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Machtkampf um Michael Moore:

Disney gegen Miramax

Michael Moores Film "Fahrenheit 9/11" droht die indirekte Zensur – Miramax kann den Film nicht in die Kinos bringen, weil die Mutterfirma Disney sich plötzlich querstellt. Die Frage ist: Schadet das dem Film wirklich?

Michael Moores neuem Dokumentarfilm "Fahrenheit 9/11" droht die indirekte Zensur – Miramax kann den Film nicht in die Kinos bringen, weil die Mutterfirma Disney sich plötzlich querstellt. Die Frage ist: Schadet das dem Film wirklich?
Moores Buch "Stupid White Men" sollte kurz vor dem Veröffentlichungstermin auf Wunsch des Verlags eingestampft werden. Diese Tatsache bescherte dem Buch ein neues Anfangskapitel (eben über die Zensur) und als es schließlich doch herauskam, besetzte es Monate lang den 1. Platz der "New York Times" Bestsellerliste (Bereich Non-Fiction).
Zudem wusste Moore seit langem, dass es mit einer unverhohlenen Kritik an George W. Bush (so in etwa der Inhalt des Films) Schwierigkeiten geben würde – sein Agent erhielt die Absage bereits vor einem Jahr:"Eisner selbst hat meinem Agenten - Ari Emanuel — gesagt, dass sie diesen Film auf keinen Fall herausbringen würden und er hat ihm auch gesagt, warum. Weil er nicht Jeb Bush in Florida verärgern wollte. Er wollte nicht, dass ein kleiner Dokumentarfilm die Familie Bush aufregt", erzählte Moore gestern Nacht der Agentur Associated Press. Jeb Bush ist Georges Bruder und Gouverneur von Florida, dem Staat, in welchem "Disney World" zu den größten Touristenattraktionen zählt. Jeb Bush lehnte gestern in einem Statement Moores Behauptungen ab - er wüsste nicht, dass Disney steuerlich begünstigt würde. Auch Michael Eisner, Disney-Chef seit 20 Jahren, gab gestern andere Gründe für den Rückzug an: "[Die Firma] will keinen Film mitten in einem politischen Prozess, in dem wir eine neutrale Firma sind. Und unsere Kunden (…) verlangen von uns nicht, eine Stellung zu beziehen."

Harvey Weinstein von Miramax investierte trotz des frühzeitigen Mißtrauens von Disney immerhin sechs Mio. US-Dollar in den Film und ist sehr daran interessiert, ihn in die Kinos zu bringen – zur Not auch ohne Disney. Die plötzliche öffentliche Ablehnung der Firma ist Moores Ansicht nach die Reaktion auf die Ankündigung, dass "Fahrenheit 9/11" im Wettbewerb des Cannes Film Festival laufen wird, das am 12. Mai beginnt.
Dort lief auch der letzte Film des umstrittenen Regisseurs, "Bowling for Columbine" - der im vorigen Jahr mit dem Oscar für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde und sich an den Kinokassen als erfolgreichster Dokumentarfilm aller Zeiten erwies. Einen neuen Verleiher zu finden dürfte also kein allzu großes Problem werden, dies gab auch Eisner gegenüber dem Sender CNBC zu. Dafür, dass Kontroversen die Leute ins Kino locken, auch wenn nur ein kleiner Verleih einspringt, ist Mel Gibsons blutiges Jesus-Epos "Die Passion Christi" ein aktuelles Beispiel: Allein in den USA hat der Film bereits über 350 Millionen Dollar eingespielt.

Schwerwiegender als das Einzelschicksal von "Fahrenheit" ist der Trend, den dieser Zensur-Versuch kennzeichnet. Senator Frank Lautenberg (New Jersey) hat daher bereits am Mittwoch eine Sitzung des amerikanischen Kommittees für Handel, Wissenschaft und Verkehr gefordert, in der "das verstörende Muster der politisch motivierten Zensur von Nachrichtenmedien und der Unterhaltungsindustrie durch die Industrie" diskutiert werden soll. Eine Tatsache, die ihn besonders irritiere sei, dass Disney – über Miramax – zwar den gewaltstrotzenden Film "Kill Bill — Vol. 2" in die Kinos bringe, aber Moores Film nur wegen seines politischen Standpunktes blockiere.





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