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"Der Baader Meinhof Komplex": Alexandra Maria Lara

Alexandra Maria Lara über ein düsteres Kapitel deutscher Geschichte, das richtige Bauchgefühl und ihr Zusammenleben mit Sam Riley

Alexandra Maria Lara und Sam Riley bei der Premiere von Der Baader Meinhof Komplex Alexandra Maria Lara in Der Baader Meinhof Komplex
"Man muss sich gegenseitig unterstützen"Von Uli Edel über Spike Lee bis hin zu Francis Ford Coppola wollen alle nur die Eine: Alexandra Maria Lara. Die schöne Deutsch-Rumänin legte innerhalb der letzten zwei Jahre eine beachtliche internationale Blitzkarriere hin, die sie durch verschiedenste Länder bis nach Amerika führte. Zurück auf deutschem Boden wird sie im "Baader Meinhof Komplex" als RAF-Terroristin Petra Schelm von einer tödlichen Kugel getroffen. Im wahren Leben ist es der Pfeil Amors, der bei ihr eingeschlagen hat, seit sie bei den Dreharbeiten zu "Control" ihren Filmpartner Sam Riley kennenlernte. Mit ihm zusammen lebt die 29-Jährige inzwischen glücklich verliebt in Berlin. Wir unterhielten uns mit der charismatischen Schauspielerin über ihren derzeitigen Höhenflug.

Spielfilm.de:
Frau Lara, in Ihrem aktuellen Film "Der Baader Meinhof Komplex“ spielen Sie eine junge RAF Anhängerin. Wie viel wussten Sie vor den Dreharbeiten über diese Terrororganisation?

Alexandra Maria Lara:
Durch meinen Beruf fängt man an, sich mit Themen auseinanderzusetzen, die man ansonsten nur an der Oberfläche behandelt. So ist es auch mit der RAF in Deutschland. Es ist keineswegs so, dass ich gar nichts darüber wusste, aber man entwickelt natürlich ein ganz anderes Gefühl dafür, wenn man selbst zum Schießtraining geht und anfängt, sich sehr intensiv mit der Hintergrundthematik zu beschäftigen. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt auf das Ergebnis von "Der Baader Meinhof Komplex". Das ist wieder ein Film, der die Welt begeistern wird, da bin ich mir sicher.

Spielfilm.de:
Als Schauspielerin ist es Ihre Aufgabe, sich in das Denken und Fühlen Ihrer Rollen hineinzuversetzen. Verstehen Sie die Gedankenwelt der RAF-Terroristen inzwischen etwas besser?

Lara:
Ich habe nur eine sehr kleine Rolle in diesem Film. Ich spiele Petra Schelm, die als junge Frau gestorben ist. Sie war eine zwanzig Jahre alte Friseuse, die keine Ahnung hatte, was sie bei der RAF wirklich macht. Insofern war es für mich eine weitaus weniger schwierige Aufgabe als für Martina Gedeck, die sich mit dem Charakter der Ulrike Meinhof auseinandersetzen musste. Das ist natürlich etwas ganz anderes. Ich musste mich nicht mit Angehörigen oder Zeitzeugen treffen, um eine junge Frau zu spielen, die eher zufällig in den Kreis dieser Terroristen geriet.

Spielfilm.de:
Sie haben vor Jahren einmal behauptet, Sie seien zu gutmütig, um Rollen anzulehnen. Ist das heute auch noch so?

Lara:
Nein. Aber ich finde es noch immer wahnsinnig schwierig, Freunden von mir, die Filme produzieren, einen Wunsch oder Gefallen abzuschlagen. Meine Agenturen sind mir deshalb auch eine sehr große Hilfe.

Alexandra Maria Lara und Sam Riley bei der Premiere von Der Baader Meinhof Komplex
Alexandra Maria Lara und Sam Riley bei der Premiere von "Der Baader Meinhof Komplex"
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Spielfilm.de:
Wie erleben Sie Kehrseite der Medaille von Ruhm und Erfolg? Wie schwierig ist es inzwischen für Sie, Ihr Privatleben zu schützen?

