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"Sherlock Holmes": Gespräch mit Robert Downey Jr.

Robert Downey Jr - Pressekonferenz Sherlock Holmes Berlin 12012010 Hotel Adlon Kempinski 2010 Warner Bros EntROBERT DOWNEY JR in Sherlock Holmes 2009 Warner Bros EntDeutschlandpremiere des Films Sherlock Holmes am 12012010 im Cinestar Berlin - DAN LIN LIONEL WIGRAM GUY RITCHIE ROBERT DOWNEY JR JOEL SILVER RACHEL McADAMS SUSAN DOWNEY und MARK STRONG 2010 Warner Bros Entvlnr Joel Silver Rachel McAdams Robert Downey Jr Mark Strong und Guy Ritchie - Pressekonferenz Sherlock Holmes Berlin 12012010 Hotel Adlon Kempinski 2010 Warner Bros EntRachel McAdams und Robert Downey Jr Pressekonferenz Sherlock Holmes Berlin 12012010 Hotel Adlon Kempinski 2010 Warner Bros Ent
"Wie würden Sie sich an meiner Stelle fühlen?"Robert Downey Jr. hatte eine Frau, ein Leben und eine steile Karriere – bis nach Drogenexzessen und Depressionen alles zerbrach. Nun ist er wieder ganz oben angelangt: "Mir ging es nie besser", sagt der frisch gekürte Golden Globe-Gewinner anlässlich seiner Berlin Premiere von "Sherlock Holmes" – und nach einem Blick in seine lodernden Augen will man ihm das gerne glauben. Ein Gespräch mit dem 44-Jährigen über die Zeit nach dem tiefen Fall, seinen Weg nach ganz oben – und die vermeintlich homosexuellen Neigungen eines weltberühmten Detektivs.

Spielfilm.de:
Mr. Downey, was macht Sherlock Holmes zum ultimativen Superhelden des 19. Jahrhunderts?

Robert Downey Jr.:
Das Faszinierende an ihm ist seine unvorstellbare Intelligenz. Sie macht auch den Erfolg der Bücher aus.

Spielfilm.de:
Wodurch unterscheidet er sich von anderen Kriminalisten?

Downey Jr.:
Er verwendet all seine Energie darauf, das herauszufinden, was andere übersehen. Seine ganze Arbeit wird zu hundert Prozent von einer akribischen Detailsuche bestimmt.

Spielfilm.de:
Im Film kommt als markantes Merkmal noch ein gestählter Oberkörper dazu. Wie haben Sie sich dermaßen gut in Form gebracht?

Downey Jr.:
Ehrlich gesagt habe ich mich gar nicht mehr in Form bringen müssen, weil ich direkt von den Dreharbeiten zu "Iron Man" kam. Ich habe also noch ein bisschen weitertrainiert und mir anschließend in Japan einen Parasiten eingefangen, der den Rest für mich erledigt hat.

Robert Downey Jr - Pressekonferenz Sherlock Holmes Berlin 12012010 Hotel Adlon Kempinski 2010 Warner Bros Ent
Robert Downey Jr. - Pressekonferenz "Sherlock Holmes" , Berlin 12.01.2010 Hotel Adlon Kempinski
© 2010 Warner Bros. Ent.
Spielfilm.de:
Nach Drogenexzessen schien Ihre Karriere beendet. Nun gehören Sie wieder zu Hollywoods erster Liga. Wie fühlen Sie sich beim Gedanken daran?

Downey Jr.:
Wie Phoenix aus der Asche (lacht)! Ich war in meiner gesamten bisherigen Karriere noch nie so glücklich wie heute. Und noch nie hat mir die Zusammenarbeit mit Kollegen mehr Spaß gemacht.

Spielfilm.de:
"Sherlock Holmes" wurde bereits mehrmals verfilmt. Was mögen Sie denn besonders an der Neuinterpretation von Guy Ritchie?

Downey Jr.:
Die Art und Weise, wie sich Doyles Charaktere in seinen Erzählungen selbst und gegenseitig beschreiben, war meine wichtigste und interessanteste Bezugsquelle. Ein Teil dessen ist bestimmt schon in anderen, früheren Produktionen aufgetaucht. Doch zu meiner Freude habe ich festgestellt, dass andere Aspekte dagegen noch gar nicht aufgezeigt wurden. Genau dieses unerforschte Material war interessant für uns.

