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Wasser für die Elefanten - Hauptplakat
Wasser für die Elefanten - Hauptplakat
© 20th Century Fox

Wasser für die Elefanten - Interview mit Gary Johnson

Im Interview mit Tais Besitzer Gary Johnson erklärt er, wie die Elefantendame für ihre Schlüsselrolle in WASSER FÜR DIE ELEFANTEN vorbereitet worden ist und wie sie sich mit ihren menschlichen Ko-Stars angefreundet hat. Der spannende Film basiert auf dem Beststeller von Sara Gruen.
Spielfilm.de: Können Sie uns erklären, was ihre Firma „Have Trunk Will Travel“ genau tut?
Gray Johnson:„Wir haben sechs Elefanten, fünf davon sind weiblich und einen Zuchtbullen. Bei uns sind vier Jungtiere geboren, was ausgesprochen selten ist. Das ist ein großer Erfolg, denn asiatische Elefanten sind vom Aussterben bedroht. Weltweit gibt es nur noch ca. 35 Tausend davon. Wir beschäftigen acht Vollzeit Mitarbeiter, die sich um die Elefanten kümmern. Tai, eine asiatische Elefantendamen ist die Rosie in WASSER FÜR ELEFANTEN. Alle unsere Elefanten, mit Ausnahme des Bullen, haben schon oft in Filmen, Werbespots und TV Shows mitgespielt. Für Tai sind Filmsets und Regisseure nicht fremd. Wir haben sie nun schon seit 35 Jahren, und durch die Erfahrungen, die sie schon machen konnte, ist die Zusammenarbeit mit ihr immer sehr angenehm.“Spielfilm.de: Wie viel Arbeit steckt für Sie und Tai in diesem Film?
Johnson:“Speziell bei diesem Film haben wir sehr viel gearbeitet. Es war aber auch alles sehr aufregend für uns. Ich mochte alle am Film Beteiligten sehr. Jeder ist mit uns sehr respektvoll umgangen und alle waren immer freundlich zu uns. Regisseur Francis Lawrence erwies sich als echter Gentleman und hat meiner Meinung nach einen Super Job gemacht. Er ist dutzende Male zu uns auf die Ranch nach Kalifornien gekommen, um bei den Proben zuzuschauen und um Zeit mit Tai zu verbringen. Somit wusste er genau, wie er später die Szenen mit ihr zu drehen hatte.“Spielfilm.de: Wie viel Zeit hat Reese Witherspoon mit Tai verbracht? Die Beziehung zwischen Marlena und Rosie ist doch für die Geschichte von „Wasser für die Elefanten“ sehr wichtig?
Johnson:„Reese Witherspoon hat uns ziemlich oft auf unserem Anwesen besucht, um mit Tai zu proben, denn sie hatte einige physisch sehr fordernde Szenen mit ihr. Sie musste auf Tai klettern, genauso wie man es vom Zirkus her kennt, wenn die Mädchen ganz oben auf den Elefanten sitzen. Tai legte sich dann auf die Seite und beim Aufstehen musste Reese lernen, auf ihren Rüssel zu steigen. Sie musste verschiedene Möglichkeiten üben, um hoch zu klettern. In einer Szene steht Tai auf ihren Hinterbeinen und Reese direkt unter ihr. In einer anderen Szene macht Tai einen Kopfstand, und Reese tanzt gleichzeitig unter ihr. Das alles ist ziemlich kompliziert und wir mussten diese Szenen mit einem Choreographen ausarbeiten. Das Timing musste bis auf den Bruchteil einer Sekunde stimmen. Ein anderes Mal steht Reese auf dem Elefanten. In einer weiteren Einstellung sitzt Tai auf einem Sockel, stellt sich auf die Hinterbeine und Reese steigt dabei auf ihren Rücken. Für diese Szenen musste Reese sehr lange üben, denn das ist nicht ganz einfach. Tai macht so etwas regelmäßig und es ist Teil ihrer Übungen. Sie trainiert täglich, übt viel und hält damit auch ihre Muskeln fit. Sie ist wirklich sehr gut in Form.“Spielfilm.de: Wie schwierig war das für Reese?
