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Halloween: Malcom McDowell

Der britische Altstar Malcom McDowell (64) über miese Rolle, seine Abneigung gegen Horrorfilme und was ihn in Kalifornien hält

"Schauspieler sterben nicht"Mehr als 150 Film- und Fernsehrollen stehen in Malcom McDowells Resümee, mit einer Bandbreite Trash bis Kult. Als Prototyp des "Working Actors" kennt McDowell wie kaum kein anderer das Filmgeschäft - diesseits und jenseits des Atlantiks. In Rob Zombies kommerziell erfolgreichem Remake des Kultfilms "Halloween" spielt der 64 Jahre alte Brite Dr. Samuel Loomis, den Psychiater des jungen Serienkillers Michael Myers. Wir trafen den Altstar in seiner kalifornischen Wahlheimat

Spielfilm.de:
Mr. McDowell, Ihre Rolle im Remake von "Halloween"gilt Fans seit Jahrzehnten als Kult. Wie schwer wog die Last der Verantwortung?

Malcom McDowell:
Ich habe gar nicht erst darüber nachgedacht. Donald Pleasences Leistung war damals viel zu gut, als dass ich Vergleiche anstellen würde. Immerhin hat John Carpenter mit dem Originial das Genre damals neu definiert. Aber Rob Zombie entwickelte darausein wirklich gutes Drehbuch, in dem er seine Sicht derStoryzeigt. Also dachte ich, dass es einen Versuch wert ist.

Spielfilm.de:
Mögen Sie Horrorfilme?

Malcom McDowell:
Nein. Ich finde Horror eigentlich eher nervtötend. Außerdem sind die Charaktere in solchen Filmen viel zu schlampig entwickelt und die Story meistens viel zu dünn.

Spielfilm.de:
Warum dann ein Remake von "Halloween"?

Malcom McDowell:
Na gerade deshalb!Ich dachte, dass man mal versuchen könnte, einen guten Horrorfilm zu drehen. Haben Sie mal "Das Haus der Vergessenen" von Wes Craven gesehen? Das ist einer der wenigen Horrorfilme, die mir gefallen. Daran sieht man, dass man in diesem Genre durchaus gute Geschichten entwickeln kann.

Spielfilm.de:
Sie spielen den Psychiater von Michael Myers. Wenn man sich dessen zahllose Morde ansieht, haben Sie auf voller Ebene versagt...

Malcom McDowell:
Jeder Arzt, der siebzehn Jahre lang jemanden therapiert und am Ende einen Serienkiller vor sich hat, muss ein totaler Versager sein. Meine Rolle versinkt nahezu in Egomanie. Aber gerade das macht die Figur in meinen Augen so interessant.

Spielfilm.de:
Hätte ein besserer Arzt Michael Myers auf die richtige Bahn lenken können?

Malcom McDowell:
Nein, einen Psychopathen kann man nicht heilen. Ihn wegzusperren ist die einzige Möglichkeit. Das macht "Halloween" in meinen Augen auch so schockierend: Der liebe Junge von nebenan flippt plötzlich aus und niemand kann etwas dagegen tun.

Spielfilm.de:
Wenn man Michael Myers' verkorkste Jugend mal genauer unter die Lupe nimmt, ist sie der Ihrigen gar nicht so unähnlich. Wie er wuchsen auch Sie in zerrütteten Familienverhältnissen auf. Ihr Vater war Alkoholiker, man schickte Sie irgendwann aufs Internat...

Malcom McDowell:
Mein Vater war Alkoholiker, aber er hat niemanden beleidigt oder missbraucht. Mit ihm gab es gar keine Form von Dialog, und diese Unfähigkeit zur Kommunikation breitete sich über unsere ganze Familie aus. Meine Mutter war immer peinlich berührt, wenn ich das Thema vor ihr ansprach. Sie neigte dazu, das Problem zu verleugnen.

Spielfilm.de:
Sie sind mit über 150 Filmen ein außerordentlich viel beschäftigter Schauspieler. Wollen Sie so weitermachen, bis Sie irgendwann tot umfallen?

Malcom McDowell:
Schauspieler sterben nicht, sie klingen langsam ab. Wir machen im Regelfall weiter, bis wir irgendwann kollabieren. Außerdem habe ich zwei junge Kinder, eines acht Monate alt, der andere drei Jahre. Irgendwie muss ich sie ja großziehen und später mal aufs College bringen.

Spielfilm.de:
Soll heißen: Sie drehen, was Ihnen gerade angeboten wird?

Malcom McDowell:
Ich sage nicht alles zu, bin aber doch der Meinung, dass es eine Herausforderung ist, ab und zu Müll zu drehen. Als junger Schauspieler habe ich immer darauf bestanden, meinen Text abändern zu dürfen. Heute rüttele ich an keinem Wort. Wenn ich es nicht schaffe, den Text so authentisch rüberzubringen, wie er in einem Drehbuch steht, sollte ich mir nämlich Gedanken machen, ob ich wirklich ein so guter Schauspieler bin, wie ich immer gedacht habe.

Spielfilm.de:
Wenn der Film schlecht ist, steigt also die Herausforderung?

Malcom McDowell:
Sie haben es erfasst! Sie wären geschockt, was für Unsinn ich manchmal aufsagen muss.

Spielfilm.de:
Trotzdem sind Sie einer der wenigen Europäer, die ihre Zeit offenbar gerne in Los Angeles verbringen...

Malcom McDowell:
Ich liebe Kalifornien, wohne aber nicht direkt in Los Angeles. Mein Haus befindet sich in der Nähe von Santa Barabara. Ich würde nicht freiwillig wegziehen, da ich dieses Land liebe, seit ich 1979 zum ersten Mal zu Besuch kam.

Spielfilm.de:
Was hat Sie damals daran gereizt?

Malcom McDowell:
Eine Frau. Ich heiratete sie, bekam mit ihr zwei Kinder. Es folgte die Scheidung, aber ein Vater war ich immer noch. Da es für mich nie in Frage gekommen wäre, meine Zeit fernab meiner Kinder zu verbringen, bin ich geblieben. Bis heute. Damals war es keine leichte Zeit. Ich musste als Schauspieler in den USA noch einmal von vorne anfangen und sagte eine Zeitlang alle Rollenangebote aus Europa ab.

Spielfilm.de:
Ihre Hauptrolle in "Uhrwerk Orange" hat Sie seinerzeit berühmt gemacht. Könnten Sie sich ein Remake dieses Films vorstellen?

Malcom McDowell:
Alles ist möglich. Die Frage ist nur, ob ich mir den Film auch ansehen würde. Ich habe in der Vergangenheit einige Bühnenversionen des Films gesehen, und alle waren so peinlich, dass ich am liebsten im Erdboden versunken wäre. Damals konnte ich das freilich noch nicht so ehrlich sagen.


Interview geführt von Rico Pfirstinger / RICOPRESS am 21.08.2007 in Los Angeles

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