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"Wickie und die starken Männer": Gespräch mit Michael 'Bully' Herbig

Ramon Martinez Congaz Michael Bully Herbig hat einen Blick für schöne Frauen Ankie Beilke 2009 Constantin Film Verleih GmbHGünther Kaufmann Der Schreckliche Sven Ankie Beilke Lee Fu und Regisseur Michael Bully Herbig mit den Kindern aus Flake - Premiere: Wickie und die starken Männer 2009 Constantin Film Verleih GmbHAnkie Beilke Mitte - Premiere: Wickie und die starken Männer 2009 Constantin Film Verleih GmbHHorst Kummet mit Ehefrau Eva - Premiere: Wickie und die starken Männer 2009 Constantin Film Verleih GmbHJens Lehmann mit Ehefrau Conny - Premiere: Wickie und die starken Männer 2009 Constantin Film Verleih GmbH
"Ich habe mich von der Parodie entfernt und langsam in Richtung Abenteuerkomödie gemogelt"Nachdem Michael 'Bully' Herbig mit "Schuh des Manitu" und "(T)Raumschiff Surprise" das deutsche Blockbuster-Genre wiederbelebte, wagt sich der 41-Jährige erneut mit einem vielversprechenden Konzept in den Kinoherbst: "Wickie und die starken Männer" heißt die Abenteuerkomödie, in der er nicht auf bekannte Komödien-Gesichter setzt, sondern mit neuen Casting-Talenten in See sticht. Ein Gespräch über die angeblich ernstzunehmende Zeichentrickadaption, nie endenden Perfektionismus und seine ganz persönliche Wunschliste.

Spielfilm.de:
Herr Herbig. Gratulation zu Ihrer witzigen Abenteuerkomödie. Um die wichtigste Frage vorab zu klären: welche Rolle spielen Sie?

Michael Bully Herbig:
Congaz vom königlich-spanischen Depeschendienst. Con Gaz heißt übrigens übersetzt: mit Sprudel.

Spielfilm.de:
Sie haben – mal absehen von Ihrer eigenen Person - bei diesem Film einmal nicht auf bekannte Gesichter gesetzt, sondern in einer Castingshow auf Pro 7 neue Talente gesucht. Wie viele der Neuentdeckungen sind nun tatsächlich im Film zu sehen?

Bully:
Wir haben sechs starke Männer gesucht und mit Kandidaten aus der Castingshow besetzt. Vier davon waren bereits professionelle Schauspieler, zwei waren so genannte Laiendarsteller.

Spielfilm.de:
Warum haben Sie sich für diese Methode entschieden und nicht wieder auf altbekannte Talente vertraut?

Bully:
Ich wollte dieses Mal einfach nicht die üblichen Verdächtigen besetzten – wobei das keineswegs negativ gemeint ist. Man hätte diesen Film natürlich auch mit ganz phantastischen, bekannten Gesichtern umsetzen können. Aber ich hatte ein wenig Angst davor, dass man den Film dann vielleicht wieder als Parodie versteht – was er aber auf keinen Fall sein sollte. Mir war es daher sehr wichtig, dass die sechs starken Männer möglichst nahe an die originalen Figuren der Zeichentrickserie herankommen.

Ramon Martinez Congaz Michael Bully Herbig hat einen Blick für schöne Frauen Ankie Beilke 2009 Constantin Film Verleih GmbH
Ramon Martinez Congaz (Michael Bully Herbig) hat einen Blick für schöne Frauen (Ankie Beilke).
© 2009 Constantin Film Verleih GmbH
Spielfilm.de:
Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Bully:
Indem ich mir die komplette Staffel der Serie auf DVD angesehen habe. Das Format ist bereits über 35 Jahre alt, deshalb war ich auch sehr erstaunt darüber, wie genau ich jede einzelne Folge noch im Kopf hatte. Sie hat nichts von ihrem Charme verloren, was wohl der Grund dafür ist, dass sie auch heute noch ständig im Fernsehen gespielt wird.

Spielfilm.de:
Was macht die Faszination dieser alten Serie aus?

Bully:
Sie müssen nur an die Zeit zurückdenken: 1974 gab es noch keine Privatsender, sondern bloß zwei bis drei staatliche Sender. Bis 17 Uhr gab es oft nur ein Testbild..Einmal pro Woche lief "Wickie und die starken Männer", es war ein absoluter Erfolg. Die Serie hat sich schlichtweg in den Hirnen meiner Generation eingebrannt. Es war eine Verabredung wie ein Zahnarzttermin: Wickie war Pflicht!

Regisseur Michael Bully Herbig mit Wickie-Darsteller Jonas Hämmerle und Mercedes Jadea Diaz Ylvi 2009 Constantin Film Verleih GmbH
Regisseur Michael Bully Herbig mit Wickie-Darsteller Jonas Hämmerle und Mercedes Jadea Diaz (Ylvi)
© 2009 Constantin Film Verleih GmbH
Spielfilm.de:
Die Hauptrolle besetzten Sie mit Jonas Hämmerle. Warum fiel Ihre Wahl ausgerechnet auf diesen smarten Neunjährigen?

Bully:
Er kam ausgesprochen gut vorbereitet zu dem Casting. Meine letzte Frage lautete: wie heißt der lustigsten Film, den du je gesehen hast? Und Jonas antwortete, wie aus der Pistole geschossen: "Der Schuh des Manitu". Die Antwort war korrekt - und deswegen bekam er dann auch die Rolle.

