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"Die Unglaublichen": Felicitas Woll über das jähe Ende ihrer Kindheit, öffentliche Verpflichtungen

"Ich bin kein Sexsymbol"In der ARD-Kultserie "Berlin, Berlin" durchlebt Felicitas Woll als Lolle alles Höhen und Tiefen des Erwachsenwerdens. Auch privat spielt das Thema Jugend für die heute 24-Jährige eine große Rolle. Entschied sie sich doch mit 17 für eine Karriere, die sie im Eiltempo erwachsen werden ließ. Klar, dass die Macher von "Die Unglaublichen" sofort an Felicitas dachten, als es um die Besetzung der deutschen Synchronstimme von Violetta ging. Die muss sich in der Pubertät mit Kräften herumschlagen, die ziemlich ungewöhnlich sind. Wir trafen die Schauspielerin in München.


Spielfilm.de: Felicitas, in "Die Unglaublichen" sprichst du ein schüchternes Mädchen, das bei Bedarf aber auch ziemlich aufdrehen kann. Wie warst du als Kind?

Felicitas Woll: Auf keinen Fall motzig und frech. Ich empfinde meine Kindheit und Jugend als extrem reichen Erfahrungsschatz. Es passierte so viel zum ersten Mal: Man verliebt sich, ist unglücklich, wird allmählich zur Frau. Ich blicke gerne zurück, bin aber andererseits auch froh, dass diese Zeit vorbei ist. Denn momentan bin ich mit meiner jetzigen Situation eigentlich ganz zufrieden.

Spielfilm.de: Der Übergang zwischen Kindheit und Berufsalltag lief bei dir ziemlich nahtlos!

Woll: Von einem Tag auf den anderen, ja. Ich war siebzehn, als ich mit dem Drehen begann. Eigentlich war ich damals noch Kind und alles andere als erwachsen. Vielleicht versuche ich deswegen noch ab und zu, mein Kind auszuleben. Bei "Die Unglaublichen" ging das auf alle Fälle ganz gut.

Spielfilm.de: Manchmal bleiben bei so frühen Karrieren auch psychische Störungen. Hattest du nie Probleme?

Woll: Nie so stark, dass ich nicht damit fertig geworden wäre. Klar, ich bin früh von zu Hause ausgezogen und musste einen Job ausüben, von dem ich noch nicht die geringste Ahnung hatte. Aber andererseits erfüllte sich auch mein Traum, mich verwandeln und einfach spielen zu können.

Spielfilm.de: Du wolltest also schon immer Schauspielerin werden?

Woll: Ich hab mich schon als Kind ständig vor dem Spiegel verkleidet und meiner Familie Dinge vorgespielt. Damals konnte ich meine Leidenschaft aber noch nicht konkretisieren, wusste nicht, dass Schauspielerei eventuell der richtige Beruf für mich sein könnte. Die Erkenntnis kam erst mit den Jahren...

Spielfilm.de: ...oder besser: Als du in einer Disko von deinem Agenten Frank Oliver Schulz angesprochen wurdest.

Woll: Genau, vorher war ich der festen Überzeugung, nach meinem Schulabschluss gemütlich Karriere als Krankenschwester zu machen. Aus eigenem Antrieb hätte ich mich nie irgendwo vorgestellt. Deswegen kommt mir mein momentaner Erfolg auch so unglaublich vor. Das Glück, das ich die letzten Jahre hatte, kann ich nicht wirklich begreifen.

Spielfilm.de: Und offenbar wird es immer besser: Die dritte Staffel deiner erfolgreichen TV-Sitcom "Berlin, Berlin" wurde vor kurzem für den internationalen Emmy nominiert.

Woll: Über so etwas darf ich gar nicht nachdenken. Eben haben wir Anfang Oktober den Deutschen Fernsehpreis bekommen, jetzt sind wir auch noch für den Emmy nominiert. Ich war gerade mitten in einer Szene, als ich den Anruf bekam. Ich verzichte jetzt darauf, den Moment zu beschreiben. Denn ich würde vermutlich nicht die richtigen Worte finden.

Spielfilm.de: Ist in deinem Beruf wirklich immer alles nur Sonnenschein?

Woll: Es gibt schon Dinge, die manchmal stören. Für einen gewissen Teil ist man als Schauspieler der Öffentlichkeit verpflichtet, muss Autogramme schreiben und höflich sein. An sich habe ich damit kein Problem, ich empfinde das Interesse meiner Mitmenschen als Kompliment. Aber andererseits würde ich an bestimmten Tagen gerne für ein paar Stunden unsichtbar sein und alles um mich herum vergessen. Aber dieses Eingeständnis muss man in meinem Job machen. Auch wenn ich mir zu Beginn nie darüber Gedanken gemacht habe, dass ich später mal überall erkannt werden könnte.

Spielfilm.de: Ist es denn wirklich so schlimm geworden?

Woll: Fans prägen sich Gesichter anscheinend ziemlich intensiv ein. Ich versuche ja manchmal, mich ein bisschen zu verkleiden, aber einige erkennen mich sogar an meinem linken kleinen Zahn. Ich bin einmal mit dem Roller durch die Stadt gefahren - da wurde ich trotz Sonnenbrille und Helm erkannt. Auch wenn ich eine Perücke aufziehe, erkennen mich die Leute. Keine Ahnung, wieso das so ist. Die einzige Chance ist, auf der Straße nach unten zu gucken und sich so komplett der Aufmerksamkeit zu entziehen.

Spielfilm.de: Dein neuer Job als Aushängeschild der Modekette S. Oliver fördert deine Anonymität ja auch nicht gerade.

Woll: Das bringt mein Beruf eben so mit sich. Wie gesagt, ich empfinde meine Situation nicht als Problem, ich stelle es nur als gegebene Tatsache fest. Mir gelingt es auch abzutauchen. Zum Beispiel bei meinen Eltern in Harbshausen. Da fühle ich mich sehr wohl.

Spielfilm.de: Wie schwer ist es in deiner Situation, Männer kennen zu lernen?

Woll: Männer haben immer Angst vor starken Frauen. Auf mich reagieren Frauen in der Regel immer stärker als Männer, auch bei Fanbriefen. Ich bin eben kein Sexsymbol, eher der verknautschte Kumpeltyp. Ich halte mich bei öffentlichen Auftritten auch immer eher bedeckt, zeige meinen Körper nicht über die Maßen. Ich versuche meine Weiblichkeit zu leben, aber eben ohne das öffentliche Quäntchen Sex. Einen Freund zu finden, ist für mich alles andere als leicht. Entweder mein Gegenüber hat Scheu oder ich bin mir nicht sicher, warum er gerade mich kennen lernen möchte. Man muss lernen, alle Faktoren abzuwägen.

Interview: Johannes Bonke / Rico Pfirstinger

Interview geführt am 10.01.2005 von Johannes Bonke / Rico Pfirstinger München


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