend, drängt die zurückkehrende Razieh aus der Wohnung und beschuldigt sie des Diebstahls. Razieh stürzt im Treppenhaus – und verliert ihren ungeborenen Sohn. Daraufhin wird Nader angeklagt, die Schuld an dem Verlust des Kindes zu tragen.

    Sehr ruhig entwickelt Regisseur und Drehbuchautor Asghar Farhadi die komplexe Handlung seines vielschichtigen Dramas, in dem alle Beteiligten irgendwie schuldig sind: Hätte Simin nicht ihren Mann verlassen, hätte er keine Pflegerin engagieren müssen. Wäre Nader bereit gewesen, mit seiner Frau auszureisen, hätten sie sich nicht getrennt. Würde Hoydat arbeiten, müsste seine Frau nicht trotz ihrer Schwangerschaft Geld verdienen. Hätte Razieh die Schwangerschaft nicht versteckt und sich ihrer Überforderung gestellt, wäre alles vielleicht nicht passiert. Selbst Termeh, die kluge Tochter von Nader und Simin, macht sich letztlich schuldig. Dabei ist das große Verdienst dieses Films, dass jede Figur vielschichtig ist und der Zuschauer versteht, warum die Beteiligten so handeln wie sie eben handeln. Auf diese Weise wird sehr deutlich, dass manche Verantwortung einfach zu schwer zu tragen ist.

    Zugleich erlaubt diese Mischung aus Drama und Kriminalfall Einblicke in die iranische Gesellschaft, die mit den landläufigen Vorurteilen vieler Zuschauer nicht übereinstimmen dürften. Simin vertritt die Moderne, doch Nader ist traditioneller und sieht sich als pflichtbewusster Sohn. Zugleich will er, dass seine Tochter eine gute Ausbildung erhält und selbstbewusst ist. Razieh und Hodhat sind weniger gebildet, einfache und streng gläubige Menschen. Dabei erweist sich Farhadi als Meister der Alltagsbeobachtung, so dass sich das Drama tatsächlich erst vor den Augen des Zuschauers entfaltet. Deshalb weiß auch der Zuschauer lange nicht, wer die Wahrheit sagt. Erst allmählich schälen sich alle Facetten dieser Tragödie heraus. Dass mag manchen ein wenig mühsam erscheinen, aber gerade dadurch wird "Nader und Simin – Eine Trennung" zu einem glaubwürdigen Drama.

    Fazit: „Nader und Simin – Eine Trennung“ ist ein großartiger Film, der keine einfachen Lösungen präsentiert.

    Sonja Hartl






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Userkommentare
8martin vom 31.07.2011
Der Film gibt einen Einblick in den iranischen Alltag, über den wir relativ wenig wissen. Gewöhnungsbedürftig sind die langen Dialoge, in denen viele Beteiligte oftmals recht lautstark durcheinander reden. Das machen die authentischen Schauspieler und die vielen unerwarteten Wendungen wieder wett. Somit ist es kein einfacher Film. Eine Reihe kausaler Zusammenhänge fügt sich in ein Netz von Verflechtungen, bei denen man schon mal den Faden verlieren kann. Es fällt auf, dass hier eine Zweiklassengesellschaft angedeutet wird, was zusätzlichen Sprengstoff beinhaltet, denn da geht es um Gesichtsverlust, was bis an den Rand von männlichem Kräftemessen geht. Hierbei flackern trotz neuer Autos, Telefon und moderner Wohnsilos kurz immer noch archaische Strukturen auf. Dann beeindruckt aber noch ein menschlicher Aspekt: die liebevolle Pflege des an Alzheimer erkrankten Großvaters. Letztlich hat er diese ganze fatale Entwicklung ausgelöst, die mit einer unbeantworteten Frage endet. Und dem Regisseur sind Fragen offensichtlich wichtiger als Antworten. Diese beantragte Trennung war nur der Auslöser, den die Ehefrau nutzt, um sich zu emanzipieren. Das ist eine Möglichkeit in einem Land, in dem es keine sozialen Dienste gibt.
Interessant, informativ und eindrucksvoll.

filmfuzzy vom 22.05.2011
Filme aus dem Iran sind in Deutschland so selten zu sehen wie deutsche Produktionen im Iran. Dieser Film aber gewann im Februar 2011 bei den 61. Internationalen Filmfestspielen in Berlin einen Goldenen und zwei Silberne Bären. Grund genug in jetzt in die deutschen Kinos zu bringen
Ein Film ohne Filmmusik. Eine ganz neue Erfahrung. Über eine private Geschichte einer Familie in einer unfreien Gesellschaft in einem islamischen Staat.
123 Minuten ? ein fast dokumentarisch erzählte Story über den Alltag in Teheran.
Ab 14. Juli 2011 im KINO.


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