Johnson:„Sie war ausgezeichnet und hat uns erzählt, dass sie als junges Mädchen geturnt hat. Sie ist zusammen mit Tieren aufgewachsen und hat sich sehr wohl mit ihnen gefühlt. Alle drei Hauptdarsteller, Reese Witherspoon, Robert Pattinson und Christoph Waltz haben uns sehr beeindruckt. Wir sind sehr glücklich, dass wir mit ihnen arbeiten durften. Sie sind einfach wunderbar“.Spielfilm.de: Was sind die aufregendsten Szenen mit Tai und Reese, die die Zuschauer sehen werden?
Johnson:„Ich glaube, meine Lieblingsszene ist die Schlussszene, in der Reese oben auf Tai steht. Das ist ein sehr dramatischer Moment. Obwohl sie mehrere verschiedene Kunststücke macht, ist dies wohl das Spektakulärste. An einem Punkt liegt sie auf Tais Rücken und Tai tanzt mit ihr durch die Zirkusarena; auch diese Szene ist ganz besonders beeindruckend. In einer weiteren lustigen Nummer tanzen Christoph Waltz (der August spielt) und Reese zusammen auf einem Elefanten Podest und Tai (Rosie) wird so eifersüchtig, dass sie auf Christoph zugeht und ihm auf die Schulter tippt. Dabei stiehlt sie Christophs Zylinder, wirft diesen auf die Erde und trampelt darauf herum. Als wolle sie damit sagen „lass Reese in Ruhe. Sie gehört mir“. Rosie scheint auch zu spüren, dass Christophs Rolle nicht unbedingt eine sympathische Figur ist.“Spielfilm.de: Wie schwer und wie intensiv war generell das Training vor Ort am Filmset?
Johnson:„Jeden Tag waren zwei Trainer am Set, meine Assistentin Joanne Smith und ich. Tai musste viele verschiedene Nummern einstudieren und das bedeutete viel Arbeit. Wir hatten einen Monat Zeit für die ersten Vorbereitungen, danach haben wir drei monatelang täglich geübt, um alle Stücke einzustudieren. In einer schwierigen Szene musste Tai einen Pflock aus dem Boden ziehen. Normalerweise benützt man einen Pflock im Boden um den Elefanten mit einer Kette am Bein festzubinden. Im Film zieht Rosie den Pflock aus der Erde, schleicht ein paar Meter weiter zu einem Fass gefüllt mit Limonade, genehmigt sich einen Schluck, geht dann wieder mit dem Pflock zurück, steckt ihn in die Erde und tut so, als wäre sie niemals weggewesen. Diese Szene mussten wir sehr oft üben. Tai musste sich auch in einen Zirkuswagen legen und so tun, als wäre sie verletzt. Auch für diese Szene brauchten benötigten wir viel Zeit.“Spielfilm.de: Was ist mit der Szene, in der sie vom Zirkus wegläuft, in die Stadt kommt und dort alles kurz und klein schlägt?
Johnson:„In dieser Filmszene ist Christoph Waltz (August) so wütend auf Rosie, dass sie in das nächstgelegene Dorf flieht und sich dort das Gemüse auf dem Markt schmecken lässt. Rob (Jacob) muss Rosie mit Hilfe der anderen Zirkusleute suchen und wieder zurückbringen. Für diese Szene benötigten wir ungefähr 300 Statisten und viele Ablenkungsmanöver für Tai. Auf dem Markt war einfach zu viel los, da waren Kinder auf Fahrrädern und sehr viele Menschen. In all diesem Chaos musste Tai spielen und wir konnten nicht vor laufender Kamera stehen und Anweisungen geben. Sie sollte zum Beispiel den Mais fressen, die Kartoffeln jedoch links liegen lassen. Das war eine spezielle Anweisung und sie befolgte sie sehr gut. Zur Belohnung gab es dann einen Apfel, ein Stück Möhre oder ein kleines Stück Bonbon. Elefanten mögen sowas, doch Tais Lieblingsnascherei sind „Jelly Beans“. Manchmal geben wir ihr auch einfach einen Klaps auf die Schulter und sagen ihr, dass sie ihre Sache gut gemacht hat. Auch das versteht sie sehr gut“.Spielfilm.de: Im Film verlieben wir uns in Rosie. Wie emotional und intelligent ist Tai und sind Elefanten im Allgemeinen?
