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Ratatouille: John Lasseter

Trickfilmpapst John Lasseter (50) über kochende Ratten, Pixars Fusion mit Disney und sein Erfolgsrezept

"Sag niemals nie"Nachdem sie ihn bei Disney nicht mehr haben wollten, landete John Lasseter als kreativer Leiter des Trickfilmstudios Pixar Hit um Hit: "Toy Story" (plus Fortsetzung), "Das große Krabbeln", "Die Monster AG", "Findet Nemo", "Die Unglaublichen", "Cars" - und nun das rattenscharfe Epos "Ratatouille", in dem ein Gourmet-Nager namens Remy sich ausgerechnet in einem Pariser Edelrestaurant als Küchenchef beweisen muss. Wie schwierig die Geburt des Filmes war, belegt seine Geschichte: Auf halbem Weg ersetzte Lasseter den ursprünglichen Regisseur Jan Pinkava (Kurzfilm-Oscar 1998) mit seinem erfahreneren Freund Brad Bird ("Die Unglaublichen"). Und auch bei seinem altem Arbeitgeber Disney, wo Lasseter seit der Disney/Pixar-Fusion nun ebenfalls das Trickfilmstudio leitet, hat er gründlich aufgeräumt. Ironie des Schicksals - doch das Publikum, das von Disney zuletzt nur noch peinliche Flops erwarten durfte, wird es dem Visionär der 3D-Animation danken. Wir trafen John Lasseter anlässlich der "Ratatouille"-Premiere in Paris
Spielfilm.de: Mr. Lasseter, werden Sie jemals wieder Regie führen?
John Lasseter:Ja, weil ich es ganz einfach liebe. Das Animieren von Filmen ist für mich die wohl größte kreative Befriedigung. Es ist ein fantastischer Prozess, vor einem Computer zu sitzen, an einer Figur zu arbeiten und sie nach und nach zum Leben zu erwecken. Als ich dann zum ersten Mal Regie geführt habe, konnte ich auf einmal jahrelang mit einer Hundertschaft von Kreativen an einem Projekt arbeiten. Ich lebte in dieser Zeit sprichwörtlich für den Film.Spielfilm.de: Nach "Toy Story 2" haben Sie sich allerdings trotzdem eine Auszeit genommen und sind als Produzent eher hinter die Kulissen getreten.
John Lasseter:Dabei habe ich als Produzent aber trotzdem noch eng mit Pete Docter an "Die Monster AG", mit Andrew Stanton an "Findet Nemo" und mit Brad Bird an "Die Unglaublichen" gearbeitet. Obwohl ich anfangs Zweifel hatte, ob mich diese Beratungsfunktion ebenfalls erfüllen würde, wurde ich doch positiv überrascht. Für "Cars" bin ich noch einmal zur Regie zurückgekehrt, habe mich dann aber doch dazu entschlossen, vorerst nur noch meinen aktuellenJob als Kreativdirektor und Produzent zu machen. Wir haben zu viele Filme in Produktion, als dass ich mich nur auf einen davon konzentrieren könnte, und durch unsere Firmenfusion wird das sicherlich noch mehr werden. Aber ich würde mich nie zu der Aussage hinreißen lassen, dass ich nie wieder Regie führen werde. Dafür liebe ich den Job wie gesagt zu sehr.Spielfilm.de: Ihr derzeitiger Arbeitgeber Pixar wurde von Disney übernommen, nun leiten Sie nicht nur bei Pixar, sonden auch bei Disney die Trickfilmabteilung. Wie istdort die Stimmung?
John Lasseter:Walt Disney hat mich vor Jahren dazu inspiriert, mich in der Animation zu versuchen. Ich habe sogar eine Zeit lang in Disneyland gearbeitet. Ich genieße es also sehr, Zeit in dieser Firma zu verbringen. Disney hat einige phänomenale Angestellte, mit denen die Zusammenarbeit die reinste Freude ist. Es ist, als ob man statt Gemüse ein fettes Dessert serviert bekommt. (lacht)Spielfilm.de: Werden die Trickfilmstudios der beiden Firmen nun verschmolzen?
