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"WATCHMEN" – Interview mit Kultregisseur Zack Snyder

Watchmen - Die Wächter Watchmen - Die Wächter Watchmen - Die Wächter Watchmen - Die Wächter Watchmen - Die Wächter
"Wir zeigen das Maximum an Gewalt und nackter Haut"In den Achtziger Jahren schrieb die zwölfteilige Comicserie "Watchmen" literarische Geschichte: die Abenteuer einer Gruppe maskierter Superhelden, die in der kritischsten Phase des Kalten Krieges für den Erhalt der Welt kämpfen, erhielt als einzige 'Graphic Novel' mit dem Hugo Award einen der renommiertesten Literaturpreise der Welt und wurde vom Wochenmagazin TIME in die Liste der 100 besten Romane aufgenommen. Lange galt die Fantasy-Geschichte als unverfilmbar, doch Kultregisseur Zack Snyder ("300", "Dawn of the Dead") ließ sich trotzdem nicht von seinem Vorhaben abbringen. Das Ergebnis ist ein visuelles Meisterwerk, das optisch alle bisherigen Comic-Verfilmungen verblassen lässt. Ein Gespräch mit dem 42-jährigen Filmemacher über die Inszenierung einer nicht verfilmbaren Geschichte, das Maximum an Brutalität und wieso sich Autor Alan Moore von dem Projekt distanzierte.

Spielfilm.de:
Mr. Snyder, wie nahm die "Watchmen"-Fangemeinde Ihren Entschluss auf, einen Blockbuster-Film aus der Comic-Serie zu machen?

Zack Snyder:
Es war dieses Mal nicht ganz so schlimm wie bei "Dawn of the Dead". Damals bekam ich von den Zombie-Fans sogar Morddrohungen, weil sie der Meinung waren, dass ich auf keinen Fall der richtige Regisseur für einen Zombie-Film wäre. Inzwischen hat sich ihre Einstellung natürlich geändert. Gleiches erhoffe ich mir von den "Watchmen"-Fans.

Spielfilm.de:
Auch das umjubelte Comic-Buch galt viele Jahre als unverfilmbar.

Zack Snyder:
Ich stand deshalb auch unter gewaltigem Druck und hatte Angst, dass ich versage. Fans diskutierten das Projekt im Internet mit heftigen Worten, aber mehr noch sorgte ich mich über meinen eigenen Qualitätsmaßstab, dem ich gerecht werden wollte.

Spielfilm.de:
Wie haben Sie das Unmögliche möglich gemacht?

Zack Snyder:
Indem ich versucht habe, wieder das Gefühl in mir hervorzurufen, das ich beim ersten Lesen des Comics empfand. Dieselbe Grundstimmung wollte ich für meinen Film: er sollte einzigartig, seltsam, verwirrend, verstörend, aber auch schön sein. Der Film sollte den Zuschauer genauso herausfordern, wie es das Buch mit seinen Lesern geschafft hatte.

Spielfilm.de:
Stimmt es, dass Sie insgesamt drei Versionen von "Watchmen" fertig geschnitten haben?

Zack Snyder:
Das ist korrekt.

Watchmen - Die Wächter
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Spielfilm.de:
Wieso dieser Aufwand?

Zack Snyder:
Weil die Kinoversion zwangsläufig Einschränkungen nach sich zog. Ein Film für die breite Masse darf eine bestimmte Länge und einen bestimmten Gewaltlevel nicht überschreiten. Da ich einen kommerziell erfolgreichen Film abliefern wollte, der mir und meinen Geldgebern auch das Geld zurückbringt, musste ich also eine Version drehen, die mehr als fünf Leute sehen dürfen.

Spielfilm.de:
Die anderen beiden Versionen sind wesentlich brutaler?

Zack Snyder:
Ja. Eine "Director's Cut"-Version wird im Juli in ausgewählten Kinos gezeigt werden. Sie ist über drei Stunden lang und beinhaltet all das Material, was ich in der normalen Version einfach nicht zeigen konnte.

