"2012": Gespräch mit John Cusack
"Macht mich das jetzt zu einem Softie?"Bislang galt John Cusack als Idealbesetzung für leise Rollen in Filmen mit Herz. In Roland Emmerich's neuem Endzeit-Spektakel "2012" kämpft er nun ums blanke Überleben. 'Auch privat stehe ich auf Abenteuer', bekennt der 43-Jährige bei unserem Interview in Berlin – und nippt dabei an einer Tasse Kräutertee. Was stimmt denn nun wirklich? Ein Gespräch mit dem Charakterschauspieler über sein zurückgezogenes Leben in Chicago, die Arbeit mit Roland Emmerich und die Möglichkeit einer herannahenden Apokalypse.
Spielfilm.de: Herr Cusack, Sie wohnen doch in Los Angeles...
John Cusack: ... und Chicago.
Spielfilm.de: In Ihrem neuen Film "2012" beginnt der Untergang der Welt mit der Überflutung des Santa Monica Piers. Hand aufs Herz: wird Ihnen bei dieser Vorstellung nicht Angst und Bange?
John Cusack: Also mich erschrecken diese Bilder jetzt nicht besonders, aber es gibt bestimmte Leute, die geraten dabei in Panik.
Spielfilm.de: Haben Sie selbst schon Erdbeben oder andere Naturkatastrophen erlebt?
John Cusack: Ein paar kleine Beben habe ich schon mitbekommen, aber die wirklich großen sind mir glücklicherweise immer erspart geblieben. Zu der Zeit war ich nämlich meistens im ruhigeren Chicago.
Spielfilm.de: Glauben Sie denn an Prophezeiungen, die eine Apokalypse voraussagen?
John Cusack: Ich bin mir da aber nicht so sicher. Ich sehe nur, dass wir uns in die falsche Richtung bewegen und die globale Erwärmung ein Alarmzeichen dafür ist. Wenn die Erde also untergehen sollte, bin ich überzeugt, dass der Mensch selbst daran schuld ist.
Spielfilm.de: Inwieweit setzen Sie sich für den Schutz unserer Umwelt ein?
John Cusack: Ich fahre in Chicago beispielsweise ein elektrisch betriebenes Motorrad. Mein Auto in L.A. werde ich auch noch umstellen, ganz bestimmt. Außerdem versuche ich Energie zu sparen und auch zu Hause umweltfreundlicher zu leben.

John Cusack, Roland Emmerich und Chiwetel Ejiofor - Fotocall zum Film "2012" im Hotel de Rome 28.09.2009 Berlin
© 2009 Sony Pictures Releasing GmbH
Spielfilm.de: "2012" ist nicht gerade die Art von Film, in der man Sie vermutet. Wieso haben Sie trotzdem zugesagt?
John Cusack: Weil es sich um eine seltene Kombination aus bombastischem Epos und kommerziellem Eventkino handelt. Das fand ich spannend und sinnvoll. Außerdem genießt Emmerich unter Schauspielern einen sehr guten Ruf.
Spielfilm.de: Zu Recht?
John Cusack: Er ist ein wahrer Gentleman, sehr talentiert. Er hat immer Zeit für dich, hört dir zu, ist ein Menschenfreund. Kollegen wie Mel Gibson haben nichts als Lob für ihn übrig. Gerade bei einem Film dieser Größenordnung kann man an Regisseure geraten, die ständig herumschreien, Angst und Hektik verbreiten und jede Menge Druck machen. Aber Roland hat sich trotz seines Erfolgs und seiner technischen Fertigkeit als Filmemacher immer unter Kontrolle – und das spornt einen selbst dazu an, gute Leistung zu bringen.
Spielfilm.de: Einen Film nur wegen des Geldes zu drehen – das käme für Sie nie in Frage?
John Cusack: Der Schein trügt. (lacht) Ich bin sogar sehr froh, dass ich einige Filme nur wegen des Geldes gemacht habe. Sie haben mir die Freiheit gegeben, danach wieder Arthouse-Filme drehen zu können. Außerdem gibt dir keine Bank der Welt einen Kredit, wenn sie keine anständigen Gehaltschecks zu sehen bekommen – das ist ganz simple Mathematik.
Spielfilm.de: In "2012" spielen Sie, wie schon in "Mein Kind vom Mars" und "Grace is Gone", einen Familienvater. Woher kommt Ihre Faszination für Vaterrollen?
John Cusack: Das ist reiner Zufall. Die Projekte haben mich interessiert, also habe ich sie gemacht. Aber ich suche nicht bewusst danach.
Spielfilm.de: Können Sie denn gut mit Kindern?
John Cusack: Das kommt ganz auf die Kinder an! (lacht) Generell mag ich es, weil sie oft gute Schauspielleistungen bringen und man gleichzeitig noch viel Spaß hat.