Lara:
Es geht. Man liest automatisch weniger Klatschzeitschriften, weil es mir sehr viel besser geht, wenn ich nicht weiß, was der Rest der Welt alles über mich erfährt. Noch vor ein paar Jahren habe ich mir bestimmte Dinge sehr zu Herzen genommen, die mir glücklicherweise heute nicht mehr so wichtig sind. Es ist aber eindeutig eine Kehrseite, wenn jemand etwas Gehässiges über mich schreibt. Dieser Rummel um meine Person ist nichts, was einen glücklicher macht oder freut, aber ich komme heute damit wesentlich besser klar als noch vor ein paar Jahren.

Spielfilm.de:
Man sagt, Neid sei die deutsche Form der Anerkennung. Gibt es Leute in Ihrer Umgebung, die Ihnen den Erfolg nicht gönnen?

Lara:
Gegen Neid kann man nichts machen. Es freut sich leider nicht jeder mit anderen Menschen. Aber zum Glück gibt es auch Leute, die dazu in der Lage sind. Darüber freue ich mich immer sehr. Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung: manche finden meine Arbeit langweilig, manche finden meine Filme ganz toll. Man darf auf das Urteil anderer nicht so viel geben. Manchmal allerdings resultieren völlig unerklärliche negative Bemerkungen bestimmt nur aus Neid.

Spielfilm.de:
Themawechsel: Sie sind selbst Raucherin. Zurzeit ein viel diskutiertes Laster. Möchten Sie mit dem Rauchen aufhören?

Lara:
Ich bin selbst nicht davon begeistert, dass ich so stark rauche. Mir wäre es lieber, ich könnte damit aufhören, ja.

Spielfilm.de:
Hat Sie das Rauchverbot in den Berliner Lokalen sehr getroffen?

Lara:
Nein, ganz im Gegenteil. Ich bin über alle Einschränkungen sehr froh und finde sie durchaus unterstützenswert. Es ist schlimm für mich, dass man überall Zigaretten kaufen kann. Ich finde es verrückt, die Leute mit Warnhinweisen abzuschrecken, den Tabak aber trotzdem an jeder Ecke zu verkaufen. Es wäre wahrscheinlich der nächste logische Schritt, das zu ändern. Ich persönlich freue mich auf jeder weitere Einschränkungsmaßnahme, die mich vom Rauchen abhält.

Spielfilm.de:
Ihr Freund Sam Riley ist vor kurzer Zeit zu Ihnen nach Deutschland gezogen, richtig?

Lara:
Ja, allerdings. Es läuft sehr gut. Wir hatten in den letzten Monaten viel Zeit füreinander.

Spielfilm.de:
Sprechen Sie Ihre Projekte miteinander ab, oder überlassen Sie es dem Zufall, wie viel Freizeit Sie gemeinsam verbringen können?

Lara:
Manches kann man nicht selbst bestimmen, weil man keinen Einfluss darauf hat. Als ich gerade frisch mit Sam zusammengekommen war, kam das Angebot, mit James Ivory in Argentinien zu arbeiten. Ohne meinen Freund in ein fremdes Land zu fahren, das hörte sich für mich zu dem Zeitpunkt wie ein absoluter Alptraum an. Ich wollte nicht so weit von Sam entfernt sein. Aber das Drehbuch war so genial und die Rolle derart außergewöhnlich, dass ich mir diese Chance nicht entgehen lassen konnte. Sam, der das Buch dann gelesen hat, war genau derselben Meinung. Er hat erkannt, dass es trotz Herzschmerz das Richtige für mich war. So eine Chance bekommt man nur einmal im Leben. Es ist sehr wichtig, sich gegenseitig zu unterstützen, aber es liegt an einem selbst, auf seinen eigenen Weg zu achten.

Spielfilm.de:
Lesen Sie sich Ihre Drehbücher gegenseitig vor, um sich zu beraten, ob Sie einen Film machen sollen oder nicht?

Lara:
Nein. Erst wenn ein Projekt ganz konkret wird, lesen wir uns etwas aus dem Drehbuch vor. Denn es ist sehr spannend zu wissen, mit was sich der andere gerade auseinandersetzt. Sam ist im Gegensatz zu mir ein absoluter Kinoexperte und Filmliebhaber. Er kennt Werke aus allen Jahrzehnten und ist ein echter Profi auf diesem Gebiet. Davon profitiere ich natürlich sehr gerne.

