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Denzel Washington
Denzel Washington
© BANG Showbiz

Safe House: Interview mit Denzel Washington

„Alles dreht sich ums Geld“Denzel Washington gehört zu den ganz großen Schauspielern Hollywoods. Er wurde als einziger Afroamerikaner sowohl als Neben- als auch als Hauptdarsteller mit dem Oscar ausgezeichnet. Seine Filme werden stets zu Kassenerfolgen. Auch wenn der 57-jährige Amerikaner heute kaum mehr ohne Millionengage vor die Kamera tritt, schafft er es trotzdem immer wieder, dem Publikum zu vermitteln, er würde auch diese Rollen aus Leidenschaft übernehmen. In dem Action-Thriller "Safe House" verkörpert Washington nun einen skrupellosen Ex-CIA-Agenten, der sich auf der Jagd vor seinem ehemaligen Arbeitgeber befindet. Wir wollten mehr wissen und trafen den Mann für harte Rollen in Berlin zu einem Interview über Religion, das Filmgeschäft in Hollywood und warum die ersten fünf Filme eines Schauspielers seine wichtigsten sind.
Spielfilm.de: Mr. Washington, spielen Sie gerne den Bösewicht?
Denzel Washington:Am Theater wurde mir beigebracht, dass man einen Bösewicht nie spielt. Man muss den Charakter, den man verkörpert lieben und wie soll das funktionieren, wenn man zugibt, dass er der Bösewicht ist.Spielfilm.de: Wenn Sie in Ihrem neuen Film „Safe House“ also keinen Bösewicht spielen, wie würden Sie Ihre Figur dann beschreiben?
Washington:Als Soziopath und Atheist. Ich denke, meine Figur ist ausserdem ein Manipulator, Verräter und Lügner. Er hat kein Gewissen. Ich halte diese schlechten Charakterzüge für eine bestimmte Arbeit beim CIA für durchaus nützlich. Wenn es sein muss, kann er auf der einen Seite Töten, auf der anderen Seite kann man ihn foltern und er würde trotzdem nie Etwas verraten.Spielfilm.de: Beeinflusst es Sie persönlich, wenn Sie so düstere Charaktere spielen?
Washington:Ich habe keine Angst vor Menschen, sondern nur vor Gott.Spielfilm.de: Apropos Atheisten. Ist Ungläubigkeit in Ihren Augen etwas Schlechtes?
Washington:Atheisten sind nicht ungläubig. Sie glauben, dass es Gott nicht gibt. Jedem das Seine.Spielfilm.de: Natürlich. Ethan Hawke erzählte mir neulich in einem Interview, dass Sie einer der wenigen Schauspieler wären, der es wirklich versteht, gute Hollywoodfilme für die breite Masse zu drehen. Sehen Sie das ähnlich?
Washington:Ich hoffe, Ethan hat das als Kompliment gemeint. Ich übe einfach meinen Beruf aus. Selbst wenn ich Orangensaftverkäufer wäre, würde ich versuchen, den besten Orangensaft zu machen, den es gibt. Ich drehe einen Film nicht, weil ich denke, er wird den Leuten gefallen, sondern weil mir das Projekt gefällt. (lächelt)Spielfilm.de: Es tut gut, Sie mal wieder Lächeln zu sehen. In Ihren Filmen ist das heutzutage ja eher zur Ausnahme geworden...
Washington:Das stimmt nicht.Spielfilm.de: Na ja, also in Komödien sieht man Sie so gut wie nie.
Washington:So funktioniert nunmal das Geschäft. Anfangs war ich der Mann für die Biopics: (lacht) Steve Biko, Malcolm X, Hurricane. Nach meiner Rolle in Training Day wurde ich auf einmal zum Vorzeige-Bösewicht. Ich habe gerade aber ein Drehbuch geschickt bekommen, das mich sehr interessiert. Auch wenn es keine Komödie ist, ist es doch ein alberner Film. Sollte ich die Rolle annehmen und der Film ein Hit werden, werde ich vielleicht bald in diese Schublade gesteckt.Spielfilm.de: Nervt es Sie ab und an, wie das Filmgeschäft funktioniert?
Washington:Man muss um seine Freiheit kämpfen, sonst wird man immer nur für die gleichen Rollen gebucht. Ich verstehe aber natürlich auch, warum es so funktioniert. Wenn Leute hundert Millionen Dollar in einen Film investieren, wollen sie in der Regel keine grossen Risiken eingehen, damit sie ihr Geld zurückbekommen.Spielfilm.de: Lehnen Sie häufig Rollen ab, weil es Ihnen so vorkommt als hätten Sie sie bereits schon einmal gespielt?
Washington:Natürlich. Meine Karriere besteht fast nur aus Nein-Sagen. Sidney Portier hat mir vor vielen, vielen Jahren mal gesagt, dass es in Hollywood auf deine ersten fünf Filme ankommt, denn so wird man dich auch in Zukunft sehen. Zum Glück habe ich meinen zweiten Film mit Norman Jewison gedreht, den dritten mit Sindey Lumet und den vierten mit Richard Attenborough. Dadurch habe ich mir eine sehr gute Basis aufgebaut. Zum Glück habe ich nicht alles angenommen, was mir angeboten wurde sonst wäre meine Karriere vielleicht ganz anders verlaufen.Spielfilm.de: Welche Rollen haben Sie denn ausgeschlagen?
Washington:Einer hiess „The Nigger They Couldn't Kill“, ein schreckliches Projekt. Auch wenn es angeblich eine Komödie werden sollte, habe ich diese Rolle zum Glück nicht angenommen. Ich muss zugeben, dass ich es mir damals ernsthaft überlegt hatte, denn mir wurde für diesen Film wirklich eine Menge Geld angeboten. Also habe ich gewartet, sechs Monate später „Cry Freedom“ gedreht und eine Oscar-Nominierung eingesackt. Aus diesem Grund rate ich jungen Kollegen heute immer, keine Kompromisse einzugehen.Spielfilm.de: Wie fair ist das US Studio-System heutzutage gegenüber afroamerikanischen Schauspielern?
Washington:Ich denke nicht, dass es wirklich so etwas wie ein Studio-System gibt. Es geht doch letzten Endes nur um einen Haufen Leute, die versuchen, irgendwie reich zu werden. Alles dreht sich ums Geld. Wenn ein Film 100 Millionen Dollar einspielt, werden sofort 10 weitere Filme in Auftrag gegeben, die möglichst ähnlich sind. Nächstes Jahr wird es sicher einige billige Abklatsche von The Help geben. Am härtesten ist das Filmgeschäft aber nicht gegenüber Schwarzen, sondern gegenüber Frauen.Spielfilm.de: So bald man die magische 40 erreicht, ist es in der Regel so gut wie zu Ende...
Washington:Ein Mann hingegen kann im Film auch mit siebzig noch ein 25-jähriges Mädchen abschleppen. Das ist nicht fair.





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