Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia: William Moseley
Jungstar William Moseley über Beziehung, Freunde, Fans und seine Existenz als glamouröser Obdachloser
"Es war mörderisch"Im Film verkörpert er als Peter Pevensie den heldenhaften Hohen
König einer Zauberwelt – im wirklichen Leben rauschte William Moseley (21) erst
mal durch die Fahrprüfung, fährt mittlerweile einen alten Ford und wohnt wieder
bei seinen Eltern. Wir trafen den Teenie-Schwarm aus England anlässlich der
Deutschlandpremiere seines neuen Films "Die Chroniken von Narnia: Prinz
Kaspian von Narnia" zum Reality Check im Münchner Hotel Bayerischer Hof
Spielfilm.de: William, die Promo-Tour für Teil zwei der „Chroniken von Narnia“ ist bald vorbei. Bist du erleichtert, dass sich der Medienzirkus nun dem Ende neigt?
William Moseley: In gewisser Weise schon. Es ist schon komisch: Man dreht sieben Monate lang einen Film, dann wartet man weitere sieben Monate darauf, dass er fertig ist – und schließlich sitzt man ein halbes Jahr lang rum und spricht darüber mit der Presse. Ja, ich glaube, ich bin für meinen nächsten Film bereit und freue mich schon darauf, bald wieder an einem Set zu arbeiten.
Spielfilm.de: Welches Projekt wird das sein?
Moseley: Der Film heißt „Ironclad“ und handelt von der Magna Carta. Wir drehen drei Monate lang in Berlin. Ich werde dort der jüngste Schauspieler am Set sein – bei „Narnia“ war ich ja oft der älteste! Jonathan English, der Regisseur, hat noch nicht viel Erfahrung und bisher erst einen Horrorfilm namens „Minotaur“ gemacht. Mal sehen, was das wird...
Spielfilm.de: „Narnia“ hat dir immerhin weltweite Bekanntheit und eine große Fangemeinde eingebracht.
Moseley: Ich bekomme jedenfalls mehr Fanpost als ich erwartet hatte. Ich muss mich jetzt wirklich mit dem Beantworten ranhalten.
Spielfilm.de: Verwechseln denn nicht viele Fans deine Person mit deiner Rolle?
Moseley: Klar, bei Premieren kommt es am roten Teppich durchaus vor, dass die Leute „Peter! Peter!“ rufen.
Spielfilm.de: Was ironischerweise auch dein zweiter Vorname ist.
Moseley: Ja, es ist der Name meines Vaters.

William Moseley in Die Chroniken von Narnia - Prinz Kaspian von Narnia WDSMP Germany GmbH/Krieger/Büttner
Copyright-Informationen Spielfilm.de: Dein Vater ist Kameramann, hat er dein Interesse an Filmen geweckt?
Moseley: Nein, eigentlich nicht. Ich habe als Zehnjähriger einfach mal für eine Rolle vorgesprochen, und das hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Davor hatte ich noch nie etwas gespielt. Einige Jahre später schlug mir derselbe Besetzungsagent dann vor, in seine Agentur einzutreten, was ich auch gemacht habe. Später wurde mir dann ein Vorsprechen für „Narnia“ angeboten, und es dauerte ganze 18 Monate, bis ich die Rolle schließlich hatte.
Spielfilm.de: Ein 18 Monate langes Casting klingt nicht wirklich nach Spaß.
Moseley: Es war mörderisch. Meine Filmpartnerin Anna Popplewell und ich sind den Weg zum Glück gemeinsam gegangen. Es fing mit ein paar tausend Kindern an, am Ende waren es für jede Rolle nur noch zwei.
Spielfilm.de: Ihr habt euch beide auch für die Hauptrollen in „Harry Potter“ beworben – und sie offensichtlich nicht bekommen. Niederlagen sind dir demnach auch nicht fremd.
Moseley: Allerdings. Im Alter zwischen zehn und fünfzehn habe ich für viele Rollen vorgesprochen und die meisten nicht bekommen.
Spielfilm.de: Wie lief das eigentlich mit deiner Fahrprüfung? Anna ist schon dreimal durchgefallen und hat immer noch keinen Führerschein.
Moseley: Ich habe meinen! Allerdings erst im zweiten Anlauf. Ein Auto habe ich mir auch gekauft, einen alten Ford Fiesta für 350 Pfund.
Spielfilm.de: Mein Gott, wir haben die Filmgagen in Hollywood offenbar ziemlich überschätzt...
Moseley: Naja, ich brauchte einfach nur einen fahrbaren Untersatz, mit billiger Versicherung. Außerdem lebe ich in einem eher kleinen Ort, und wenn die Leute dort das „Narnia-Kid“ mit einem Porsche oder so herumfahren sehen...