Johnson:„Ich glaube nicht, dass Tai sich bewusst ist, dass sie schauspielert. Sie weiß jedoch, dass irgendwas passiert, weil sie das vorher schon sehr oft gemacht hat. Sie versteht, wenn der Regisseur „Action“ oder „Cut“ ruft. Wir haben ihr beigebracht, sofort aufzuhören – egal was sie gerade macht – wenn der Regisseur „Cut“ sagt. Durch ständiges Wiederholen hat sie gelernt, einige Ansagen zu befolgen“.Spielfilm.de: Wie ist Robert Pattinson an die Arbeit mit Tai herangegangen?
Johnson:„Robert hatte mehrere Nahaufnahmen mit ihr, und Tai fand ihn sofort sympathisch. Als Rosie sich verletzt hat, füttert er sie und kümmert sich um sie. (Selbstverständlich hat sich Tai in Wirklichkeit nicht verletzt). Robert hat niemals seine Stimme gegen sie erhoben und das Verhältnis der beiden war sehr süß und gelassen. Ich glaube, sie mochte ihn sehr.“Spielfilm.de: Wie gut ist Tai beim Schauspielern? Hat sie schon viele Hauptrollen gespielt?
Johnson:„Mehrere Filmemacher haben uns erzählt, wie beeindruckt sie von ihr waren, und dass sie immer alles richtig gemacht hat. Sie waren auch der Meinung, dass sie in ihrer Arbeit in jeder Einstellung sehr beständig war. Ich finde, sie ist eine gute Schauspielerin und macht einen guten Job.“Spielfilm.de: Wie haben sie diese Schlüsselszenen gedreht, in denen August, die Figur, die Christoph Waltz spielt, nicht gerade nett mit Rosie umgeht?
Johnson:„Diese Szenen wurde nach dem Dreh mit CGI (mit Effekten in der Postproduktion) nachbearbeitet. Die Wunden, die man bei Rosie sehen kann sehen wirklich echt aus, aber man hat sie mit Make-up gemacht. Als Christoph die Szene mit ihr drehte, in der er sie schlagen sollte, hatte er einen kleinen, ca. 25 cm langen Stock in der Hand, führte zwar diese Schlagbewegungen aus, berührte sie jedoch niemals.“Spielfilm.de: Das heißt, trotz dieser hochemotionalen Szene, war Tai während der Dreharbeiten niemals in Gefahr und stets rundum glücklich?
Johnson:„Keine Frage, Tai war zu jeder Zeit sicher und man hat sich ständig um sie gekümmert. Niemand würde jemals zulassen, dass einem Tier Schaden zugefügt wird. Niemand wird jemals unsere Elefanten verletzen. Doch auf der Leinwand kommen diese Gefühle gut rüber, und zwar aus dem einfachen Grund, dass Christoph ist ein sehr präsenter Schauspieler ist. Wenn er spielt, erhöht er seine Stimme und klingt dabei bedrohlich. Wie Tai darauf mit ihren Augen reagiert hat, ist sehr interessant zu beobachten. Im Film kann man es sehr gut erkennen – sie schaut ihn dabei an, als wollte sie sagen „Hey, was machst du da mit mir?“ – was natürlich für die Rolle, die sie im Film spielt, gerade richtig ist.“Spielfilm.de: Ich kann mir gut vorstellen, dass es damals, in den 30ern, auch Zirkustiere gab, die nicht so gut behandelt worden sind?
Johnson:„Es ist genauso wie überall im Leben. Es gibt jene und solche. Ich möchte gerne glauben, dass die meisten Menschen in den 30ern gut waren und sich um ihre Tiere gekümmert haben. Es gibt schlimme Ärzte und Anwälte und offensichtlich gehen einige Leute mit ihren Tieren nicht nett um. Hier und da wurden Tiere sicherlich auch misshandelt. Heutzutage, mit all den Kontrollen, die wir haben, könnte dies nicht mehr passieren. Wir befürworten Regeln und Bestimmungen, die sicherstellen, dass den Tieren kein Schaden zugefügt werden kann. Wir besitzen eine Lizenz des amerikanischen Landwirtschaftministeriums und sie können uns jederzeit und an jedem Ort überprüfen. Wir befinden uns unter ständiger Aufsicht, und das ist auch gut so.“Spielfilm.de: Reese Witherspoon sagte uns, dass sie an Tais letztem Tag am Set sehr aufgewühlt war, weil sie ihr sehr nahgekommen ist. War es für alle ein emotionaler Moment?
