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Sinbad - Jasmin Tabatabai (36) über das 'Abenteuer Film', ...
Sinbad - Jasmin Tabatabai (36) über das 'Abenteuer Film', Mutterglück und dreißig Kilo Übergewicht

Sinbad - Jasmin Tabatabai (36) über das "Abenteuer Film", Mutterglück und dreißig Kilo Übergewicht

Plötzlich ist alles anders

Nicht nur in ihren Filmen "Bandits" und "Gripsholm" kombiniert sie Schauspielerei mit Musik: Jasmin Tabatabai arbeitet an CDs und Hörbüchern, liest aus den Tagebüchern Curt Cobains und steht mit Nena auf der Bühne. Nicht nur in ihren Filmen "Bandits" und "Gripsholm" kombiniert sie Schauspielerei mit Musik: Jasmin Tabatabai arbeitet an CDs und Hörbüchern, liest aus den Tagebüchern Curt Cobains und steht mit Nena auf der Bühne. Ein Multitalent, das so leicht nicht still zu kriegen ist. Zurzeit synchronisiert die 36-Jährige das neue DreamWorks-Trickfilmabenteuer "Sinbad" und schwelgt ganz nebenbei im frischen Mutterglück. Eine Emanze der Extraklasse. Wir besuchten sie im Tonstudio.

Jasmin Tabatabai: Synchronisieren ist auch echt anstrengend. Als Schauspieler kommt man wenigstens manchmal ans Tageslicht, aber im Tonstudio heißt es: Nur du alleine, in einem dunklen Raum. Es ist eine enorm präzise Arbeit, bei der nicht allzu viel Spielraum für eine eigene Interpretation der Rolle bleibt.

Spielfilm.de: Trotzdem häufen sich Ihre Synchronarbeiten. Gerade erst haben Sie Queen Latifah in der Komödie "Haus über Kopf" Ihre Stimme geliehen.

Tabatabai: (lacht) Gibt es eine dicke, schwarze Schauspielerin in einem Film, dann ist es fast schon Tradition, dass man mich für die Synchronisation vorschlägt. Bei "8 Frauen" war es so, hier auch wieder. Irgendetwas ganz Typisches muss in meinem Tonfall liegen. Was genau das ist, weiß ich aber auch nicht. (lacht) Aber ich arbeite sehr gerne mit meiner Stimme.

Spielfilm.de: Also ist es kein Zufall, dass sich Ihre Engagements für Synchronrollen, Hörbücher und Lesungen in letzter Zeit häufen?

Tabatabai: Nein, gar nicht. Alles, was mit Sprache zu tun hat, macht mir wahnsinnig Spaß. Das war schon immer so. Allerdings werde ich den Synchronsprechern ihren Job nicht wegnehmen. Allzu oft kommen diese Jobs ja auch nicht vor: Queen Latifah finde ich einfach cool, Dreamworks-Filme sind sehr selten und werden in Amerika meist von Superstars synchronisiert. Bei beiden Angeboten kann man eigentlich nicht nein sagen.

Spielfilm.de: Zumal "Sinbad" zu den wenigen Kultmärchen zählt. Können Sie sich eigentlich mit dem Image des Abenteurers identifizieren?

Tabatabai: In gewisser Weise schon. Mein ganzer Beruf ist ein einziges Abenteuer. Bei Stunt-Szenen muss ich mich allerdings in letzter Zeit immer bremsen, denn ich bin gerade Mutter geworden. Trotzdem flammt aus irgendwelchen Gründen immer wieder auch das Kind in mir auf, das am liebsten alles selber machen möchte. (lacht)

Spielfilm.de: Schauspielerin, Musikerin, Mutter. Wie sieht die Rangordnung aus?

Tabatabai: Ganz klar: In erster Linie bin ich begeisterte Mutter und einfach glücklich, endlich eine eigene Familie zu haben. Musik und Film variieren immer sehr stark. Je nach dem, von welcher Branche ich gerade mal wieder die Schnauze voll habe.

Spielfilm.de: Welcher Zweig ist es denn momentan?

Tabatabai: Die Musikbranche steht mir bis oben hin. Man wird auf Dauer einfach wahnsinnig. Ab einem gewissen Punkt geht es nicht mehr um deine Arbeit, sondern um Kommerz und Radiokompatibilität. Von Zeit zu Zeit brauche ich eine Pause.

Spielfilm.de: Trotzdem kehren Sie, wie Sie mal sagten, in Musik und Film Ihr Innerstes nach außen.

Tabatabai: Man ist auf der Suche nach Liebe, nach Anerkennung. Ein ziemlich starkes Mitteilungsbedürfnis eben. Vermutlich bekam ich als Kind zu wenig Aufmerksamkeit. Ich war die Jüngste, hatte Narrenfreiheit, aber auch das Gefühl, dass mir einfach niemand zuhört.

Spielfilm.de: Ist das Leben als Wonneproppen nicht auch herrlich entspannend?

Tabatabai: Klar, ich durfte immer der Clown sein! Die Verantwortung trugen meine älteren Geschwister. Dieses Kind habe ich mir bis heute bewahrt. Ich liebe und lebe es aus. Übrigens nur zu empfehlen! Es macht das Leben um einiges schöner. Als Mutter erlebt man dieses Gefühl noch einmal intensiver, fast wie ein zweites Mal.

