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Der Soldat James Ryan mit Regisseur Steven Spielberg
Der Soldat James Ryan mit Regisseur Steven Spielberg
© United International Pictures

TV-Tips für Samstag (16.1.): Ein Abend mit Steven Spielberg

Pro7 zeigt Meisterwerk "Der Soldat James Ryan"

Am Samstagabend bestreitet Pro7 einen großen und sehr langen Steven Spielberg-Abend: "Gefährten" spielt dabei im Ersten Weltkrieg, "Der Soldat James Ryan" im Zweiten Weltkrieg. Besonders das letztere Meisterwerk, einer der besten Filme aller Zeiten, ist ein Muss.

"Gefährten", Pro7, 20:15 Uhr

Der junge Albert (Jeremy Irvine) meldet sich als Soldat zum Ersten Weltkrieg, nachdem sein geliebtes Pferd an die Kavallerie verkauft worden ist. Seine Suche führt ihn an die Frontlinien in Frankreich, wo der Krieg tobt.

886 000 britische Soldaten starben auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs. Von der eine Million Pferde, die als Zugtiere und für die Kavallerie eingesetzt wurden, kehrten nur 62 000 zurück. Die bedeutende Rolle des Pferdes im Krieg hatte den englischen Autoren Michael Morpurgo so fasziniert, dass er sie eingehend recherchierte und dann als Motiv für sein Kinderbuch "War Horse" im Jahr 1982 nutzte.

2007 brachte Nick Stafford das Buch auf die Bühne des Royal National Theatre in London und feierte einen grandiosen Erfolg mit seiner Adaption, die bis zum heutigen Tag um die ganze Welt tourt, darunter auch zum Broadway und nach China. 2009 sah Produzentin Kathleen Kennedy ("Star Wars: The Force Awakens") eine Aufführung des Stücks im Londoner West End. Sie war begeistert - und entgeistert, dass noch niemand die Verfilmungsrechte erworben hatte. Kennedy griff zu und konnte Steven Spielberg ("Saving Private Ryan") für die Regie gewinnen.

Der Filmemacher hatte schon etliche Werke rund um den Zweiten Weltkrieg gedreht, aber der Erste Weltkrieg hatte ihn laut eigener Angabe nie interessiert. Doch nachdem er sich das Theaterstück angsehen hatte, war Steven ebenfalls angetan und sagte zu. Auch weil zu der Zeit verfügbar war - sein Animationsfilm "The Adventures of Tintin" befand sich gerade in der aufwendigen Nachproduktion.

Für den Feinschliff am Drehbuch von Lee Hall konnte Spielberg seinen Kollegen Richard Curtis ("About Time") gewinnen. Bei dem komplett in England gedrehten Streifen verpflichteten Walt Disney Studios nur europäische Schauspieler und für die britische Seite ein Who's Who der Insel-Akteure: Emily Watson, Peter Mullan, Benedict Cumberbatch, David Thewlis, Tom Hiddleston und Eddie Marsan. Für Deutschland wirkte unter anderem David Cross mit. Für die Hauptrolle von Albert hatte man allgemein erwartet, dass Eddie Redmayne das Rennen machen würde, aber Spielberg entschied sich für den unbekannten, 20-jährigen Jeremy Irvine, der hier sein Leinwanddebut gab.

Spielberg nutzte die Schönheiten der Landschaft von Devon und Dartmoore weidlich und setzte tatsächlich richtige Pferde ein; nur an wenigen Stellen wurde mit computergenerierten Pferden nachgeholfen. In manchen Szenen waren bis zu 280 Pferde im Einsatz, und die Rolle von Albert's Pferd Joey verkörperten 14 verschiedene Pferde: Acht das erwachsene, vier den Junghengst und zwei das Fohlen. Manche Schauspieler hatten zwei Monate intensives Reittraining nehmen müssen, um mitwirken zu können. Mit rund 5800 Komparsen war die Produktion auch neben den vielen Pferden ein aufwendiges Unterfangen, das Spielberg und sein Team aber ohne größere Probleme bewältigten.

