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'Die Unglaublichen': Barbara Schöneberger über geile ...
'Die Unglaublichen': Barbara Schöneberger über geile Schnitten, dicke Busen, ihren Hang zur Ironie

"Die Unglaublichen": Barbara Schöneberger über geile Schnitten, dicke Busen, ihren Hang zur Ironie

"Mit Sex und Erotik habe ich nichts zu tun"Barbara Schöneberger zählt zu Deutschlands quirligsten und schlagfertigsten Moderatorinnen. Mit ihrem Show-Format "Blondes Gift" wurde sie berühmt, mit Hugh Grant liebäugelte sie beim "Wetten...dass?"-Armdrücken, und seit Februar verwöhnt sie ihre Gäste in der "Schöneberger Show". Doch wie direkt die 30-jährige Entertainerin tatsächlich ist, bewies sie beim Interview anlässlich ihrer Synchronarbeit für den Animationsfilm "Die Unglaublichen".

Spielfilm.de: Frau Schöneberger, in "Die Unglaublichen" synchronisieren Sie ein Objekt der männlichen Begierde: die gewiefte Agentin Mirage. Wie kam es dazu?

Barbara Schöneberger: Wenn ich ehrlich bin, habe ich zugesagt, ohne meine Rolle überhaupt zu kennen. Ich wusste nur, dass die Macher von "Findet Nemo" mich gerne buchen würden, da dachte ich mir: Gute Idee! Aber vermutlich haben sich die Verantwortlichen richtig Gedanken gemacht, wen sie mit der Rolle besetzen. Der Titel meiner TV-Show "Blondes Gift" umschreibt Mirage nämlich ziemlich treffend.

Spielfilm.de: Hat Ihnen die Rolle als Geheimagentin zugesagt?

Schöneberger: Klar, ich bin mit James Bond aufgewachsen, habe die alten Filme geliebt. Zurzeit erfährt das Genre ja wieder eine Renaissance, sogar Berliner Clubs sind eingerichtet wie in typischen Bond-Filmen. Ähnlich ist es auch bei "Die Unglaublichen". Manchmal hat man regelrecht das Gefühl, dass gleich Gert Fröbe mit einer Katze auf dem Arm auftauchen müsste.

Spielfilm.de: Gefällt Ihnen das Image eines Bond-Girls?

Schöneberger: Ich finde es ganz in Ordnung, sexy zu wirken. Wenn die Rolle darüber hinaus auch noch etwas mitbringt, ist das natürlich schön, aber nicht zwangsläufig notwendig. Bond-Fans wollen aufwändige Explosionen, coole Anzugtypen mit Martini und geile Schnitten mit dicken Brüsten, die im knappen Bikini aus dem Wasser steigen. Es muss ja nicht immer gleich eine intellektuelle Auseinandersetzung stattfinden.

Spielfilm.de: Setzen Sie Ihre Reize bewusst ein?

Schöneberger: Nein, nein, nein. Das weise ich weit von mir. Ich habe mit Sexualität und Erotik nichts zu tun. Ich verstehe auch einfach nicht, wie man diese Themen immer wieder mit meiner Person in Zusammenhang bringen kann.

Spielfilm.de: Zum Glück haben wir dieses Missverständnis nun geklärt.

Schöneberger: Gott sei Dank! Aber jetzt mal ehrlich: Ich werde natürlich immer wieder auf dieses Image angesprochen. Ich kann dazu nur sagen, dass ich nicht zu den Frauen auf der Mattscheibe zähle, die immer toll und unheimlich sexy aussehen. Oft benehme ich mich total daneben, habe die falschen Sachen an, kurzum: Es passt alles irgendwie nicht so richtig zusammen. Ich bin einfach nicht die total super perfektionierte Sexbombe. Ich habe zwar Fotos für die F.H.M. gemacht, aber auch da kann man sagen, dass ich es lieber hätte lassen sollen. Natürlich habe ich eine gewisse Körperlichkeit, die ich nicht verbergen kann, aber ich bin nicht das non plus ultra einer Sexsymbols. Ich zeige, was ich habe und hoffe, irgendwann den Absprung zu schaffen, bevor es zu spät ist. Dann muss ich eben meine Reize so verhüllen, dass es appetitlich anzuschauen ist.

Spielfilm.de: Sie haben ja noch andere Qualifikationen.

Schöneberger: Mittlerweile hat hoffentlich jeder erkannt, dass ich richtig artikulieren und Interviews führen kann. Wenn eine Frau spontan und lustig ist und dabei noch gut aussieht, gerne! Dass man auch ohne gutes Aussehen in diesem Beruf Erfolg hat, bleibt bisher leider nur Männern vorbehalten.

Spielfilm.de: Sie meinten einmal, dass Sie Frauen faszinierender finden als Männer. Was haben wir falsch gemacht?

