NewsKinoClipsDVDSpecialSpieleProgramm
los
Die Spielfilm.de-Community! Hier registrieren

"I'm not there": Richard Gere

Weltstar Richard Gere über Musik, alte Helden und buddhistische Weisheiten

Richard Gere in Im not there Plakat Im not there Im not there Regisseur Todd Haynes
"Wir alle sind Teil eins Flusses"Wenn Richard Gere zum Interview lädt, spart man Trivialfragen lieber aus. Der Buddhist und Menschrechtler macht sich in den Medien rar, hält nicht viel vom Alltagsgeschwätz der Traumfabrik und findet sogar in seinem neuesten Film "I'm not there" eine durchaus plausible Erklärung für unsere Existenz auf Erden. In Venedig trafen wir ihn kurz vor der Weltpremiere zum Gespräch.

Spielfilm.de:
Mr. Gere, ihr neuer Film "I'm not there" ist eine surreale Annäherung an den Musiker Bob Dylan, der in der Geschichte von sechs verschiedenen Darstellern verkörpert wird. Was bedeutet Bob Dylan für Sie persönlich?

Richard Gere:
Ich kann mich an keine Phase meines Lebens erinnern, in der Bob Dylan nicht präsent gewesen wäre. Wenn ich zurückblicke und noch einmal in seine großartigen Alben wie "Blonde on Blonde" oder "Highway 61 Revised" hineinhöre, fühle ich in eine Zeit meines Lebens zurückversetzt, in der Dinge noch wesentlich einfacher und klarer waren. Es war meine Zeit als Teenager, als die Emotionen noch frisch waren und extreme Auswirkungen auf meine Psyche hatten. Ich war damals von all diesen Gefühlen, die ich zum ersten Mal erlebte, nahezu überwältigt. Zumindest war es mir unmöglich, sie in Worte zu fassen. Dylans Musik half mir, sie zu beschreiben. Die Einfachheit seiner Lyrics gibt uns die Chance, uns im Klaren darüber zu werden, wie wir über bestimmte Dinge fühlen.

Spielfilm.de:
Muss man sich mit Bob Dylan auskennen, um "I'm not there" verstehen zu können?

Gere:
Nicht wirklich. Der Zuschauer soll sich zurücklehnen und die Bilder auf sich wirken lassen. Ich kann nur raten, nicht zuviel darüber nachzudenken, sondern lieber zu genießen. Wir präsentieren in den Film starke, traumartige Bilder, von denen sicher einige im Gedächtnis bleiben werden. Zumindest ging es mir so. Dazu kommt verstärkend, dass nahezu jede Textzeile sich auf einen Song von Bob Dylan bezieht. Wahre Fans werden mich Sicherheit die volle Tiefe des Films begreifen, aber auch auf Dylan-Neulinge wird er sicherlich Eindruck machen.

Spielfilm.de:
Warum ist die Person Dylan bis heute ein so großes Faszinosum für Menschen aller Altersklassen?

Gere:
Weil er sich emotional und thematisch auf das Jetzt und die Vergangenheit gleichermaßen bezieht. Seine Musik ist universell. Er verfolgt das Konzept, was man großartige Kunst nennt. Vergleichbar mit Shakespeare, dem ein ähnlich universeller Ansatz gelang. Shakespeares Stücke scheinen auch immer relevant, egal was gerade auf der Welt passiert. Ich weiß nicht, wie oft ich schon verschiedene Vorführungen von "Julius Caesar" gesehen habe, aber fast immer hatte ich das Gefühl, dass man das Stück auf fast alle unsere Kriege übertragen kann. So etwas ist sehr rar. Nur echte Kunst spiegelt sich auf universelleArt und Weise im Jetzt, in der Vergangenheit und in der Zukunft.

Richard Gere in Im not there
Richard Gere in "I'm not there"
Copyright-Informationen
Spielfilm.de:
Wie wichtig ist Ihnen Musik heute?

Gere:
Ich bin ein Dinosaurier und identifiziere mich nicht mehr wirklich mit der Musik, die heutzutage entsteht. Was mir gefällt, basiert zum größten Teil auf Erinnerungen aus vergangenen Tagen.

Spielfilm.de:
Können Sie Ihren bevorzugten Musikstil etwas einkreisen?