Spielfilm.de:
Die Kinoversion des Films ist bereits extrem brutal und freizügig. Wie groß war der Kampf mit dem Studio, was gezeigt werden darf?

Zack Snyder:
Es gab verschiedene Auseinandersetzung, in denen wir auf einen gemeinsamen Nenner kommen mussten. Beim Thema Rauchen etwa zogen wir den Kürzeren: obwohl es eines der Grundcharakteristika der Geschichte ist, dass viel geraucht wird, durften wir wegen eines ausdrücklichen Verbot des Warner Brothers-Chefs in den meisten Fällen keine Zigaretten zeigen. Er ist ein extremer Rauchgegner und stellte sich völlig quer.

Watchmen - Die Wächter
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Spielfilm.de:
Trotz dieser strikten Vorgaben war es Ihnen erlaubt, den übergroßen Penis eines Superhelden mehrfach unverhüllt auf der Leinwand zu zeigen?

Zack Snyder:
Ich erinnere mich noch gut, als das Studio uns zum ersten Mal fragte, wie wir Dr. Manhattans Genitalien in Szene setzen wollen. Wir antworteten nur: sie werden blau eingefärbt. Sie waren sprachlos und diskutierten das Thema solange nicht mit uns, bis wir ihnen unseren finalen Schnittentwurf präsentierten. Danach baten sie uns nochmals, seine Genitalien zu verhüllen, aber wir konnten erklären, dass dieser Eingriff gegen die Logik unserer Geschichte verstoßen würde. Wir kamen ihnen dann etwas entgegen, indem wir den Penis da entfernt haben, wo er nicht zwangsläufig im Bild sein musste.

Spielfilm.de:
Es war Ihnen also wichtig, den erwachsenen Stil des Comics auch auf die Leinwand zu übertragen?

Zack Snyder:
Es war meine größte Sorge, dass mir gewisse Dinge nicht erlaubt werden würden. Immerhin ist das Studio zu Recht daran interessiert, einen finanziell erfolgreichen Film in die Kinos zu bringen. Sie wollen Geld machen und kein Kunstprojekt finanzieren. Wir konnten uns aber insgesamt gut einigen.

Spielfilm.de:
Wie viel Gewalt und nackte Haut sind heutzutage bei großen Blockbustern erlaubt?

Zack Snyder:
Schauen Sie sich unseren Film an. Wir zeigen das Maximum.

Watchmen - Die Wächter
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Spielfilm.de:
Sie vertrauen bei der Verfilmung auf wenig prominente Schauspieler, die dafür perfekt zu Ihren Rollen passen. Gab es trotzdem die Überlegung, Superstars für diese teure Verfilmung anzuheuern?

Zack Snyder:
In einem frühen Stadium sprach ich einmal mit Tom Cruise, aber da war er zu beschäftigt mit "Walküre". Hätte ich mich mit ihm geeinigt, wäre auch das Casting der restlichen Schauspieler komplett anders ausgefallen. Ich bin aber sehr froh, nun eine wesentlich unprominentere Besetzung gefunden zu haben.

Spielfilm.de:
Warum hat der Autor Alan Moore sich von der Verfilmung distanziert?

Zack Snyder:
Als ich zu dem Projekt stieß, war seine Entscheidung bereits gefallen. Grund war wohl eine frühere Auseinandersetzung mit einem der Produzenten, woraufhin er ausdrücklich darum bat, seinen Namen nicht zu verwenden und ihn keinen Fall zu kontaktieren. Ich musste dies respektieren.

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Spielfilm.de:
Ihre Produktionsfirma heißt "Cruel and Unusual Films". Eine romantische Komödie dürfen wir also auch in Zukunft nicht von Ihnen erwarten?

Zack Snyder:
Davon können Sie mit Sicherheit ausgehen.


Interview geführt am 04.03.2009 von Johannes Bonke München



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