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Interview mit Ewan McGregor zu "I love you Phillip Morris"

Ich liebe dich Phillip Morris Alamode FilmJim Carrey und Ewan McGregor in Ich liebe dich Phillip Morris Alamode Film Patty PerretEwan McGregor in Ich liebe dich Phillip Morris Alamode Film Patty PerretJim Carrey in Ich liebe dich Phillip Morris Alamode Film Patty PerretJim Carrey in Ich liebe dich Phillip Morris Alamode Film
"Ich bin ganz gerne ich"Ewan McGregor gehört mit Filmklassikern wie "Trainspotting", "Moulin Rouge" oder "Big Fish" nicht nur zu den lässigsten Schauspiel-Pionieren seiner Generation, sondern offenbart sich auch im wirklichen Leben als wahrer, wenn auch treuer Abenteurer: seit Jahren führt er eine glückliche Ehe, ist stolzer Vater gesunder Kinder – und findet trotzdem die Zeit und Energie, mit seinem besten Freund auf Motorrädern um die Welt zu touren.

In der gelungenen Komödie "I Love You Phillip Morris" spielt er nun an der Seite von Jim Carrey einen homosexuellen Häftling. Wir sprachen mit dem 39-Jährigen über diese auf den ersten Blick wagemutige Rolle, Motorradtouren als Balsam für die Seele und sein Image als Hollywoods Darling.

Spielfilm.de:
Mr. Gregor, Ihre neue Komödie hatte es anfangs schwer, Ihren Weg in die Kinos zu finden, weil Sie von vielen Filmvertrieben als zu homosexuell eingestuft wurde. Ist unsere Gesellschaft so prüde geworden?

Ewan McGregor:
Es handelt sich hier um eine so schöne schwule Liebesgeschichte, dass es fast schon egal ist, ob es dabei um hetero- oder homosexuelle Menschen geht. Deswegen hat mich das schon etwas verwundert.

Spielfilm.de:
Um was geht es genau?

McGregor:
Wir erzählen die wahre Geschichte zweier Männer, die sich im Knast verlieben, dann gemeinsam ausbrechen, aber am Ende wieder im Gefängnis landen. Es ist ein permanenter Kampf gegen das System. Aber im Fokus steht dabei eben nicht so sehr das schwule Pärchen, sondern eher der Witz, die Emotionen und die unterschiedlichen Charaktere.

Spielfilm.de:
Der Film wurde mit wenig Budget umgesetzt. Was hat Sie trotzdem daran gereizt?

McGregor:
Zwei Typen, die sich im Gefängnis kennen und lieben lernen, finde ich an sich schon eine sehr amüsante Grundkonstellation. Es muss doch großartig sein, als schwuler Mann mit deiner großen Liebe in einer Zelle eingesperrt zu sein: du kannst den ganzen Tag Liebe machen. (lacht)

Jim Carrey und Ewan McGregor in Ich liebe dich Phillip Morris Alamode Film Patty Perret
Jim Carrey und Ewan McGregor in "Ich liebe dich Phillip Morris"
© Alamode Film
© Patty Perret
Spielfilm.de:
Andere Hollywoodstars distanzieren sich aus Angst vor Ihrem Image oft von homosexuellen Rollen. Ihnen ist das egal?

McGregor:
Gut fürs Image ist für mich nur, wenn ich mich bei der Arbeit beweise. Mit welcher Rolle, ist doch egal. Ich habe privat überhaupt kein Problem mit Homosexualität, wieso also sollte ich mich einem so guten Film verweigern? Leben bedeutet für mich, dass wir all das tun dürfen, was wir für richtig halten. Darin liegt doch die wahre Schönheit unseres Daseins.

Spielfilm.de:
Sie scheinen das Leben ohnehin in vollen Zügen zu genießen: mit Ihrem besten Freund touren Sie in den letzten Jahren verstärkt auf Motorrädern um die Welt. Weil Sie diese Erlebnisse mit Kameras dokumentieren und für die Parfümfirma Davidoff nun auch noch die Personifikation eines echten Abenteurers sind, gelten Sie für viele inzwischen als waschechter Mann. Gefällt Ihnen dieses Image?

McGregor:
Ich stürze mich auf alle Fälle gerne ins Leben. Wenn ich dadurch auch andere ermutigen kann, die Welt zu bereisen und die Andersartigkeit vieler Kulturen stärker wertzuschätzen, macht sogar eine Parfümkampagne oder eine Reality-Serie auf einmal Sinn. Wenn ich wirklich für das stehe, was Sie eben gesagt haben, finde ich das also durchaus gut.

