Als beschlossen wurde, die Legende der Krähe weiterzuerzählen, herrschte Einigkeit darüber, sich so eng wie möglich an O' Barrs Vision zu halten.
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Als beschlossen wurde, die Legende der Krähe weiterzuerzählen, herrschte Einigkeit darüber, sich so eng wie möglich an O' Barrs Vision zu halten. Die Geschichte des Eric Draven war zwar in den Büchern und im Film abgeschlossen, doch der Geist der Krähe, daran ließ die Comic-Vorlage keinen Zweifel, würde auch weiterhin ihren Einfluß auf ruhelose Seelen ausüben. "James´ Vorstellung war ursprünglich eine ganze Serie von ´Crow´-Geschichten gewesen", erklärt Ed Pressman, der "The Crow" produzierte. "In Anbetracht dieser Intention beschlossen wir, uns dem Stoff mit einer frischen Herangehensweise zu nähern und einen Klassiker herzustellen. Drehbuchautor David Goyer schuf mit Ashe einen völlig neuen Charakter." Jeff Most, der ebenfalls bereits beim ersten Film als Produzent fungierte, ergänzt: "Diesmal ist die Geschichte nicht in Detroit, sondern in einem düsteren, unheimlich anmutenden Teil von Downtown L.A. angesiedelt - einem fast schon ätherisch anmutenden Ortder den perfekten Rahmen bildet für die Trauer und die Schwierigkeiten, die Ashe überwinden muß. Und er ist ein Held von geradezu klassischem Format; wir haben nicht einfach nur Eric durch eine andere Person ersetzt. Ashe besitzt eine weitaus größere emotionale Tiefe. Diese zu zeigen, dazu gibt ihm eine verbotene Liebe Gelegenheit - nämlich die Liebe zwischen einer Person aus Fleisch und Blut und einer, die definitiv nicht von dieser Welt ist." "Viele Leute befürchteten, daß wir eine Art 'Ein Mann sieht rot'-Version aus 'The Crow' machen würden", sagt David Goyer. "Ich denke, sie werden angenehm überrascht sein, denn im Kern handelt es sich hier um eine tragische Liebes-geschichte." Goyer legte beim Schreiben des Drehbuchs großen Wert darauf, daß sich darin die Essenz der Buchvorlage und des ersten Films - wahre Liebe ist von ewiger Dauer - widerspiegelt. So stellte er nicht nur Ashe neu vor, sondern brachte auch eine Figur aus dem ersten Film - nämlich die inzwischen erwachsene Sarah - in die Geschichte mit ein: "Ashe ist in gewissemSinne ein Rächer wider Willen. Es erschien logisch, mit Sarah eine Frau zurückzubringen, die schon einmal mit der Krähe in Verbindung stand, um Ashe bei seinem spirituellen übergang behilflich zu sein." Beeinflußt von Motiven aus der griechischen Mythologie und literarischen Klassikern wie Dantes "Inferno" ließ Goyer viel Symbolismus in sein Skript mit einfließen.
Ein auf tragische Weise getöteter Brandon Lee spielte einen auf tragische Weise getöteten Musiker in der ersten "Krähe" und gab dem Werk eine gesunde Würze - eine schaurige Art von Atmosphäre, Poesie und Surrealismus, ganz im Sinne der Comicvorlage. Diese Faktoren, in Verbindung mit der sehr guten schauspielerischen Leistung von Brandon Lee, machten 1994 aus einem mittelprächtigen Kultfilm für Liebhaber des Genres unversehens einen 50-Millionen-Dollar-Kassenschlager. Wen wundert es da, daß in Anbetracht solcher Summen nun mit der zweiten "Krähe" zwangsläufig der Nachfolger in dieKinos kommt.
Wie so oft ist es auch in diesem Fall nicht verwunderlich, daß die Qualität der "Rache der Krähe" nicht annähernd an die des Originals heranreicht. Abgesehen von ein paar poetischen Untertönen kommt uns der Film wie eine Reihe Kotelett beim Schlachter vor: zerhackt Mangelhafte Regie und schlechtes Drehbuch machen aus der "Krähe" ein gutes Musikvideo, aber einen eindeutig langweiligen, langatmigen, Gewalt zelebrierenden Kinofilm.
Vincent Perez hat die undankbare Aufgabe, einen liebenden Vater zu spielen, der mit Hilfe einer ominösen Krähe zum Leben erweckt wird, um Rache zu üben an der brutalen Gangsterbande, die ihn und seinen Sohn sinnlos tötetet. Ihm zur Seite steht Mia Kirshner ("Exotica") als engelhafte, geheimnisvolle Frau, die ihn bei seiner Reinkarnation als allmächtiger Rächer - die Krähe - begleitet und ihn durch das Dickicht des quasi post-nuklearen Los Angeles dirigiert. Produktionsnotizen zufolge sollte Kirshners Filmfigur das um ein paar Jahre gealterte Mädchen aus dem ersten Film sein. Dies und die Tatsache, daß uns Drehbuchautor David S. Goyer jegliche Information bezüglich des zerstörten LA vorenthält, veranschaulicht deutlich den Mangel dieses "Bin ich nun tot oder nicht?"-Films.
Die Aneinanderreihung von etwas zu lang geratenen Musikvideos und die monotone Abfolge von "Heute erschießen wir wieder eine paar echt böse Jungs"-Sequenzen wird einzig und allein durch den Auftritt der Punk-Ikone Iggy Pop in der Rolle des Curve erhellt - eine Rolle, ihm auf den Leib geschrieben scheint. Es fällt nicht schwer, ihm dank seines kantigen, rauhen Gesichts und seiner sehnigen Muskeln unter der straffen tätowierten
Haut den wahnsinnigen Psychopathen abzunehmen.
Konnte man im ersten Teil aufgrund unvorhergesehener Ereignisse verstehen, daß das vorhandene Filmmaterial im wahrsten Sinne zusammengeklebt wurde, so ist dies in der aktuellen "Krähe" unverzeihlich. Hier werden gute Schauspieler und die gute Idee der Schwarzweiß-Comicvorlage von James O'Barr verschwendet.
Dieser "Krähe" bleibt nur noch die Möglichkeit, im Windschatten des Originals zu fliegen - ohne Herz - ohne Seele - ohne Flügel.