Das Erstlingswerk der Coen Brüder, die u.a. mit "The Big Lebowski" und "Fargo" Kultstatus erlangt haben, kommt aus dem Jahr 1984 digital aufpoliert und als Director's Cut zurück in unsere Kinos: Als der wohlhabende Kneipeninhaber Julian Marty (Dan Hedaya) von dem Seitensprung seiner Frau Abby (Frances McDormand) erfährt, engagiert er kurzerhand den widerwärtigen Privatschnüffler Visser (M. Emmet Walsh), der die beiden Liebenden inflagranti erwischen und den Nebenbuhler aus dem Weg schaffen soll. Doch die simple Bluttat wird für Julian zum Verhängnis, da Visser Abby und ihren Liebhaber ungeschoren davon kommen lässt, die dann ihrerseits ein Attentat auf den betrogenen Ehemann planen... Mit ihrem Frühwerk präsentierten die Coen-Brüder ein mit Elementen des Film Noir gespicktes, rabenschwarzes Puzzle-Werk, das von einer Zeit zeugt, in der das Brüder-Paar auf Familienbetrieb pur schwor: Joels Ehefrau Frances McDormand, die 1997 einen Oscar für ihre Rolle als hochschwangere Polizistin in "Fargo" erhielt, übernahm hier die Rolle der abtrünnigen Ehefrau.
Niemand stirbt schnell. Und nichts ist, wie es scheint, sollte man noch hinzufügen. Davon lebt das rabenschwarze Kabinettstückchen, mit dem die Coen-Brüder vor 16 Jahren im Kino debütierten und trotz lobenden Kritiken vom Publikum verschmäht wurden. Im Zuge des Erfolgsthrillers “Fargo“ erreicht nun eine digital aufpolierte, um vier Minuten gestraffte Version die Lichtspielhäuser. Sowas nennt sich dann Director´s Cut, tsts.
Barry Sonnenfeld, mittlerweile renommierter Regisseur, fotografierte die bedrückende Szenerie, in der Elemente des Film Noir genauso Einzug halten, wie die unbarmherzige Macht des Zufalls. Die Figuren versagen dabei, Intrigen zu spinnen und Morde zu begehen, wägen sich fälschlicherweise in Sicherheit und haben nie den Überblick. “It´s the same old song“ singen die Four Tops. “but with a different meaning“: Die Coens tragen viele bekannte Topoi zusammen, verändern diese aber. Sie schaffen eine düstere Symbolik, die den lähmenden Schauder angesichts ihres fast bösartigen Krimis forciert.
Wie in “Fargo“, dem stilistisch ähnlichsten Werk, führen die bemitleidenswert dummen Figuren Böses im Schilde. Doch die Strafe folgt nicht für ihre Gier, ihren Neid. Sie folgt als logische Antwort einer höheren Macht, die sich nicht beeinflussen lässt – dem Schicksal. Von Vorahnungen geplagt benehmen sie sich wie in einem Albtraum. Alles scheint möglich, nur kein Entkommen.