Der Regisseur arbeitete dabei mit seinen langjährigen Partnern Kameramann Janusz Kaminski, Cutter Michael Kahn, Ausstatter Rick Carter und Komponist John Williams zusammen - das zeigt sich auf der Leinwand: "War Horse" ist ein technisch superbes, ganz offen sentimentales und altmodisches Drama, das dank Spielberg's gewohntem Flair zu Tränen rührt.

Bei Kritik und Publikum wurde das Werk 2011 ein solider Erfolg und spielte weltweit 177 Millionen Dollar ein. Tragisch verlief indes die Preisverleihungssaison: Bei den Academy Awards für sechs "Oscars" (Bester Film, Beste Kamera, Beste Musik, Beste Tonmischung, Bester Tonschnitt und Beste Ausstattung), bei den Golden Globes für zwei und bei den Britischen Filmpreisen für fünf Preise nominiert, ging die Produktion komplett leer aus. Da spiegelte sich, dass dies zwar ein gutes, aber kein großartiges Spielberg-Werk ist.

Kritiker Chris Carpenter schrieb für "Movie's Dearest": "Was im Buch eine einfache Geschichte über einen Jungen und sein Pferd ist, wird in den Händen von Spielberg und Co. allzu aufgebläht und überlang, profitiert aber von der atemberaubenden Kamera und der exzellenten Besetzung."



"Der Soldat James Ryan", Pro7, 23:15 Uhr
Nach der Landung in der Normandie im Juni 1944 begibt sich eine Gruppe US-Soldaten hinter die feindlichen Linien, um einen Fallschirmjäger (Matt Damon) zu finden, dessen Brüder alle im Krieg getötet worden sind, um ihn unbeschadet zurück in die USA zu bringen.

Rund um den 50. Jahrestag der Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 las Drehbuchautor Robert Rodat viel über den D-Day und stieß dabei auch auf die Geschichte der Niland-Brüder: Ein Bruder galt als gefallen - irrtümlich, wie sich später herausstellen sollte - zwei weitere starben innerhalb von 24 Stunden bei der Invasion, so dass der vierte Bruder aufgrund der "Sole Survivor Policy" zurück in die USA durfte, um zu verhindern, dass die Eltern alle Söhne verlieren würden. Rodat machte aus dieser Geschichte eine dramatische Rettungsaktion, für die sich Steven Spielberg interessierte.

Der Regisseur strebte einen Kriegsfilm an, wie es ihn bis dahin noch nicht gegeben hatte: Realistisch, ungeschönt, brutal. Dazu setzte er verstärkt auf Handkameras, um möglichst nahe und mitten im Geschehen filmen zu können, ließ seinen Kameramann Janusz Kaminski die Farben ausbleichen, um dem Aussehen alter Nachrichtenaufnahmen nahezukommen, und verzichtete auf die sonst übliche detaillierte Vorplanung seiner Kameraeinstellungen, sondern ließ sich improvisiert mehr vom Moment leiten.

Nirgends gelang das besser als in der erschütternden, 27 Minuten langen Eröffnungssequenz, welche die beinahe missglückte Landung der Amerikaner am Omaha Beach-Abschnitt der Normandie zeigt und an der rund 1500 Komparsen, darunter einige irische Soldaten, teilnahmen. Gedreht am irischen Ballinesker Beach in County Wexford, definierte allein diese entschlossen realistische Sequenz das Kriegsfilm-Genre neu. Veteranen des Krieges bestätigten, dass selten der Krieg so wahrheitsgetreu abgebildet wurde wie in diesem Film und insbesondere in dieser Bravura-Eröffnung.

Spielberg entwirft ein gnadenloses Bild des Kampfgeschehens und beeindruckt durch seine strikte Weigerung, Krieg als Stätte menschlicher Bewährung darzustellen, sondern als Schreckensbild des kollektiven Todes und macht das Drama gerade dadurch zu dem humanistischen Werk, das nur geringfügig durch seinen fatalen Hang zum Pathos am Schluss - ähnlich wie in "Schindler's List" - beeinträchtigt wird. Rund um den starken Hauptdarsteller Tom Hanks und Tom Sizemore versammelte die 70 Millionen Dollar DreamWorks-Produktion eine Garde jüngerer, heute durchweg bekannter Darsteller wie Edward Burns, Barry Pepper, Vin Diesel und Giovanni Ribisi.