William Moseley in Die Chroniken von Narnia - Prinz Kaspian von Narnia WDSMP Germany GmbH/Krieger/Büttner
Copyright-Informationen Spielfilm.de: ...entspräche das natürlich voll dem Hollywood-Klischee.
Moseley: Genau. Vielleicht noch mit Regisseurskäppi und cooler Sonnenbrille? Nein, das möchte ich vermeiden, spare mir das Geld und fahre lieber eine 350-Pfund-Karre. Ich möchte mir aber gern in London ein Appartement kaufen.
Spielfilm.de: Demnach möchtest du in Europa bleiben.
Moseley: Ich denke schon. Ich habe acht Monate lang in Los Angeles gelebt, in Hancock Park und Santa Monica. Das ist irgendwie nicht meine Stadt, außer man hat dort ein eigenes Haus am Meer. Aber ich finde, London ist ein gutes Investment, weil meine Schwester ebenfalls dort leben will. Also kaufe ich mir eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern, sodass sie dort dann umsonst wohnen kann.
Spielfilm.de: Derzeit lebst du also noch bei deinen Eltern.
Moseley: Ja, aber eigentlich lebe ich aus dem Koffer, überall und nirgendwo. Ich bin eine Art glamouröser Obdachloser.
Spielfilm.de: Kann man als solcher denn eine Beziehung aufrechterhalten?
Moseley: Doch, absolut! Beziehungen haben früher sogar Kriege überdauert, deshalb bin mir ganz sicher, dass das möglich ist.
Spielfilm.de: Gibt es denn jemand Bestimmten in deinem Leben?
Moseley: Ja, schon, aber darüber möchte ich eigentlich nicht sprechen. Es ist jedenfalls niemand aus dem Showgeschäft, das ist einfach nicht mein Stil. Keiner meiner Freunde ist Schauspieler, mein bester Freund etwa ist Ingenieur und arbeitet zurzeit in Schanghai.

William Moseley mit deutscher Synchronstimme Narnia - Prinz Kaspian von Narnia Deutschlandpremiere Kaltenberg, 22.07.2008
© WDSMP Germany GmbH/Krieger/Büttner
Spielfilm.de: Als Teenie-Star hat man es einerseits sehr leicht, Mädchen kennenzulernen. Auf der anderen Seite ist es aber auch kompliziert, weil man nicht genau weiß, was ihre wahren Motive sind.
Moseley: Richtig. Also muss man sich auf seinen eigenen Instinkt verlassen. Die Körpersprache verrät nämlich sehr viel. Man muss schon ziemlich dämlich sein und es geradezu darauf anlegen, um von einem Fan ausgenutzt zu werden. Wenn man sich sein Gegenüber und dessen Reaktionen genau ansieht, bekommt man einen guten Eindruck davon, woran man wirklich ist.
Spielfilm.de: Du bist also ein guter Beobachter.
Moseley: Naja, ich bin ziemlich normal und bodenständig aufgewachsen, umgeben von ehrlichen Menschen. Da erkennt man die unehrlichen umso schneller.
Spielfilm.de: Außerdem hast du in New York privaten Schauspielunterricht genommen. Bringt einen das in Sachen Menschenkenntnis ebenfalls weiter?
Moseley: Sicherlich. Das war mein eigener Entschluss und hatte nichts mit „Narnia“ zu tun. Ich habe auch noch in Los Angeles bei einem anderen sehr guten Schauspiellehrer Unterricht gehabt. Das gehört für mich einfach dazu, ein Sportler übt ja schließlich auch ständig mit seinem Trainer.
Spielfilm.de: Wie kommst du mit dem Druck am Set zurecht?
Moseley: Ganz unterschiedlich. Druck kann positiv sein, etwa bei Kampfszenen, wo man die Energie dann rauslassen kann. Aber wenn es um kleine Szenen geht, die unbedingt im Kasten sein müssen, bevor die Sonne untergeht oder es zu regnen anfängt, weil wir sonst eine Woche lang warten müssten, um das Ganze noch einmal zu machen – das kann einem schon auf den Senkel gehen.
Spielfilm.de: Wie gehst du damit um?
Moseley: Musik ist eine große Hilfe. Ein guter Song von Bob Dillon versetzt einen direkt in eine andere Welt, sodass man sich vom Trubel am Filmset abkoppeln und auf die Rolle konzentrieren kann.
Spielfilm.de: Dann solltest du mit Cameron Crowe arbeiten. Er hat immer ausgesuchte Musik am Set, um seine Darsteller auf die nächste Szene einzustimmen.
Moseley: Andrew Adamson, unser Regisseur, machte das ebenfalls. Als ich im Film mit Schild und Schwert herausmarschierte, spielte er „Jesus Walks“ von Kanye West. Ich fühlte mich echt wie „Rocky“. (lacht)