Spielfilm.de:
Das war wirklich alles? So leicht kommt man an eine Rolle in Ihrem Film?

Bully:
Nein natürlich nicht. Ich habe mich mit allen Kindern im Vorfeld unterhalten, um erst einmal genau festzustellen, ob sie auch freiwillig da waren und nicht weil sie von ihren Eltern dazu gezwungen wurden. Dabei musste ich zu meinem Erstaunen feststellen, dass mich viele gar nicht kannten.

Spielfilm.de:
Ein paar bekannte Gesichter wie zum Beispiel Jürgen Vogel tauchen in dem Film dann doch noch auf. Warum wurde gerade ihm diese Ehre zuteil?

Bully:
Jürgen Vogel zu besetzen war eigentlich fast schon Pflicht, da er bei der Castingshow in der Jury saß. Ich habe ihm gleich nach dem Finale angekündigt: 'aus der Nummer kommt du so schnell nicht mehr heraus.' Die Leute erwarten einfach, dass er irgendwo im Film auftaucht.

Ramon Martinez Congaz Michael Bully Herbig 2009 Constantin Film Verleih GmbH
Ramon Martinez Congaz (Michael Bully Herbig)
© 2009 Constantin Film Verleih GmbH
Spielfilm.de:
Haben Sie schon einmal daran gedacht, einen etwas ernsteren Film zu drehen, ohne die ständigen Späße?

Bully:
Also ich finde diesen Film eigentlich schon sehr ernst. (lacht) Es ist meiner Ansicht nach bereits ein sehr smarter, latenter Genrewechsel: ich habe mich von der Parodie entfernt und langsam in Richtung Abenteuerkomödie gemogelt. Ich wollte dabei den Ideen der Zeichentrickserie treu bleiben und sie nicht wie in "Der Schuh des Manitu" oder "(T)Raumschiff Surprise" verulken. Natürlich muss es auch immer etwas zu lachen geben, aber gleichzeitig soll es ein großes Abenteuer sein, das sowohl den jungen Fans gefällt, als auch den Zuschauern meiner Generation, die mit Wickie aufgewachsen ist.

Spielfilm.de:
Man sagt Sie seien ein ziemlicher Perfektionist, der selten mit seinem Produkt zufrieden ist. Wie glücklich sind Sie mit diesem Film?

Bully:
Wenn man einen Film plant, hat man eine Vision im Kopf, die man im Laufe der Dreharbeiten zu verwirklichen versucht. Ich glaube aber, dass man mit dem Endergebnis niemals 100% zufrieden ist. Ein kluger Regisseur hat es einmal sehr treffend formuliert: Filme werden nicht fertig, sie fliehen – weil der Kinostart da ist und er auf die Leinwand muss. Ohne diese Deadline könnte man ewig weiter daran herumbasteln. Ähnlich verhält es sich auch mit meinen Filmen.

Spielfilm.de:
Sie haben Wickie nicht nur zum Leben erweckt, sondern ihn auch in ein Überraschungsei gesteckt – neben 8 weiteren Figuren zum Sammeln. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Bully:
Es stand auf meiner ganz privaten Wunschliste: ich wollte einmal einen Bravo-Star-Schnitt von mir in Händen halten – das ist mir gelungen. Dann dachte ich mir: eigentlich wäre so ein Bambi doch ganz hübsch. Heute steht so eine Auszeichnung bei mir zu Hause. Irgendwann habe ich mir dann gesagt: was dir für die Sammlung eindeutig noch fehlt, ist deine eigene Überraschungsei-Figur. Nach mehreren gescheiterten Versuchen hat es endlich geklappt. Jetzt kann ich endlich sagen: ich war einmal eine Ü-Ei-Figur.

WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER - Plakat Constantin Film
WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER - Plakat
© Constantin Film
Spielfilm.de:
Sie haben es sich auch nicht nehmen lassen, selbst ein Liedchen für den Soundtrack einzusingen. Wie kam es zu diesem hitverdächtigen Duett?

Bully:
Ich habe den Musiker Sasha gefragt, ob er nicht einen fetzigen Rock'n'Roll-Song beisteuern will. Allerdings war seine Bedingung war, dass wir beide das Lied als Duett einsingen. Ich habe ihm daraufhin ehrlich gesagt: 'ich singe zwar gern laut unter der Dusche, aber ob das für einen Abspanntitel reicht, weiß ich nicht genau.' Er ließ trotzdem nicht locker, also haben wir die Nummer schließlich zusammen aufgenommen.

Spielfilm.de:
Der letzte Satz des Films lautet: "Aaber das ist eine andere Geschichte". Haben Sie etwa Pläne für einen zweiten Teil?

Bully:
Ich mache ganz gerne solche Anspielungen, auch ohne sichere Fortsetzungsabsichten. Schon bei "(T)Raumschiff Surprise" habe ich mir mit dem Beinamen "Periode 1" alles offen gehalten. Es gibt 78 Folgen von Wickie, da ist also noch eine ganze Menge herauszuholen, aber konkrete Pläne gibt es nicht. Ich wollte den Zuschauer eigentlich nur mit dem Gefühl entlassen, dass Wickie jetzt Teil der Mannschaft ist und noch viele weitere Abenteuer zu bestehen hat.


Interview geführt von Rosa Zakravsky in Berlin





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