Eine stillgelegte Anlage der British Aerospace nördlich von London diente als Drehort für viele weitere Teile des Streifens. Ausstatter Thomas Sanders und sein Team bauten hier im Maßstab 1:1 das zerbombte französische Dorf auf, das im Finale des Films eine Rolle spielt.

"Saving Private Ryan" gehört zu Spielberg's besten Filmen und ist eines der großen Meisterwerke der Filmgeschichte. Neben den hymnischen Kritiken und dem Riesenerfolg beim Publikum - mit weltweit 481 Millionen Dollar war der Streifen nach "Armageddon" der zweiterfolgreichste Film des Jahres 1998 - erhielt er auch über 70 Preise, darunter fünf "Oscars" für die Regie, Kamera, Ton, Schnitt und Toneffekte-Schnitt. Dazu war er noch als Bester Film nominiert (und verlor skandalöserweise gegen "Shakespeare in Love"), Tom Hanks als Bester Hauptdarsteller, für das Beste Drehbuch, für die Beste Ausstattung, Beste Maske und Beste Musik. 2014 nahm ihn die US-Library of Congress ins National Film Registry als "kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutsames Werk" auf, um es der Nachwelt zu erhalten.

Ein Zuschauer aus dem kalifornischen Riverside schwärmt: "Es gibt eine Million Gründe, nicht in den Krieg zu ziehen, und einen sehr mächtigen Grund, in den Krieg zu ziehen. Der Film ist eine betäubend realistische Darstellung, wem sich unsere Urgroßväter, Großväter, Väter, Onkel, Brüder und Söhne in den dunkelsten Momenten der Menschheit gegenüber sahen. Nicht nur im Zweiten Weltkrieg, sondern in jedem Krieg. Keiner kann diesen Film sehen, ohne in irgendeiner Weise verändert zu werden. Keiner sollte ihn verpassen, außer den Veteranen, die so etwas durchgemacht haben. Der Surround Sound versetzt das Publikum mitten in die Schlacht. Steven Spielberg hat sich selbst übertroffen und hält der Zivilisation einen Spiegel vor für Geschehnisse, für die wir uns alle schämen müssen. Als US-Marine sage ich: Jedes Mal, wenn der Krieg als Überlegung im Raum stehen sollte, dann müsste man sich diesen Film ansehen."



"Unbesiegbar - Der Traum seines Lebens", Sat1, 00:10 Uhr
Die Geschichte von Vince Papale (Mark Wahlberg), einen 30-jährigen Barkeeper aus Süd-Philadelphia, der es gegen alle Wahrscheinlichkeit schaffte, für die Philadelphia Eagles 1976 in der National Football League zu spielen.

Regisseur Ericson Core, gerade mit dem verunglückten "Point Break"-Remake in den Kinos, erzählte mit seinem Regiedebut 2006 die wahre Geschichte des Football-Spielers Vince Papale und vermeidet weitgehend die Klischees eines Sportfilms. So einfach und authentisch wie der Spielort in Süd-Philadelphia, ist das 30 Millionen Dollar teure Walt Disney-Drama auch wegen des guten Hauptdarstellers Mark Wahlberg sympathisch. Die beflügelnde und von Herzen kommende Botschaft geht dabei mit einem athletischen Enthusiasmus einher.

"Invincible" erhielt gute Kritiken und war in den USA ein solider Erfolg. Kritiker Gary Dowell schrieb für "Baltimore City Paper": "Der Film mag sich etwas zu sehr Zeit lassen, um zum Football zu kommen. Aber wenn es dann so weit ist, haben wir Mark Wahlberg und Greg Kinnear so gut kennen gelernt, dass wir wirklich richtig mitfiebern über den Ausgang des alles entscheidenden großen Spiels."



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