Johnson:„Sie weinte und war traurig. Zwischen den beiden bestand eine starke Bindung und auch Rob musste am letzten Tag mit den Tränen kämpfen. Natürlich kann man ein Tier nicht mit Menschen vergleichen, aber ich glaube auch, dass Tai und andere Elefanten starke Bindungen zu Menschen entwickeln können. Das gilt besonders für uns, die tagein und tagaus, durch dick und dünn, in guten, wie auch in schlechten Tagen mit ihnen zusammen sind. Wir nehmen sie zu Dreharbeiten mit, gehen mit ihnen an den Strand und in die Wälder, und sie haben viel Spaß dabei. Wir haben zu unseren Elefanten ein tiefes Vertrauensverhältnis aufgebaut. Aber auch Reese und die anderen haben zu Tai eine gute Beziehung entwickelt. Die Arbeit mit Tai war für Reese, Rob und Christoph sehr berührend. Wenn man Reese und Tai beobachten konnte, war es einfach unglaublich, welche Bindung die beiden aufgebaut hatten.“Spielfilm.de: Wie viel Spaß hat Tai an der Arbeit?
Johnson:„Ich glaube, dass ihr die Arbeit an „Wasser für die Elefanten“ sehr viel Spaß gemacht hat. Elefanten sind dazu gemacht, zu gehen und sich zu bewegen, und sie sind sehr intelligent. Sie brauchen physische und mentale Herausforderungen.“Spielfilm.de: Wie kamen sie selbst dazu, mit Elefanten zu arbeiten?
Johnson:Antwort: „Schon als Kind habe ich Tiere gemocht. Meine Familie hatte einen Nutztierbestand und ich bin damit aufgewachsen. Als ich zehn Jahre alt war, gab es hier in Südkalifornien eine Familie, die Streichelzoos mit vielen verschiedenen Tieren betrieben hat. Ich fing damit an, die Zoos auszufegen und später, als ich älter war, durfte ich beim Elefantenreiten mithelfen. Mit sechzehn Jahren hatte ich die Gelegenheit, einen Elefanten zu bekommen und seit jener Zeit habe ich mich immer mit Tieren beschäftigt. Der Stiefvater meiner Frau Kari war ein berühmter Elefantendompteur und mit etwa vierzehn ist Kari bei ihm in die Lehre gegangen. Wir machen dies jetzt beide schon sehr lange und haben eine echte Leidenschaft für Elefanten entwickelt.“Spielfilm.de: Der Film wird spannend und auch ergreifend sein. Glauben Sie, dass man dadurch auch viel über Elefanten und darüber, welch außergewöhnliche Tiere sie sind, erfahren wird?
Johnson:„Ich glaube schon, dass der Film Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird, weil die Geschichte so spannend ist und weil die jüngere Generation es lieben wird, Reese und Rob zusammen zu sehen. Ich denke, dass die Zuschauer herausfinden werden, wie intelligent Elefanten sind. Wir hoffen sehr, dass wir dadurch für die Tiere in Gefangenschaft und auch in der Wildnis Aufmerksamkeit erregen können.“Spielfilm.de: Zum Schluss möchte ich Sie fragen: Sie fühlten sich ihr ganzes Leben zu Elefanten hingezogen. Worin besteht der Zauber dieser wunderschönen Kreaturen, der die Grundlage für dieses Buch, diesen Film und für unsere Liebe zu Elefanten ist?
Johnson:„Sie sind sehr intelligente Tiere. Man muss sie nur beim Essen beobachten. Das ist so unglaublich und magisch für mich: Es ist einfach sehr beeindruckend, wie sie mit dem Rüssel das Heu bearbeiten. Sie sind majestätisch. Sie haben wundervolle Augen. Sie haben einfach etwas sehr Anziehendes an sich.”





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