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"Halloween": Rob Zombie

Der Regisseur und Musiker Rob Zombie (42) über das Kult-Remake, sein Verhältnis zu John Carpenter und wieso er für ein Sequel nicht zu haben ist.

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"Ich kann mich einfach nicht konzentrieren"Der Musiker Robert Cummings, genannt Rob Zombie, ist eher nicht der ideale Schwiegersohn: Dreadlocks, tätowiert, ein echter Rocker. Und nebenbei noch Regisseur von Hardcore-Horrorfilmen mit putzigen Titeln wie "Das Haus der 1000 Leichen" - nomen est omen. Zombies Fans erwarten Blut und Terror in sämtlichen Lebenslagen - ein frommer Wunsch, den ihnen ihr Idol auch in seinem Remake des Kultfilms "Halloween" erfüllt. In Amerika spielte der Streifen sein Budget bereits am ersten Wochenende doppelt ein. Trotzdem erteilte Zombie der nun unvermeidlichen Fortsetzung bereits im Vorfeld eine klare Absage. Wir fragten den Regisseur in Beverly Hills nach dem Grund.

Spielfilm.de:
Mr. Zombie, Ihr "Halloween"-Remake führt uns auch in die Kindheit des berüchtigten Killers Michael Myers. Was können Sie uns vorab verraten?

Rob Zombie:
Michael Myers ist kein Produkt seiner Umgebung. Er wurde böse geboren. Deshalb liefern wir auch keine Erklärung, warum er später zum Killer wurde. Ich habe vor den Dreharbeiten viele Fälle recherchiert, bei denen Kinder andere Kinder getötet haben. Ich kann mich an einen Fall erinnern, in dem ein rothaariger Junge mit großen Brillengläsern aus dem Nichts heraus ein anderes Kind in den Wald gelockt und ermordet hat. Heute ist er 21 Jahre alt, sitzt noch immer im Gefängnis, aber eine Erklärung für seine Tat gibt es nicht. So ähnlich ist auch Michael Myers. Er kann freundlich und charmant sein, wenn es darum geht, seinen Arzt an der Nase herumzuführen, aber sein Killerinstinkt kommt irgendwann zum Vorschein. Er hat ganz einfach eine schwere Psychose.

Spielfilm.de:
Orientiert sich das Remake nahe am Original?

Zombie:
Mir war wichtig, dass wir Michaels Auftreten mit seiner Maske beibehalten. Bei einem Remake von Frankenstein erwarte ich ja auch ein plattes Gesicht mit einer Stange im Hinterkopf. Außerdem habe ich versucht, wie ein Fan zu denken und die wichtigsten Nebenfiguren des Originals auch im Remake erscheinen zu lassen. Ich wollte die Momente nicht zerstören, die das Original zum Klassiker gemacht haben.

Spielfilm.de:
Der Film hat ein zeitloses Flair: Warum haben Sie die Geschichte nicht an ein bestimmtes Jahrzehnt gebunden?

Zombie:
Hätte ich mich auf eine bestimmte Zeit festlegen lassen, hätte mich das zu sehr in meinen filmischen Möglichkeitenbeschränkt. Also bin ich so zeitlos wie nur irgend möglich, verpasse den Jugendlichen klassische Jeans und T-Shirts und lasse die Zuschauer ihre eigenen Rückschlüsse ziehen. Es spielt für die Geschichte ja auch gar keine Rolle, in welchem Jahrzehnt sie angesiedelt ist.

Spielfilm.de:
Haben Sie mit John Carpenter, dem Regisseur des Originals, vorab über das Remake gesprochen?

Zombie:
Ja, ich kenne ihn seit längerem und rief ihn an, bevor das Remake offiziell bekannt gegeben wurde. Ich wollte, dass er es zuerst erfährt. Er mochte die Idee und gab mir nur einen einzigen Ratschlag: "Kümmere dich nicht um meinen Film, sonder mach dein eigenes Ding." Das habe ich mir zu Herzen genommen.

Spielfilm.de:
War die erste Schnittfassung wirklich fast drei Stunden lang?

Zombie:
Sogar noch ein bisschen länger. Das liegt an meiner besonderen Art, wie ich bei Dreharbeiten vorgehe. Ich filme Szenen zuerst so, wie sie im Drehbuch stehen und lasse die Schauspieler anschließend noch etwas improvisieren. Ich mache das für den Fall, dass etwas Spannendes passiert. Mein Schnittmeister fügte für die erste Fassung einfach alle Szenen zusammen, obwohl viele einfach nicht relevant für die Story waren. Es fiel mir also nicht allzu schwer, diese Rohfassung auf normale Spielfilmlänge zu kürzen. Ich wusste ja, was wichtig war.

Halloween - Rob Zombie Senator Film
Halloween - Rob Zombie
© Senator Film
Spielfilm.de:
Trotz des immensen Rohmaterials haben Sie später noch einmal Szenen nachgedreht. Wieso?

Zombie:
Es gab eine Testvorführung in New York, die auf sehr positives Feedback bei den Zuschauern stieß. Bob Weinstein, der Produzent, erzählte mit danach, wie sehr auch ihm der Film gefällt. Er sagte: "Wenn du noch irgendetwas ändern willst, mit dem du nicht zufrieden bist, gebe ich dir gerne das Geld." Zuerst dachte ich, dass ich mit dem Film rundum zufrieden bin, nutzte schließlich aber doch die Chance, ein paar Dinge zu verfeinern. Also nahm ich ein paar Änderungen an der zeitlichen Struktur des Films vor, feilte hier und da an den Nebenrollen und verbesserte das Ende.

Spielfilm.de:
Normalerweise beklagen sich Filmemacher über die Zusammenarbeit mit den Weinsteins, die als Kontrollfreaks bekannt sind.

Zombie:
Dieses Problem hatte ich nicht. Ich durfte tun und lassen, was ich wollte. Er stellte nur eine einzige Bedingung: Er wollte, dass es ein waschechter Rob-Zombie-Film wird. "Denk nicht zu sehr an John Carpenter", meinte er. Damit konnte ich leben.

Spielfilm.de:
Als "Halloween" 1978 in die Kinos kam, waren Sie dreizehn Jahre alt. Waren Sie schon immer ein Fan des Horrorfilmgenres?

Zombie:
Ich mochte die Filme, die wirklich gut waren. Dazu gehörten "Halloween", "Freitag, der 13." und "Nightmare on Elm Street". Sequels interessierten mich weniger.

Spielfilm.de:
Demnach sind Sie für ein Remake von "Halloween 2" nicht mehr zu haben?

Zombie:
Nein. Ich habe bereits dankend abgelehnt.

Spielfilm.de:
Werden Sie die DVD mit dem geschnittenen Material bereichern?

Zombie:
Ich habe noch keine Ahnung. Aber der Film würde durch eine neue Schnittfassung wohl kaum brutaler werden. Die Szenen, die übrig geblieben sind, dienen eher der besseren Ausdifferenzierung der einzelnen Charaktere.

Spielfilm.de:
In welcher Stimmung müssen Sie eigentlich sein, ein so brutales Drehbuch zu schreiben?

Zombie:
Ich habe vermutlich ein Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom. Wenn ich schreibe, sitze ich vor meinem Laptop, während im Hintergrund der Fernseher dudelt und auf einem zweiten Computer ein Film läuft. Ich kann mich einfach nicht konzentrieren.


Interview geführt am 21.08.2007 von Rico Pfirstinger/RICOPRESS Los Angeles

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