Gere:
Ich mag R'n'B, Soul und Blues. Ich bewundere Bob Dylan, Van Morrison und die Rolling Stones.

Spielfilm.de:
Was berührt Ihre Emotionen mehr? Musik oder die Schauspielerei?

Gere:
Natürlich die Musik! Sie transportiert mich in ein Vakuum, in dem ich genießen kann. Schauspielerei ist für mich Arbeit. Sie fällt mir heute vielleicht etwas leichter als das vor zwanzig Jahren der Fall war, aber letztlich ist es für mich doch Arbeit.

Spielfilm.de:
Machen Sie auch selbst Musik?

Gere:
Ja, fast täglich, aber nur für mich. Ich komponiere gerne, höre aber in meiner Musik nicht unbedingt etwas einzigartiges, sondern eher ein ständiges Zitieren der Musikstile, die meine Jugend entschieden mitgeprägt haben.

Spielfilm.de:
Man sieht Sie in letzter Zeit verstärkt in Independent-Filmen. Suchen Sie konkret nach den kleinen Filmen, die keine Studiodeckung genießen?

Gere:
Ich drehe die Art von Filmen, die in den guten alten Zeiten auch von Studios produziert worden wären. Aber die Zeiten haben sich geändert. Heute vertraut man lieber auf Filme mit 200 bis 300 Millionen Dollar Budget und Franchise-Potenzial. Ich drehe also dieselben Filme wie früher, nur hat sich das System an sich verändert. Was früher bei den Studios angesagt war, muss heute unabhängig entstehen.

Im not there Regisseur Todd Haynes
"I'm not there" Regisseur Todd Haynes
Copyright-Informationen
Spielfilm.de:
Was genau beeinflusst Ihre Entscheidung, bevor Sie sich für ein Drehbuch entscheiden?

Gere:
Sicherlich nicht mehr das Geld. Eine Geschichte muss mich interessieren, und wenn das auf irgendeine Art und Weise der Fall ist, sage ich zu. Wegen dieser Prinzipien passiert es auch nur selten, dass ich einen meiner fertigen Filme am Ende nicht mag. Vor allem das aktuelle Jahr empfand ich als sehr spannend.

Spielfilm.de:
Für viele sind Sie allerdings der romantische Held schlechthin. Wie geht ein intelligenter Mann wie Sie damit um?

Gere:
Ganz locker. Ich kann alle Filme, die ich im Laufe meiner Karriere gedreht habe, mit mir selbst vereinbaren. Ich mag Geschichten über die Beziehung zwischen Mann und Frau. In meinem Leben geht es ja auch hauptsächlich darum.

Spielfilm.de:
Würden Sie noch einmal eine romantische Komödie drehen?

Gere:
Klar, warum nicht? Ich habe es sogar gerade getan. Mit Diane Lane habe ich eine sehr erwachsene Romanze abgedreht. Es ist definitiv nicht so, dass ich nur noch Filme drehe, in denen ich mit Bart und Pfeife auftreten darf. (lacht) Ich bin generell offen für alles. Nur fiel es mir schon immer schwer, qualitativ hochwertige Drehbücher zu finden, die meinen Ansprüchen gerecht werden.

Spielfilm.de:
Wie wichtig ist die Schauspielerei für Ihr körperliches Wohlbefinden. Vermissen Sie Ihren Beruf nach längeren Pausen?

Gere:
Es ist wie mit einem guten Essen. Man hat ein großartiges Buffet vor sich, Pasta, Fleisch, Fisch, Nachtische. Man isst, es und ist danach so glücklich und zufrieden, dass man sich gar nicht vorstellen kann, wie ein zweites Essen jemals ein ähnliches Völlegefühl hervorrufen könnte. Man macht eine Pause, aber irgendwann kommt der Hunger zurück. Bei Filmen ist es ähnlich: Ich arbeite extrem hart, bin meistens zufrieden und kehre heim zu meiner Familie. Ich spiele mit meinen Kindern, setzte mich vor die Gitarre und mein Klavier, begebe mich auf Abenteuer mit meiner Frau. Doch so gut mir das gefällt, werde ich irgendwann doch wieder hungrig nach Arbeit. Also stürze ich mich wieder aufs Buffet.

Spielfilm.de:
Wie schwer fällt es Ihnen, in Interviews Auskunft über Ihr Privatleben zu geben?