Schöneberger: Frauen sind viel toller und raffinierter als ihr Männer. Wir wickeln euch so geil um den Finger, dass wir uns manchmal ans Hirn fassen und uns fragen, ob ihr wirklich so dämlich seid. Ich mag Frauen, die so etwas mit Geschick hinbekommen. Es ist ja nicht so, dass ich Männer nicht leiden kann, aber mit der zarten Haut einer Frau kann einfach niemand von euch mithalten.

Spielfilm.de: Wie gehen Männer mit Ihnen um?

Schöneberger: Die waren früher selbstbewusster als heute, viel zugänglicher. Viele kamen ohne Aufforderung zu mir gewackelt, um zum fünften Mal zu fragen, warum ich nicht mit ihnen Essen gehen will. Das passiert mir nicht mehr, seit ich bekannt bin. Mich spricht keiner mehr an.

Spielfilm.de: Vermissen Sie das nicht?

Schöneberger: Nein.

Spielfilm.de: Also ist Ihr persönlicher Superheld weiblich?

Schöneberger: Mein persönlicher Superheld ist natürlich Mr. Incredible. Weil er trotz allem auf dem Boden geblieben ist.

Spielfilm.de: Hätten Sie gerne eigene Superkräfte?

Schöneberger: Das Drama des hoch begabten Kindes stelle ich mir ziemlich schlimm vor. Deswegen möchte ich keine Kräfte haben, die mich zu sehr von anderen unterscheiden. Unsichtbar wäre ich manchmal gerne, das ein oder andere Gespräch würde ich nämlich schon mithören wollen.

Spielfilm.de: Zum Beispiel?

Schöneberger: Auf keinen Fall Gespräche, in denen es um mich geht. Da würde ich es mir wohl schnell mit einigen verscherzen. Beim Präsidentschaftswahlkampf wäre ich gerne dabei gewesen. Zum Beispiel würde ich gerne sehen, wie sich George W. Bush an einer Pretzel verschluckt, vom Husten geschüttelt vornüberkippt und sich den Kopf aufschlägt.

Spielfilm.de: Vielleicht sprechen wir doch besser wieder über Sex - das ist auch Dauerthema Ihrer Moderation.

Schöneberger: Ich spiele aber nicht mit dem Klischee, sondern thematisiere nur. Warum? Weil Sex immer gut ankommt. Wenn Stefan Raab vom "Pillermann" spricht, brechen alle in Gelächter aus. Sex ist eine gemeinsame Ebene, jeder hatte schon mal Sex oder wollte welchen haben. Da jeder mitreden kann, ist es einfach ein dankbares Thema. Eigentlich ist ohnehin alles, was ich mache, ironisch aufzufassen.

Spielfilm.de: Das müssen Sie genauer erklären.

Schöneberger: Ich frage mich immer wieder, warum für meinen Mist soviel Geld ausgegeben wird. Man muss ironisch sein, sonst bekommt man in den meisten Fällen eine verschobene Wahrnehmung. Für mich ist Ironie das intelligenteste Stilmittel, das man wählen kann. Bei dem, was ich mache, ist Ironie immer am richtigen Platz. Genauso wie Sex immer ein gutes Gesprächsthema ist.

Spielfilm.de: Ironie verkommt oft zur Koketterie.

Schöneberger: Irgendwann wird alles zur Koketterie. Wenn du eine Frage 80.000 Mal beantwortet hast, kannst du einfach nicht mehr natürlich antworten. Ich war immer jemand, der viel von sich erzählt hat, aber wenn einige Geschichten irgendwann zu breit getreten werden, muss man sie wieder relativieren. Man muss für sich selbst eine Grenze ziehen. Oder das ganze wieder mit Ironie sehen.

Spielfilm.de: Stoßen Sie mir Ihrer ganz speziellen Art nicht manchmal gegen Wände?

Schöneberger: Ich mache mittlerweile nichts mehr, wo ich mich verstellen muss. Ich mache nur noch das, wo ich so sein kann, wie ich bin. Ich spreche keine vorgegebenen Sätze, die nicht zu mir passen. Mich nach Zuschauern zu richten, habe ich schon lange aufgegeben. Von vielen will ich gar nicht, dass sie über mich lachen. Ich schließe mich da dem guten alten Harald Schmidt an: Man muss nicht immer massenkompatibel sein.

Spielfilm.de: Sie sind in diesem Jahr dreißig geworden. Hat das Ihre Einstellung zum Leben verändert?

Schöneberger: Ich merke, dass es langsam ernst wird. Bis Ende zwanzig kann man immer herumhoppeln und mangelnde Entscheidungskraft auf das junge Alter schieben. Ab dreißig spürt man dann plötzlich den Drang, sein Leben besser zu planen. Und nachdem ich nicht besonders gut darin bin, mir Dinge zu überlegen und Pläne zu schmieden, fange ich an, ein bisschen rumzueiern. Auch was das Thema Familie und Kinder betrifft. Man sollte sich ganz genau darüber klar werden, wer man ist und was man möchte. Sonst wacht man eines Tages auf, und merkt, dass die Proben vorbei sind und die Vorstellung schon begonnen hat.

Interview: Johannes Bonke / Rico Pfirstinger





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