John Cusack - Fotocall zum Film "2012" im Hotel de Rome 28.09.2009 Berlin
© 2009 Sony Pictures Releasing GmbH
Spielfilm.de: Ist Chicago für Sie der perfekte Zufluchtsort, um der Hektik und dem Medienrummel in Los Angeles aus dem Weg zu gehen?
John Cusack: Auf jeden Fall. Es ist meine Heimatstadt, außerdem laufen dort zum Glück nicht so viele Paparazzi durch die Gegend. In Los Angeles folgen einem diese Nervensägen auf Schritt und Tritt.
Spielfilm.de: Wie verkraften Sie diesen Rummel um Ihre Person?
John Cusack: Indem ich ihm so gut es geht aus dem Weg gehe. Ich lese keine Klatschmagazine, vermeide Skandale und trete nur dann in Erscheinung, wenn ich einen Film promoten muss.
Spielfilm.de: Was war der größte Unsinn, der Ihnen in letzter Zeit über Ihre Person zu Ohren gekommen ist?
John Cusack: Neulich wurde mir während einer Pressekonferenz in Italien erzählt, dass ich ein Verhältnis mit Schauspielkollegin Amanda Peet hätte. Daraufhin habe ich natürlich sofort Amanda und ihren netten Ehemann angerufen und gefragt: wisst ihr beide schon das Neueste?
Spielfilm.de: Die Situation zwischen Stars und Presse scheint angespannter denn je zu sein.
John Cusack: Das können Sie laut sagen. Wenn ich heute einmal auswärts essen gehe, werde ich gleich von einem Haufen Fotografen verfolgt, die mir ihre Kamera direkt ins Gesicht strecken und mich mit ihren Blitzlichtern fast blind machen. Es ist ein krankes, bizarres Phänomen. Ich weiß wirklich nicht, warum man dieses Treiben nicht als Verletzung der Privatsphäre einstuft.
Spielfilm.de: Ruhm und Scheinwerferlicht waren also für Sie nicht der Grund, ins Schauspielmetier einzusteigen?
John Cusack: Absolut nicht. Als ich ein kleiner Junge war, hießen mein Idole Paul Newman, Dustin Hoffman, Al Pacino oder Gene Hackman. Ich wusste niemals, mit wem die gerade ausgingen oder was sie gerne zum Frühstück aßen. Ich sah sie mir bloß gerne im Kino an und wollte wissen, um was es in ihren nächsten Filmen ging. Aber mir wäre nicht im Traum eingefallen, auf ihrem Rasen zu campen und ihre Häuser auszuspionieren.
Spielfilm.de: Camping und Spionage fällt also aus: was machen Sie sonst am liebsten, wenn Sie einmal einen Tag Freizeit haben?
John Cusack: Das kommt ganz darauf an, wo ich gerade bin. In Chicago gehe ich ganz gerne einmal schwimmen oder trainieren. Früher habe ich auch gerne einmal eine Runde mit dem Motorrad gedreht. Aber das habe ich weitgehend aufgegeben, weil es mir zu riskant geworden ist. Ich sagte damals zu mir: du bist jetzt in deinen 30ern und hattest nie einen Unfall. Daher solltest du damit aufhören, dein Glück nicht auf die Probe stellen und ins Auto umsteigen – das ist sicherer.

Thandie Newton und John Cusack präsentieren sich den Fans bei der Weltpremiere zu 2012 in Los Angeles
© 2009 Sony Pictures Releasing GmbH
Spielfilm.de: Sind Sie insgesamt vorsichtiger geworden, oder holen Sie sich Ihre Adrenalinkicks jetzt woanders?
John Cusack: Ich liebe das Abenteuer. Neuerdings gehe ich ganz gerne Boxen.
Spielfilm.de: Schmerz macht Ihnen nichts aus?
John Cusack: Na, der Sinn besteht ja darin, sich nicht schlagen zu lassen. Manchmal erwischt es einen natürlich trotzdem. Dann ist es auch OK.
Spielfilm.de: Angenommen, die Erde würde wirklich untergehen und Sie könnten - wie im Film - mit einem Raumschiff entkommen: was würden Sie auf die Reise mitnehmen?
John Cusack: Jede Menge gute Musik.
Spielfilm.de: In Ihrem Film "High Fidelity" sind Sie ein regelrechter Musik Freak und teilen Ihr gesamtes Leben in Hitparaden ein. Was sind Ihre Top 5?
John Cusack: Ich bin im wahren Leben kein Listen-Typ. Ich weiß nie, wer gerade bei mir am ersten Platz steht, es kommt immer auf meine Stimmung an. Dabei ist mir jede Art von Musik recht.
Spielfilm.de: Wer liegt Ihnen mehr: Beatles oder Rolling Stones?
John Cusack: Vermutlich die Beatles. Aber was heißt das nun genau? Macht mich das jetzt wieder zu einem Softie? (lacht)
Interview geführt am 16.11.2009 von Rosa Zakravsky in Berlin