William Moseley und Anna Popplewell - Narnia - Prinz Kaspian von Narnia Deutschlandpremiere Kaltenberg, 22.07.2008
© WDSMP Germany GmbH/Krieger/Büttner
Spielfilm.de: „Narnia“ basiert auf christlichen Motiven, und Andrew Adamson ist selbst sehr gläubig. Merkte man das auch am Set?
Moseley: Ja, er nahm das Ganze sehr persönlich, beim ersten Film noch stärker als beim zweiten. Beim zweiten hat er sich, denke ich, fast ein wenig übernommen. Ich versuche das wirklich so freundlich wie möglich auszudrücken, denn ich halte ihn für absolut genial. Aber ich erinnere mich, wie er sogar beim Mittagessen vor mehreren Laptops saß, um Entwürfe durchzugehen und abzusegnen. Er war ständig dermaßen beschäftigt, dass es uns sehr schwer fiel, in seine Welt vorzudringen.
Spielfilm.de: Dann hat er euch vermutlich auch keinen Spielraum zum Improvisieren gelassen?
Moseley: Genau. Vielleicht bei den Proben, aber sonst? Wenn ich Andrew sagte, dass ich einen bestimmten Satz nicht mochte, fielen ihm sofort fünfzig verschiedene Gründe ein, wieso der Satz nur so und nicht anders lauten konnte. Es ist ziemlich unmöglich, mit Andrew über den Text zu diskutieren. (grinst)
Spielfilm.de: Trotzdem ist die Schauspielerei dein Leben.
Moseley: Absolut. Ich habe meinen Schulabschluss inzwischen nachgeholt, weil ich wegen „Narnia“ ein Jahr wiederholen musste, doch die Universität ist wohl nicht so mein Ding. Immerhin könnte ich aber zur Uni gehen, falls das mit der Schauspielerei nicht klappen sollte.
Spielfilm.de: Ist ja auch nicht so leicht, sich auf seine Schulnoten zu konzentrieren, während man den Hohen König von Narnia verkörpert.
Moseley: Möchte man meinen, ist aber nicht so. Man hat seine Rolle in Narnia, sein Leben am Drehort und sein Privatleben – mit Schule, Freunden und Beziehung. Das kann ich alles ganz gut voneinander trennen.

William Moseley und Anna Popplewell und VIP Gäste
© WDSMP Germany GmbH/Krieger/Büttner
Spielfilm.de: Ich stelle mir das nicht so einfach vor, mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben, während man monatelang in Neuseeland und Osteuropa dreht.
Moseley: Das stimmt. Vor allem weil ich, im Gegensatz zu meinen Freunden, nicht im „Facebook“ eingetragen bin – denn ich finde, dass es auf Kinder und Jugendliche einen schlechten Einfluss ausübt. Man kann damit in das Leben und die Privatsphäre anderer Menschen blicken. Ich beschränke mich deshalb auf E-Mail.
Spielfilm.de: Ein fernerer Traum von dir ist es, irgendwann einmal selbst Regie zu führen. Konntest du in Hollywood bereits Kontakt zu einigen deiner Vorbilder knüpfen?
Moseley: Ja, zum Beispiel zu Guillermo del Toro, den Regisseur von „Pans Labyrinth“ und „Hellboy“. Guillermo war ja ursprünglich als Regisseur für „Narnia“ vorgesehen, wollte die religiösen Aspekte und die Wiederauferstehung aber weglassen. Ich sagte ihm, dass sich „Narnia“ und „Pans Labyrinth“ recht ähnlich seien: In beiden Filmen betritt ein kleines Mädchen eine verzauberte Welt. Er meinte: „Richtig, ‚Pans Labyrinth‘ ist wie ein ‚Narnia‘, das man im Regen stehen gelassen hat.“ Der Mann hat ja so Recht! Ich würde wirklich gerne mit ihm arbeiten.
Interview geführt von Rico Pfirstinger im Münchner Hotel Bayerischer Hof
Userkommentare Wiebke vom 14.08.2009ich finde william moseley einfach nur cool