Spielfilm.de:
Hat die Rolle Sie nachhaltig geprägt oder inspiriert?

Downey Jr.:
Als Schauspieler versucht man ja eigentlich immer, sich mit der Figur zu identifizieren. Auf einer bestimmten Ebene habe ich das mit Sherlock Holmes bestimmt auch getan. Aber wenn Sie meine geliebte Frau danach fragen, wie es zum Beispiel um meine Auffassungsgabe von Details steht, dann wird sie Ihnen dasselbe sagen wie ich: auf diesem Gebiet bin ich leicht zurückgeblieben. Technisch gesehen weiß ich zwar, wie man so einen hochintelligenten Menschen spielt, aber in Wirklichkeit bin ich ganz anders als dieser Typ.

ROBERT DOWNEY JR in Sherlock Holmes 2009 Warner Bros Ent
ROBERT DOWNEY JR in "Sherlock Holmes"
© 2009 Warner Bros. Ent.
Spielfilm.de:
Das Feuilleton witzelt über die homosexuelle Spannung, die in Ihrem Film deutlich zwischen Holmes uns seinem Partner Watson spürbar ist. Wie bitte kam es zu dieser Auslegung der Geschichte?

Downey Jr.:
Stimmt! Alle Intellektuellen stürzen gerade sich auf diesen Teil der Geschichte und fachsimpeln: sicherlich hatten die beiden Sex, oder zumindest das unbändige Verlangen danach. Ich kann dazu nichts Genaues sagen. Ich weiß nur, dass uns Guy Ritchie am Set nicht nur einmal dazu anhalten musste, ihm dringend einen einzigen heterosexuellen Take abzuliefern, den er dann auch verwenden konnte.

Spielfilm.de:
Wie ist das zu verstehen?

Downey Jr.:
Wir hatten einfach einen riesigen Spaß bei der Arbeit. Sogar mit Mark Strong, der den Bösewicht und meinen Feind spielt, habe ich mich pausenlos kaputt gelacht. Er hatte diese pompöse Lederjacke an und ich habe mich sofort beschwert, warum ich nicht auch so ein scharfes Teil in meiner Garderobe habe.

ROBERT DOWNEY JR und RACHEL McADAMS in Sherlock Holmes 2009 Warner Bros Ent
ROBERT DOWNEY JR und RACHEL McADAMS in "Sherlock Holmes"
© 2009 Warner Bros. Ent.
Spielfilm.de:
Sie sind derzeit an zwei riesigen Franchise-Projekten beteiligt: "Iron Man 2" ist bereits abgedreht, weitere "Sherlock Holmes"-Filme sind nicht ausgeschlossen. Stockt Ihnen beim Gedanken daran manchmal der Atem?

Downey Jr.:
Wie würden Sie sich denn an meiner Stelle fühlen? Das einzige, was mich im Moment etwas bedrückt, ist die Tatsache, dass Sie keinen Blick auf meine fantastischen lila Sportschuhe werfen können. Aber mal im Ernst: es läuft großartig. Meinem Ego schmeichelt der Erfolg natürlich, aber auf der anderen Seite wächst damit auch die Verantwortung. Das heißt, dass man beim nächsten Mal noch härter arbeiten und seinen Kopf noch mehr anstrengen muss.

Spielfilm.de:
Ohne Zweifel lässt das Ende von "Sherlock Holmes" auf einen zweiten Teil schließen. Worauf werden Sie bei einer möglichen Fortsetzung besonders achten?

Downey Jr.:
Bei Fortsetzungen geht es mir vor allem um den Erhalt der Qualität. Das ist man dem Publikum, das den Film zum Erfolg gemacht hat, ja auch irgendwie schuldig. Man sieht sich einen Film an und schätzt ihn wegen seiner interessanten Charaktere – egal ob sie nach einer Literaturvorlage entstanden sind oder nicht. Unsere Pflicht in Hinblick auf den zweiten Teil besteht also darin, genau diesem Interesse Folge zu leisten.


Interview geführt von Rosa Zakravsky in Berlin





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