Alexandra Maria Lara in Der Baader Meinhof Komplex
Alexandra Maria Lara in "Der Baader Meinhof Komplex"
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Spielfilm.de:
Wer ist Ihr wichtigster Ratgeber bei der Rollenauswahl?

Lara:
Das kommt ganz darauf an. Meistens ist es ein ziemlich klares Bauchgefühl, das mir sagt, welche Rolle für mich die richtige ist. Darauf kann ich mich inzwischen sehr gut verlassen. Früher habe ich Fehler gemacht und nicht auf meine erste Eingebung gehört. Im Nachhinein wäre es besser gewesen, ich hätte mich auf mein Gefühl verlassen und so manchen Film nicht gedreht. Ich bin froh, es inzwischen besser zu wissen und einen guten Instinkt dafür entwickelt zu haben. Wenn ich mir doch noch einmal unsicher bin, sind es mein Vater, Sam und meine Agenten, die mir bei der Entscheidungsfindung zur Seite stehen.

Spielfilm.de:
Haben Sie inzwischen auch eine Agentur in Hollywood?

Lara:
Ja. Ich habe auch eine Agentur in Amerika, CAA. Eine von den ganz großen. So sieht's aus.

Spielfilm.de:
Sie haben in den letzten zwei Jahren mit vielen international erfolgreichen Regisseuren zusammengearbeitet: Spike Lee, James Ivory, Stephen Daldry und Francis Ford Coppola. Wie fühlt man sich in den Händen solcher großen Meister ihres Fachs?

Lara:
Bei Spike Lee hatte ich nur einen Drehtag. Allerdings war es ein phantastisches Erlebnis mit sehr, sehr viel Text. Es war unglaublich spannend und lehrreich. Für mich ist so eine Erfahrung natürlich eine echte Sensation. Bei Stephen Daldry, der hier in Deutschland gedreht hat, sind gleich mehrere deutsche Schauspieler in die glückliche Position geraten, mit einem so berühmten Regisseur zusammenzuarbeiten.

Spielfilm.de:
Denken Sie, dass in Zukunft weiterhin internationale Filmangebote auf Sie zukommen werden?

Lara:
Das weiß ich nicht, keine Ahnung. Ich persönlich hätte nie damit gerechnet, dass ich überhaupt soweit komme. Ich glaube nicht, dass man so etwas planen kann. Im Moment schaut die Welt mit großer Begeisterung auf das europäische Kino. In den letzten Jahren auch verstärkt auf deutsche Produktionen. Diese Anerkennung, die dem deutschen Film gerade in der Welt widerfährt, ist groß und sehr hilfreich. Die Leute sind begeistert - und das wirkt sich positiv auf das deutsche Filmgeschäft aus. Es gibt dadurch immer mehr Produktionen. Es kommen laufend mehr Filmemacher nach Europa, um hier ihre Filme zu drehen. Das bringt gleichzeitig große Chancen für alle Schauspieler, die in diesem Land leben.

Spielfilm.de:
Werden Sie Berlin treu bleiben, auch wenn es mit der internationalen Karriere weiter so gut läuft?

Lara:
Doch, schon. Ich bin sehr oft bei mir zu Hause in Berlin. Gerade das letzte Jahr war sehr ruhig, was mir sehr gut getan hat. Es lässt sich nicht planen, ob man weiterhin international Glück hat oder nicht. Es ist gerade eine gute, chancenreiche Zeit für deutsche Schauspieler, so viel steht fest. Nehmen Sie zum Bespiel Stephen Daldrys Film "Der Vorleser": Da waren es ganze zehn deutsche Schauspieler, die sich gefreut haben, an diesem Set sein zu dürfen. Im Moment bin ich aber besonders gespannt auf den "Baader Meinhof Komplex", der im September startet. Ich habe wirklich große Erwartungen.


Interview geführt von Rico Pfirstinger / RICOPRESS



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