Gere:
Ich spreche in solchen Gesprächen im Regelfall sehr wenig über mein Privatleben. Man muss erst mit der Zeit lernen, mit den Medien umzugehen. Es ist kein Gen, das man bei der Geburt mit eingepflanzt bekommt. Generell gehe ich bei Journalisten erst einmal davon aus, dass ich nicht mit Fragen zu meinem Privatleben gelöchert werde, sondern dass sich thematisch interessante Gespräche ergeben, bei denen jeder der Beteiligten etwas mit auf den Weg nimmt, über das er vielleicht vorher noch nicht nachgedacht hat.

Spielfilm.de:
Sie sind Buddhist. Fühlen Sie sich mit sich selbst im Reinen?

Gere:
Jeder Mensch hat verschiedene Gesichter, Gute und Schlechte. Alle zusammen repräsentieren das, was den Menschen und unsere Persönlichkeit letztlich ausmacht. In uns ist gibt den friedvollen, den lustvolle und den streitsüchtigen Gesicht unserer Psyche. Im Laufe unseres Lebens - eigentlich in jedem Moment - springen wir von einem Gesicht zum nächsten. Ich bin mir dessen bewusst, und auch Dylan kennt seine verschiedenen Gesichter sehr gut. Er hat es dazu auch noch geschafft, völlig neue Masken als Ergänzung aufzubauen.

Richard Gere in Im not there
Richard Gere in "I'm not there"
Copyright-Informationen
Spielfilm.de:
Weiß Dylan denn, wer er wirklich ist?

Gere:
Ich denke, dass Dylan genauso wie ich weiß, dass hinter all dem gar nichts steht. Daher ja auch unser Filmtitel: "I'm not there". Unser Selbst ist nichts weiter als ein Schein. Je tiefer man in sich hineinblickt, um sich selbst zu finden, desto weiter entfremdet man sich von dem, was wir als "Selbst" definieren. Dann findest du heraus: Du existiert nur als Schein.

Spielfilm.de:
Eine sehr bittere Sicht aufs Leben, meinen Sie nicht?

Gere:
Warum? Ich halte es im Gegenteil für eine sehr befreiende Sicht! Wenn man von sich selbst spricht, macht man sich kleiner, als man ist. Wir alle sind Teil eines konstanten Flusses, einer konstanten Veränderung des ganzen Universums. Die Bitterkeit entsteht erst durch die fälschliche Meinung, dass man Selbst als abgegrenztes Wesen existiert.

Spielfilm.de:
Haben Sie auch verschiedene Gesichter für die Öffentlichkeit, für Ihre Frau, für Ihre Kinder?

Gere:
Sicherlich, aber je älter ich werde, desto mehr kommt es mir so vor, als ob sie sich annähern.


Interview geführt von Johannes Bonke/RICOPRESS Cannes, Frankreich



Dein Kommentar:Schreibe uns hier Deinen Kommentar. Vergiss nicht, Deinen Namen und den Bestätigungscode einzugeben. Nach dem Abschicken wird Dein Kommentar von der Redaktion geprüft und freigeschaltet. Wenn Du über die Freischaltung informiert werden möchtest, gib uns bitte Deine Emailadresse an.
Ich möchte Informationen über nachfolgende Beiträge zu diesem Thema erhalten .
NameE-Mail
Bestätigungscode (neu laden)Bestätigungscode
Kommentar
Video-Kommentar hochladen?
Beachte: Die Kommentare angemeldeter User werden deutlich schneller bearbeitet. Als "geprüftes Community Mitglied" werden Deine Kommentare sofort online gestellt. Jetzt anmelden!


Richard Gere in Im not there
Filmquiz
Was befindet sich im Flugzeugwrack in „Into the Blue“?
  • Drogen
  • Edelsteine
  • Waffen
Kinoprogramm
Kino in Deiner Nähe?
Ort
Umkreis
Bilder-Updates

Geburtstag
Wann hat wer Geburtstag?
Fragen
Fragen, Tipps, Anregungen? Einfach eine E-Mail an die Spielfilm-Redaktion!
Anzeige
Service:  Werbung | Sitemap | Links | Newsletter | RSS-Feed | Mobile | Mobile-Trailer | Archiv | Impressum |  Facebook |  Twitter
Friends: Fan-Lexikon | Trailer | Shops: DVDs | DVD-Verleih | Downloads: Bildschirmschoner