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Hildegard Knef ist tot

76jährige starb an Lungenentzündung in Berlin

Im Alter von 76 Jahren ist Hildegard Knef heute Nacht um zwei Uhr an den Folgen einer Lungenentzündung in Berlin gestorben

Heute Nacht um zwei Uhr ist Hildegard Knef im Alter von 76 Jahren in Berlin an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Dies teilte der Chefarzt der Berliner Lungenklinik Heckeshorn, Robert Loddenkemper, heute Morgen mit. In das Krankenhaus war sie bewusstlos und mit akuter Atemnot eingeliefert worden. "Gestern Abend war Frau Knef noch völlig fit", berichtete der Chefarzt.

Die Gesundheit der Schauspielerin und Sängerin, die seit der Wiedervereinigung mit ihrem Mann Paul vom Schell am Stadtrand von Berlin lebte, war allerdings schon länger angeschlagen: Die Knef litt seit Jahrzehnten unter Krebs und zuletzt unter einer schweren Atemwegserkrankung. In ihrem letzten Interview Ende vergangenen Jahres berichtete die Aktrice, dass sie im Rollstuhl sitze und ihr über einen Nasenschlauch Sauerstoff zugeführt werden müsse. Arbeiten sei für sie in diesem Zustand ausgeschlossen: "Ich kann meinen Beruf nicht mehr ausüben." Ihre Lungenkrankheit habe sich unter anderem durch ein fehlendes Sauerstoffgerät bei einem Langstreckenflug von Los Angeles nach London im Frühsommer 2001 extrem verschlimmert.

Mit ihrem Tod endet eine schillernde Karriere, welche die am 28. Dezember 1925 in Ulm geborene Entertainerin bis nach Hollywood geführt hatte. Während des Dritten Reichs besuchte sie die Schauspielschule und spielte in einigen Filmen in kleinen Rollen mit. Bereits mit dem ersten deutschen Nachkriegsfilm, dem Drama "Die Mörder sind unter uns" von 1946, schaffte die Darstellerin in der Hauptrolle den Durchbruch und drehte in den folgenden Jahren weitere bedeutende Streifen wie "Zwischen gestern und morgen" von 1947 und "Film ohne Titel" von 1948.

Ihren spektakulärsten Auftritt hatte Frau Knef 1951, als eine kurze Nacktszene von ihr im Drama "Die Sünderin" die Kirchen auf die Barrikaden steigen und die Kinosäle füllen ließ. Der ansonsten belanglose Streifen machte sie über Nacht in der ganzen Bundesrepublik bekannt. Hildegard konterte damals: "Ich kann die Tumulte nicht verstehen - fünf Jahre nach Auschwitz." Im deutschen Nachkriegsfilm verkörperte die in Berlin aufgewachsene Mimin einen neuen Frauentypus: Nicht mehr nur die Frau an seiner Seite oder das Heimchen am Herd, sondern eine gereifte, selbstbewusste, emanzipierte und erotische Dame.

Bereits im selben Jahr spielte sie unter dem Namen Hildegarde Neff erstmals in einer amerikanischen Produktion mit, wobei der Zweiter Weltkriegs-Film "Decision Before Dawn" allerdings in Deutschland entstand. In den kommenden Jahren pendelte sie zwischen deutschen und US-Produktionen, wobei die Nebenrolle in der Hemingway-Verfilmung "Schnee am Kilimandscharo" an der Seite von Gregory Peck 1953 sicherlich der Höhepunkt war, allerdings auch schon der Schlusspunkt. Der Durchbruch gelang ihr in Hollywood nicht, lediglich in dem britischen Drama "Svengali" wurde ihr 1955 noch eine Hauptrolle anvertraut. Danach spielte sie fast ausschließlich in deutschen Streifen mit.

Während ihre Schauspielkarriere bestenfalls stagnierte, erwarb sich die dreimal verheiratete Künstlerin auf einem anderen Gebiet ihre Meriten. Schon 1954 hatte sie als Sängerin in dem Cole Porter-Musical "Silk Stockings" am Broadway überzeugt, und in den Sechzigern startete Hildegard eine zweite Karriere als Chanson-Sängerin, wobei sie viele Lieder auch selber schrieb und durch ihre dunkle, rauchige Stimme unverwechselbar blieb. Ella Fitzgerald bescheinigte ihr, sie sei "die größte Sängerin der Welt ohne Stimme".

1970 wurde die Knef mit ihrer Autobiographie "Der geschenkte Gaul" zur Bestseller-Autorin; 1975 folgte "Das Urteil", mit welchem sie ihre Krebserkrankung thematisierte. Danach wurde es trotz einiger Schauspielengagements ruhiger um Hildegard Knef. 1978 stand sie für Billy Wilder in dessen Drama "Fedora" vor der Kamera, der Film floppte allerdings bei Kritikern und an der Kasse. 1986 unternahm der Star noch mal eine Tournee als Sängerin und kam auch bei der jüngeren Generation wieder ins Gespräch, als Extrabreit 1993 mit ihr ihren größten Hit "Für mich soll´s rote Rosen regnen" erneut aufnahmen.





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