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Jasmin Tabatabai (Gripsholm)
Jasmin Tabatabai (Gripsholm)

Jasmin Tabatabai (Gripsholm)

"Schauspielen ist mein Leben"

Schon vor drei Jahren verband die in Teheran geborene Jasmin Tabatabai in "Bandits" Schauspielerei und Gesang. In "Gripsholm" beweist sie mit der Rolle der frivolen Varieté-Sängerin Billie nun erneut ihr musikalisches TaleSchon vor drei Jahren verband Jasmin Tabatabai in "Bandits" Schauspielerei und Gesang. In "Gripsholm" beweist sie mit der Rolle der frivolen Varieté-Sängerin Billie nun erneut ihr musikalisches Talent.

Jasmin Tabatabai: Das war eine ziemliche Herausforderung und nicht einfach: Erstmal der deutsche Text und dann die Frage, wie singe ich Tucholsky-Chansons. Aber der Regisseur hat mir sehr geholfen, indem er mir sagte, dass für ihn nur zählt, wie ich diese Texte für mich selbst singen würde und nicht, wie man sie singen sollte. Dadurch konnte ich die Texte so wiedergeben, wie ich sie fühlte und spürte. Nur so ist die Chance gegeben, dass es authentisch wirkt.

Spielfilm.de: Wie beurteilst du das Endprodukt?

Tabatabai: Ich bin sehr, sehr zufrieden und glücklich damit. Heike Makatsch, meiner Mutter und sogar einer Freundin von mir, der Frontsängerin einer Heavy Metal Band, gefällt die Musik sehr gut. Ich höre sie auch selbst zu Hause und finde, diese Musik hat etwas Zeitloses.

Spielfilm.de: Schauspiel und Gesang - deine großen Leidenschaften. Deshalb die Rolle der frivolen Varieté-Sängerin?

Tabatabai: Teilweise sicherlich, ja. Das war nach "Bandits" das zweite Mal, dass ich diese beiden Dinge verknüpft habe. Ich halte das für eine tolle Kombination und schließe nicht aus, dass ich so etwas noch öfter machen werde. Aber keine Angst, ich werde jetzt nicht in jedem Film singen. (lacht)

Aber Drehbuch, lange Gespräche mit Xavier Koller, dem Regisseur, und vor allem die Novelle "Schloss Gripsholm" selbst waren ausschlaggebend. Ich war völlig verzaubert: ein Ton, eine Leichtigkeit, Sinnlichkeit und Eleganz, dass man fast Wehmut nach der damaligen Zeit bekommt. Zumal sich ja die deutsche Kultur seit dem Nazizeitalter und der Ermordung der Juden eigentlich nie richtig erholt hat.

Spielfilm.de: Kommt der Film also gerade zur richtigen Zeit?

Tabatabai: Ich kann es nicht sagen. Gripsholm ist ja in erster Linie ein Liebesfilm und nicht ein Politdrama. Gut finde ich aber zumindest, dass momentan selbst konservative Zeitungen darauf aufmerksam werden, dass wir ein Problem haben in Deutschland: den Rechtsradikalismus. Und wenn man bedenkt, dass in den letzten zehn Jahren 98 Menschen wegen Fremdenhass getötet wurden, finde ich es peinlich und beschämend, dass so etwas im heutigen Deutschland passieren kann. So etwas zeigt auch, dass Deutschland seine rechtsradikale Vergangenheit eben doch noch nicht ganz verarbeitet hat. Man hat mir auch am Anfang meiner Karriere prophezeit, dass ich keine Chance im Showbiz hätte, wenn ich nicht meinen Namen ändern und die Haare abschneiden würde. Aber ich kann trotzdem gut mitspielen, und das spricht für Deutschland und gibt mir zu hoffen. Ich versuche daher, durch meine Person, mit dem was ich mache und nicht mache, darstelle und fühle zu zeigen, dass es auch so geht - zumal ich ja auch ein Produkt verschiedener Kulturen bin.

Spielfilm.de: Findest du, dass es genügend gute Frauenrollen in Deutschland gibt?

Tabatabai: Leider, nein, es gibt wenige tolle Projekte, mit denen man dann auch noch in Verbindung gebracht wird, und es ist äußerst bedenklich, dass es dieses Jahr wirklich kaum mehr gute Frauenrollen in Drehbüchern gibt.

Spielfilm.de: Woran mag das liegen?

Tabatabai: Vielleicht ist es das Desinteresse, aber was mich wirklich wahnsinnig macht, sind diese prominenten Frauen, die sagen: Ja, ich bin jung und modern, aber bloß keine Emanze, damit hab ich nichts zu tun. Bleibt man aber realistisch, dann sieht man, wie schwer es in Deutschland für eine Frau ist, nach oben zu kommen. Ich hatte mit meinen Rollen bisher Glück, aber betrachtet man die Masse der Frauenrollen, so handelt es sich doch immer um ein Opfer, eine Schlampe oder ähnliches. Warum kann man nicht einfach ganz normale Frauen darstellen, die Mut haben, feige sind, die leiden und lachen? Was soll denn dieses blöde antiquierte Tussenimage? Die normale deutsche Frau ist doch nicht Verona Feldbusch oder Jenny Elvers. Ich bin viel normaler, und trotzdem wird einem immer wieder gesagt, das seien die wirklichen, neuen Vorbilder.

Spielfilm.de: An was erinnerst du dich am liebsten, wenn du an die Dreharbeiten zu "Gripsholm" zurückdenkst ?

Tabatabai: Ja, das sind immer so Dinge, die zwischen den Drehtagen geschehen. Ich konnte zum Beispiel die gesamte Produktion überreden, mich einmal das volle Programm in einem alten Militärflugzeug mitfliegen zu lassen. Die Stuntfrauen mussten sich damals übergeben, für mich war das aber absoluter Spaß und pure Begeisterung. Außerdem haben Heike Makatsch und ich fast jeden Abend eine private Zimmerparty mit diversen Leuten aus dem Team veranstaltet. Ja, ja, schwedische Popmusik, und dann dazu getanzt...das war ein irrsinniger Spaß (lacht).

Spielfilm.de: So eine starke Freundschaft wie zwischen dir und Heike findet man ja auch sehr selten beim Film...

Tabatabai: Ich bin jetzt zehn Jahre im Geschäft, und höchstens zwei oder drei gute Freunde sind mir seitdem geblieben. Heike gehört auf jeden Fall dazu, und sie ist mir sehr wichtig. Ich schätze sie als tolle Kollegin, sie ist witzig und man kann sich mit ihr über alles unterhalten. Das ist Glück, Luxus und Segen und ich weiß das sehr zu schätzen. Zumal das Schauspielen ja geradezu tödlich für Beziehungen ist. Zunächst mal die räumliche Trennung, dann aber auch die vollkommene, geistige Beschäftigung mit der Rolle - das können Partner verständlicherweise sehr schwer ertragen.

Spielfilm.de: Wäre das unter Umständen ein Grund für dich, irgendwann auszusteigen?

Tabatabai: Nein, Schauspielen ist mein Leben, ist Beruf und Berufung, ich definiere mich auch über meine Arbeit und bin wirklich glücklich, dass ich sie ausüben darf.

Interview: Johannes Bonke / Rico Pfirstinger





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