Spielfilm.de: Wollten Sie denn schon immer Kinder?

Tabatabai: Eigentlich schon. Früher hatte ich das Image des ewigen Singles, und das nur, weil ich mich nie sofort in eine Beziehung gestürzt habe. Heute habe ich meinen Traumpartner gefunden und habe ein Kind. Ich bin glücklich.

Spielfilm.de: Was sind denn die schönsten Momente im Beruf "Mama"?

Tabatabai: Wenn meine Tochter mich anstrahlt und mit mir schmusen will. Wenn sie ganz langsam beginnt, bestimmte Verhaltensweisen von mir zu kopieren. Für mich ist das ein wahres Wunder. Ich habe zehn Jahre lang nur gearbeitet und geradlinig an meiner Karriere gebastelt. Plötzlich ist alles anders...

Spielfilm.de: ...und Sie wirken dabei rundum zufrieden.

Tabatabai: Ich sehe den Beruf heute mit anderen Augen, bin dankbarer geworden. So viele Leute versuchen es tagtäglich und bekommen keine Rolle. Ich bin erfolgreich und werde für diesen wundervollen Job auch noch bezahlt. Was, bitte, will man mehr?

Spielfilm.de: Trotzdem drehen Sie in letzter Zeit nicht gerade viele Filme!

Tabatabai: Ich war schwanger und habe mir eine Auszeit genommen. Meistens saß ich auf der Couch, habe ständig gegessen und das Urweib so richtig ausgelebt. Volle dreißig Kilo habe ich in dieser Zeit zugelegt. Von fünfzig auf achtzig! Mein ganzes Leben war ich dünn und burschikos. Mir war gar nicht bewusst, dass ich zu solchen Rundungen fähig bin. Catherine Zeta-Jones und ich haben hier einiges gemeinsam! (lacht) Aber jetzt macht mir das Drehen wieder richtig Spaß.

Spielfilm.de: Fühlt man sich mit diesem Übergewicht nicht unwohl?

Tabatabai: Im Gegenteil! Einige Kilos möchte ich sogar behalten. Bei "Schloss Gripsholm" war ich wirklich extrem dünn. Meiner Meinung nach dürfen Frauen ruhig etwas mehr haben.

Spielfilm.de: Was passiert während der Drehs mit der Kleinen?

Tabatabai: Die kommt mit. Aber ohne Kindermädchen. Mein Mann und ich teilen uns die Arbeit. Gerade passt er übrigens auf sie auf, sonst könnten wir uns gar nicht unterhalten. Er unterstützt mich sehr.

Spielfilm.de: Sie sind also ein Workaholic im Mamaglück?

Tabatabai: Klar. Ich kann zwar auch faul sein, aber zwischen zwanzig und dreißig habe ich mich über meine Arbeit ausgedrückt. Dazu stehe ich. Obwohl man mit dieser Aussage in Deutschland sehr schnell als Karriereweib verschrien ist. Wäre es mir damals nur ums Geld gegangen, hätte ich ganz andere Filme drehen können. Mir war und ist aber die Arbeit an sich wichtig.

Spielfilm.de: In diesem Zusammenhang haben Sie sich schon mehrmals über Feldbusch, Elvers und Konsorten ausgelassen. Die BZ bezeichnete Sie danach...

Tabatabai: ...als "Läster-Tussi"! (lacht) Ich habe diesen Artikel gerahmt und aufgehängt. Meine erste Boulevardschlagzeile. Mittlerweile dürfte jeder erkannt haben, dass meine Äußerungen zu diesem Thema nicht völlig daneben waren. Es ging mir ja auch nie um diese Leute persönlich, sondern nur um ihre Austauschbarkeit. Ende der 90er-Jahre war Oberflächlichkeit unglaublich cool. Zum Glück ist dieses furchtbar hohle Medienbild wieder auf dem Weg zur Besserung.

Spielfilm.de: Merkt man das auch an den Drehbüchern?

Tabatabai: Es gibt in Deutschland nur wenig gute Drehbücher. Warum? Weil wir keine Projektentwicklung machen. Eine gute Story ist wie ein Sechser im Lotto. Durch die Kirch-Pleite ist zudem nur wenig Geld da, der Filmmarkt stagniert. Allerdings kann man das auch positiv sehen. Vor ein paar Jahren gab es noch irrsinnig viel Schrott im Fernsehen, der nun allmählich wieder verschwindet. Wer braucht schon das fünfzigste billige Sat1 TV-Movie? (lacht)

Spielfilm.de: Sie haben mal gesagt: "Ich erlaube mir Rollen, die mich begeistern." Was darf eine Rolle denn auf keinen Fall haben?

Tabatabai: Schwer zu sagen. Wichtig ist, dass ich mich mit der Figur identifizieren kann. Sonst empfinde ich es als verlorene Lebenszeit. Da setze ich mich dann lieber mit meiner Gitarre hin und schreibe Songs. Oder kümmere mich um meine Tochter. Natürlich habe ich auch misslungene Filme gemacht, aber nie bewusst und nie wegen des Geldes. Ich will mit dieser Aussage nicht arrogant klingen. Aber ich bin sehr stolz auf meinen bisherigen Weg.

Interview: Johannes Bonke / Rico Pfirstinger





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