John Lasseter:Nein, Disney und Pixar werden immer zwei unabhängige Filmstudios bleiben. Die Fusion fand unter der Prämisse statt, dass die Kreativabteilung von Pixar erhalten bleibt. Nur ein kleiner Teil der Angestellten arbeitet wie ich in beiden Bereichen. Die leitenden Kreativen wurden durch die Fusion nämlich zu engen Freunden. Die Regisseure der einzelnen Studios kennen sich und ihre Projekte, sprechen sich untereinander ab und geben Ratschläge. Aber der Großteil der Angestellten arbeitet nur für eins der beiden Studios.Spielfilm.de: Gab es bei Disney intern Änderungen? Immerhin hatteDisney eine ganzeReihe von Flops, während Pixar einen Hit nach dem anderen landet.
John Lasseter:Ich und Ed Catmull, der Präsident der beiden Studios, haben dort gemeinsam aufgeräumt. Wir haben die Struktur von Disney dahingehend an Pixar angeglichen, dass Entscheidungen nun in einer Art kreativem Kollektiv getroffen werden. Verschieden Leute werfen ihre Ideen zusammen, damit ein gutes Ergebnis herauskommt. Diese Änderungensind nun seit etwa 1 ½ Jahren aktiv und zeigen erste Früchte.Spielfilm.de: "Ratatouille" wirkt komplizierter und erwachsener als andere Animationsfilme. Wieso?
John Lasseter:Ich halte Brad Bird, den Regisseur, für einen der begabtesten Filmemacher überhaupt. Dank seines außergewöhnlichen Talents hat er "Ratatouille" eine völlig neue Tiefe verliehen. Wir gingen schon zusammen aufs College, arbeiteten später gemeinsam für Disney und bekamen dieselben Leitsätze von denselben Mentoren mit auf unseren Karriereweg. Damals kam "Star Wars" in die Kinos. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie sehr es uns beeindruckt hat, wie ein Film Zuschauer auf so breiter Frontbegeistern kann. Damals nahmen wir uns fest vor, dasselbe im Animationssektor zu erreichen: hochkarätige Filme, die für Erwachsene wie Kinder funktionieren.Spielfilm.de: Nun ist die Ausgangssituation des Films ja recht absurd: Eine Ratte will Chefkoch werden. Was dachten Sie, als Sie zum ersten Mal von der Idee hörten?
John Lasseter:Ich war sofort begeistert. In der Branche nennen wir diese Art von Geschichten "Fish out of WaterStories". Sie sind so ungewöhnlich, dass sie einfach funktionieren müssen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist für mich dabei immer, zu welchem emotionalen Wachstum die Hauptfigur in der Lage ist. Nur wenn das stark ausgeprägt ist, kann das Publikum auch mitfühlen. Mir war natürlich klar, dass Ratten in einer Küche einige Zuschauer in Aufruhr versetzen würden. Aber ich hatte doch das Gefühl, dass wir damit zur klassischen Disneygeschichte zurückkehren: Ich war schon immer ein großer Fan der klassischen Mäuse in "Cinderella".Spielfilm.de: Wie animiert man eine Ratte?
John Lasseter:Wir haben die Bewegungen der Tiere vorher genau studiert. Wir wollten ein Zwischending schaffen, bei dem die Zuschauer zwar erkennen, dass sie lebt und fühlt, aber trotzdem das Gefühl haben, dass es sich noch um ein Tier handelt und nicht um ein menschliches Wesen. Die Animation der Tiere war zwar schwer, aber noch lange nicht so nervenaufreibend wie die Animation des Essens.Spielfilm.de: Wieso?
John Lasseter:Weil Essen in Trickfilmen immer wie Plastik aussieht. Also haben wir uns auf Recherchetournee begeben, besuchten die besten Restaurants in Paris und sprachen mit einigen US-Gourmetköchen. Wir stellten uns essenzielle Fragen: Was muss man beachten, damit Essen roh oder gekocht aussieht? Wie reflektiert sich das Licht auf Mahlzeiten? So näherten wir uns der Problematik langsam an.






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