Spielfilm.de:
Sind diese ausgedehnten Motorradtouren mit Ihrem besten Freund Ihre ganz persönliche Form der Seelenfindung?

McGregor:
Wenn man elf Stunden pro Tag auf einer Maschine sitzt, bleibt viel Zeit, um über sich selbst und sein Leben nachzudenken. Es hilft aber auch, bestimmte Gedanken völlig auszublenden und sich auf neue Umgebungen einzulassen, die sich von meinem sonstigen Leben völlig unterscheiden. Für mich ist da Balsam für die Seele.

Jim Carrey und Ewan McGregor in Ich liebe dich Phillip Morris Alamode Film Glenn Watson
Jim Carrey und Ewan McGregor in "Ich liebe dich Phillip Morris"
© Alamode Film
© Glenn Watson
Spielfilm.de:
Was für Musik hört ein wahrer Mann während so einer Motorradtour?

McGregor:
Das ändert sich immer wieder, aber eigentlich geht in solchen Momenten kein Weg an Pink Floyd vorbei. Sie sollten mal sehen, wie mein bester Freund und ich manchmal auf unseren Maschinen ausflippen. Wir wippen und tanzen wie die Wahnsinnigen, wenn uns der Moment packt! (lacht)

Spielfilm.de:
Sie Ihren Kindern erlauben, später selbst einmal Motorrad zu fahren?

McGregor:
Klar, weil ich Ihnen beibringen würde, wie man richtig und vor allem sicher fährt. Ich bin kein schneller Fahrer, sondern passe gut auf mich auf. Ich fahre Motorrad, um mich dabei zu entspannen, nicht um den Kick zu suchen. Wenn ich mich durch zu schnelles Fahren in gefährliche Situationen bringe, wird mir bewusst, wie gefährlich der Sport sein kann. Also lasse ich es erst gar nicht dazu kommen. Meine Kinder werden aber ohnehin nie Motorrad fahren, auch wenn ich mich dafür einsetzen würde: ihre Mutter ist nämlich strikt dagegen! (lacht)

Spielfilm.de:
Werden Sie auf Ihren Touren oft erkannt?

McGregor:
Das kommt natürlich auf die Gegend an. Aber eigentlich schon.

Jim Carrey und Ewan McGregor in Ich liebe dich Phillip Morris Alamode Film
Jim Carrey und Ewan McGregor in "Ich liebe dich Phillip Morris"
© Alamode Film
Spielfilm.de:
es Sie, dass Sie Ihrer Prominenz nirgends entkommen können?

McGregor:
Nein. Wissen Sie wieso? Weil ich kein Problem damit habe, Ewan McGregor zu sein. Ich bin ganz gerne ich! Bis auf die Tatsache, dass ich sehr viel reise, lebe ich eigentlich ein ganz normales Leben. Ich versuche mit meinen Motorradtouren ja auch nicht vor etwas zu flüchten. Reisen suggeriert ja oft, dass man einer Situation oder einem Alltag entkommen will, aber ich sauge damit nur neue Eindrücke in mir auf. Ob ich dabei erkannt werde oder nicht, ist mir ganz egal.

Spielfilm.de:
Die meisten Stars beschweren sich im Regelfall darüber, dass Sie immer und überall erkannt und belagert werden. Eigentlich müssten doch auch Sie der typische Kandidat sein, den Paparazzi zur Weißglut treiben: Sie sehen gut aus, haben viele Fans und ein florierendes Privatleben...

McGregor:
Gerade deshalb passe ich nicht ins Schema: ich bin seit Jahren glücklich verheiratet und habe Kinder. Medien und Fotografen suchen sich eher Schauspieler, die ihr Leben auf eine so wilde Art und Weise leben, dass man ihnen bei ihrem Niedergang zusehen kann. Mir wird das nicht passieren.

Spielfilm.de:
Hand aufs Herz: sind Sie bei Ihrem ersten großen Gehaltsscheck nicht auch ein bisschen übergeschnappt?

McGregor:
Nein – obwohl ich zugegeben schon immer sehr gut für meine Arbeit bezahlt wurde.

Spielfilm.de:
Wie schaffen Sie es, trotzdem derselbe zu bleiben?

McGregor:
Das schaffe ich gar nicht! Es wäre auch schrecklich, wenn ich mich gar nicht verändern würde. Es gehört doch zur menschlichen Natur dazu, dass man immer neue Facetten an sich entdeckt. Ich versuche lediglich, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen. Wenn man das bewusst tut, merkt man mit den Jahren auch, was einem im Leben gut tut und was keinen Sinn macht.


Interview geführt von Johannes Bonke





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