"The Last Giants": Daniele Grieco
Interview mit Daniele Grieco: Regisseur von "The Last Giants"
"Es ist zu spät ein Pessimist zu sein!"Stirbt das Meer, sterben auch wir! Diese oft dahergesagte Floskel, könnte sich bald als richtiger erweisen, als uns lieb ist: Schon heute werden in der Meerenge von Gibraltar keine "Roten Thunfische" mehr gefangen, deren Gewicht 300 Kg übersteigt. Früher hingegen, gab es Exemplare, die doppelt so schwer wurden. Ein Grund für diese Überfischung ist der immens hohe Preis, den "Roter Thunfisch" bester Qualität in Japan erzielt: bis zu 50 Euro pro Kilo und mehr sind möglich. Dort wo sich Mittelmeer und Atlantik vereinen, gibt es aber noch ganz andere Meeresriesen zu bestaunen: Zwischen dem afrikanischem und europäischen Kontinent tummeln sich an dieser Meerenge allerlei Walarten: Vom Delphin bis zum Potwal ist alles vertreten; eine Tatsache, die kaum bekannt ist. Aber diese schmale Passage ist auch eines, der am stärksten befahrenen Gewässer. Jeden Tag rauschen über 300 gigantische Containerschiffe, mit einem Gewicht von bis zu 150.000 Tonnen, hindurch. Dagegen wirkt selbst ein Potwal wie eine Makrele. Und fast täglich kommt es zu Kollisionen – meist mit verheerenden Folgen für die Tiere.
Der Filmemacher
Daniele Grieco hat seinen aktuellen Dokumentarfilm "
The Last Giants" genau dieser Problematik und der Tierschützerin Katharina Heyer gewidmet, die sich seit vielen Jahren für den Schutz der Wale Gibraltars einsetzt. Spielfilm.de hatte kürzlich die Gelegenheit, dem Regisseur ein paar Fragen zum Film zu stellen.
Spielfilm.de: Was ging der Idee zu "The Last Giants" voraus?
Daniele Grieco: Meine Leidenschaft für Naturfilme im Allgemeinen (schon mit fünf Jahren wollte ich Naturfilmer werden) und die Meeresdokumentationen eine Jacques Cousteau im Besonderen. Natürlich aber auch die Tatsache, dass es kaum bekannt ist, dass in der Meerenge von Gibraltar soviel Walarten leben. Ich selber habe das vorher auch nicht gewusst.
Spielfilm.de: Kannten Sie Katharina Heyer und ihre Arbeit vorher?
Grieco: Nein, eigentlich war ich dort, um Urlaub zu machen – um zu Surfen. Dann sah ich, dass Whalewatching-Touren angeboten wurden. Auf solch einer habe ich dann Katharina Heyer kennen gelernt. Sie erzählt begeistert von ihrer Arbeit und der Absicht ein Walhospital an der marokkanischen Küste aufzubauen. Das hat mich derart fasziniert, dass es sofort klar war, dass ich einen Film darüber machen will.
Spielfilm.de: Die Meerenge von Gibraltar wirkt wie ein Vergrößerungsglas. Glauben Sie, dass deshalb dieser Ort besonders als exemplarisches Lehrbeispiel angesehen werden kann?
Grieco: Ja, auf jeden Fall! Dort lebt auf engsten Raum eine Vielzahl von Walarten und gleichzeitig gibt es eine enorme Bedrohungsvielfalt. Hinzu kommt die Ignoranz lokaler Behörden, Umweltverschmutzung und unnötig hohes Schiffsaufkommen (nur weil heutzutage jeder, zu jeder Zeit, im Supermarkt alles kaufen können will). Mann muss bedenken, dass im Prinzip alle Waren von Asien nach Europa und umgekehrt, diesen Schiffsweg nehmen müssen.

Regisseur Daniele Grieco - "The Last Giants - Wenn das Meer stirbt"
© PROGRESS Film-Verleih/ Foto: Barbara Löblein
Spielfilm.de: Ein Vielzahl von Interessengruppen ringt dort um ein Stück vom Kuchen: Tourismuswirtschaft, Handelsschifffahrt, Fischerei. Alle handeln aus unterschiedlichen Motiven, wie kann man dennoch auf alle gleichermaßen einwirken?
Grieco: Ich glaube gar nicht, dass es der Tourismus, die Fischerei oder selbst die Handelsschifffahrt an sich ist; das sind alles bloß Nachfragebediener. Wenn jeder von uns darauf verzichten würde, Produkte zu konsumieren, die quer über den halben Globus verschifft werden müssen, könnte sich schon etwas verändern.
Spielfilm.de: Und wie genau lautet DER EINE Appell?
Grieco: Gebt Acht was ihr konsumiert. Macht euch sorgfältig darüber Gedanken, ob es mitten im Winter unbedingt die Kiwi aus Fernost sein muss.

Filmplakat - "The Last Giants - Wenn das Meer stirbt"
© PROGRESS Film-Verleih
Spielfilm.de: Für wie realistisch erachten Sie persönlich den Ansatz von Katharina Heyer mit ihrem Walhospital? Wie viel kann damit wirklich bewirkt werden? Und wie soll ein schwerverletztes tonnenschweres Tier überhaupt medizinisch behandelt werden können?
Grieco: Natürlich kann man keinen 25 Tonnen Wal in ein Hospital schleppen und gesund pflegen. Bei kleineren Tieren wie Delphinen und Grindwalen ist aber einiges möglich. Vor allem geht es aber um die Symbolkraft des Projektes. Es ist wichtig Signale zu setzen und eine starke Informationspolitik zu betreiben, damit diese Probleme wahrgenommen werden.
Spielfilm.de: Glauben Sie denn, dass es noch eine echte Chance gibt, etwas zu bewirken?
Grieco: Ich bin prinzipiell ein Optimist – oder um einen Kollegen zu zitieren: „Es ist zu spät ein Pessimist zu sein!“ Ein weniger an unbedarftem Konsum in den westlichen Ländern, würde automatisch den Schiffsverkehr dort reduzieren und das Leben für die Tiere deutlich sicherer machen. Es ist also an uns.
Interview geführt von Dimitrios Athanassiou