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Kritik: Eine Leidenschaft in der Wüste (1998)


Geradezu schockierend ungewöhnlich ist das Regiedebüt der Dokumentarfilmerin Lavina Currier, die ihrem Thema Wildkatzen treu bleibt. Mit der Adaption von Honoré de Balzacs "une passion dans le desert" zelebriert sie einen magischen Kinorausch. Fern vom nüchternen Realismus des französischen Literaten ("la cuisine bette") schluckt das surreale Treffen von Mensch und Tier alle rationale Logik, fesselt aber durch außerordentliche Schönheit.

Die prachtvollen Bilder von Alexej Rodjonov ("Orlando") tasten die Wüste als sinnliche Erfahrung ab. Sie zaubern eine überwältigende Atmosphäre, der die vollen Geräusche den letzten Kick an Tiefe verleihen und den mit inhaltlich vergleichbaren "Der englische Patient" verwelken lassen. So sehr die ausgereiften Bilder die Reize betören, in solcher Sinnlichkeit und subversiver Erotik schwelgt auch die auf Spielfilmlänge erweiterte Novelle, die ursprünglich als schwarzweißer, halbstündiger Stummfilm konzipiert war. Das grandiose Spiel der Natur als Allegorie auf menschliche Beziehungen wirkt in Eigenwilligkeit und Courage fast wie eine Luftspiegelung.

Das sicherlich ungewöhnlichste Projekt der letzten Jahre ist eine Herausforderung für den Zuschauer. Seine Akzeptanz hängt vom Wohlwollen des Publikums ab. Zwischen Begeisterung und Spott ist alles möglich. Dabei spielt das Erwartungs- und Einfühlungsvermögen eine große Rolle. Die Stärken von "Eine Leidenschaft in der Wüste" liegen eben nicht in Logik und Realismus, sondern in Verführung, Magie und Hypnose. Unterstützung findet sich in der Hauptfigur, Ben Daniels, die die Grenze zwischen Mensch und Tier überschreitet. Seine Symbiose und Intimität mit dem Leopardenweibchen ist rätselhaft und vertraut. Die Mystik wird jedoch nie aufgelöst, sondern ist mal mehr, mal weniger greifbar. Diese Mehrdeutigkeit ist permanent vorhanden und verleiht eine seltene Originalität.

Allen nun möglichen intellektuellen Interpretationen zum Trotz - Allegorie auf die Liebe, Aufklärung und Aberglaube - ist das perfekt photographierte Märchen die ins Detail verliebte Odyssee durch eine magische Natur; die rettende Oase, umgeben von der ausgetrockneten Kinowüste. Hoffentlich keine Fata Morgana.




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