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"Sherlock Holmes": Gespräch mit Regisseur Guy Ritchie

Deutschlandpremiere des Films Sherlock Holmes am 12012010 im Cinestar Berlin - GUY RITCHIE 2010 Warner Bros EntGuy Ritchie bei den Dreharbeiten zu Sherlock Holmes 2009 Warner Bros EntRegisseur Guy Ritchie in der Mitte Jude Law und Robert Downey JR in Sherlock Holmes 2009 Warner Bros EntROBERT DOWNEY JR GUY RITCHIE JUDE LAW in Sherlock Holmes 2009 Warner Bros EntDeutschlandpremiere des Films Sherlock Holmes am 12012010 im Cinestar Berlin - JANUARY JONES 2010 Warner Bros Ent
"Eindeutig die heterosexuellste Version des Films"Mit dem Überraschungshit "Snatch - Schweine und Diamanten" schaffte es der britische Regisseur Guy Ritchie bis in die Hollywood-Liga. Und das nicht nur beruflich: 2000 heiratet er Superstar Madonna. Nach der Scheidung konzentriert er sich nun - ausdrucksstark und humorvoll wie selten - wieder ganz auf sein Handwerk. Mit dem prominent besetzten "Sherlock Holmes" beweist er, dass er trotz dem filmischem Ausrutscher "Stürmische Liebe - Swept Away" nichts verlernt hat und er auch in Zukunft noch sehr viel Großes vorhat. Wir trafen den 41-Jährigen zum Gespräch über seinen neuen Kassenschlager und einen vermeintlich schwulen Profidetektiv.

Spielfilm.de:
Mr. Ritchie, es schwingt immer ein gewisses Risiko mit, wenn man sich an einen Klassiker wie Sherlock Holmes heranwagt, um ihn neu zu verfilmen. Wie sind Sie an diese schwierige Aufgabe herangegangen? Und haben Sie sich dabei bestimmte Grenzen gesetzt?

Guy Ritchie:
Nein. Ich bin nämlich überzeugt davon, dass ich genug Feingefühl besitze, um der Intention des Autors treu zu bleiben. Ich habe mich also nie gefragt, wie weit wir gehen können, darüber wurde nie gesprochen. Es ist alles mehr oder weniger automatisch passiert. Wir wussten instinktiv, wann wir die Grenze überschritten oder unser Ziel noch nicht erreicht hatten.

Spielfilm.de:
Sie stellen in diesem Film einmal mehr Ihre Liebe für Kampfszenen zur Schau. Wie kamen Sie auf die Idee, Sherlock Holmes als Meister des Nahkampfs darzustellen?

Ritchie:
Den Büchern zufolge war Sherlock ein sehr effizienter, geschickter Kampfkünstler. Deshalb kreierten Produzent Lionel Wigram und ich dann einen durch und durch intuitiven und stilisierten Sherlock Holmes. Ich wollte diese Eigenschaften unbedingt szenisch einfangen. Wieso? Sie haben es eigentlich schon gesagt: ich habe ich ein großes Faible für Kampfszenen und in diesem Fall auch noch das große Glück, einen sehr fähigen Hauptdarsteller in meinem Team zu haben. Darum musste ich im Endeffekt nur noch eine Technik finden, seine Aktionen auch bildlich festzuhalten.

Spielfilm.de:
Wenn Sie mir die Bemerkung erlauben: Ihr Sherlock Holmes ist nicht nur ein Martial Arts Talent, sondern wirkt gleichzeitig ein wenig wie der schwule Lebensgefährte von Mr. Watson. Wieso haben Sie diese Interpretation gewählt?

Ritchie:
Verzeihung, ich habe einen Frosch im Hals. (lacht) Nein, mal im Ernst: ich habe das überhaupt nicht so wahrgenommen. Umso interessanter, dass Sie diese Beobachtung gemacht haben. Was ich bei den beiden sehe, ist das typische Verhalten zwischen zwei Männern, die sich richtig nahe stehen. Es liegt ganz in der Natur einer solchen Beziehung. Eine spannendere Antwort fällt mir dazu leider nicht ein. Nur eines noch: das ist eindeutig die heterosexuellste Version des Films!

Deutschlandpremiere des Films Sherlock Holmes am 12012010 im Cinestar Berlin - GUY RITCHIE 2010 Warner Bros Ent
Deutschlandpremiere des Films "Sherlock Holmes" am 12.01.2010 im Cinestar Berlin - GUY RITCHIE
© 2010 Warner Bros. Ent.
Spielfilm.de:
Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern Jude Law und Robert Downey Jr. ist jedenfalls einmalig. Wie schaffen Sie es, eine derart gute Atmosphäre am Set zu schaffen?

Ritchie:
Das ist ganz von alleine passiert. Ein weiser Regisseur hat einmal gesagt: Regie besteht zu 90% aus Casting. Und zwischen Robert und Jude ist der Funke innerhalb von Sekunden übergesprungen. Ab dem Moment, in dem sich diese Beziehung hinter der Kamera gefestigt hat, war auch die Arbeit vor der Kamera kein Problem mehr. Ich musste nur noch aufpassen, dass die beiden bei ihrem Spiel nicht zu sehr in die schwule Richtung abdriften.

Spielfilm.de:
Denken Sie, dass Autor Sir Arthur Conan Doyle Ihren Film gemocht hätte?

Ritchie:
Ich hoffe sehr. Ich war nämlich schon als Kind ein großer Fan von ihm. Genauer gesagt habe ich mir bereits im Alter von sechs Jahren, noch bevor ich selbst lesen und schreiben konnte, alle seine Geschichten auf Tonband angehört. Daher denke ich, dass ich auf meine Art eine gewisse Sensibilität für Doyles Werke mitbringe. Ich verstehe, was er meint und schätze seine Arbeit außerordentlich. Außerdem bin ich überzeugt davon, dass er für das Kino geschrieben hätte, wenn es die Kamera seinerzeit bereits gegeben hätte.

Guy Ritchie bei den Dreharbeiten zu Sherlock Holmes 2009 Warner Bros Ent
"Guy Ritchie" bei den Dreharbeiten zu "Sherlock Holmes"
© 2009 Warner Bros. Ent.
Spielfilm.de:
Sie haben bereits mehrere Filme in Ihrer Heimatstadt London gedreht. Könnten Sie es sich vorstellen, auch einmal in Berlin zu arbeiten? Regisseure wie Quentin Tarantino waren sehr angetan vom deutschen Flair.

Ritchie:
Klar, könnte ich mir das vorstellen. Aber es fällt mir schwer, einen Schwall von Lob über diese fantastische Stadt loszulassen, da ich erst knappe zwei Stunden hier bin und daher auch noch nicht besonders viel davon gesehen habe. Eines kann ich allerdings schon sagen: die kurze Zeit seit meiner Ankunft habe ich sehr genossen.


Interview geführt von Rosa Zakravsky in Berlin





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GUY RITCHIE in Sherlock Holmes 2009 Warner Bros Ent
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