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Apostel!
Apostel!
© Kinowelt Filmverleih GmbH

Kritik: Apostel! (1997)


Im Januar 1998 lud der amerikanische Präsident Bill Clinton den Schauspieler und Oscar-Gewinner Robert Duvall ins Weiße Haus ein. In Clintons privatem Kinoraum sahen sie sich gemeinsam "The Apostle" an, der Duvall Jahrzehnte bis zur Fertigstellung gekostet hatte. Der Film ist sein persönliches Meisterwerk, in das er all seine Energien gesteckt hatte. Clinton hatte den Film jedoch in den Tagen, als die Lewinsky-Affäre erste Wellen schlug, nicht nur als Hommage an seinen alten Hollywood-Buddy Robert ausgesucht. Er suchte moralische Stärkung in der Geschichte eines Mannes, der seinen Weg geht, auch wenn ihn Rückschläge immer wieder zurückwerfen.
Sonny ist der Führer einer Methodisten-Kirche irgendwo in Texas. Er widmet sich seiner Lebensaufgabe mit Leidenschaft und Liebe. Dabei verliert er durch seine Hingabe zu Gott jedoch den Blick für die Dinge des täglichen Lebens. Und als er die Entfremdung zu seiner Frau und den Kindern bemerkt, ist es bereits zu spät. Er erwischt Jessie mit einem anderen im Bett. Für ihn das persönliche und berufliche Aus. Er verliert seine Kirche und kurzfristig den Glauben an Gott. Doch nachdem er ausführlich mit sich und seinen Selbstzweifeln gerungen
hat, sucht er noch einmal die Herausforderung. Ganz im Stil amerikanischer Pioniere beschließt er, ohne einen einzigen Cent in der Tasche zu Fuß loszuziehen, um es noch einmal in der Welt einen Neuanfang zu versuchen - ohne sich dabei selbst untreu zu werden.
"The Apostle" ist ein beeindruckender Schauspieler-Film. Zugeschnitten auf das gegerbte Gesicht des Hauptdarstellers, Regisseurs, Drebuchautoren und Produzenten Robert Duvall. Der Blick ist jedoch nicht selbstverliebt, wie das bei manch anderen Schauspieler/Regisseuren ist (man denke nur an Johnny Depps Absturz in "The Brave" oder Sean Penns vielleicht schwärzeste Stunde in "The Crossing Guard"). Duvalls Film zeigt in seiner bewußten Langsamkeit und Betonung des Schauspielens vielmehr, was in heutigen Hollywoodproduktionen (in denen er oft wie in "Armageddon" selbst dabei ist) verloren geht. Kurze Szenen und ein zerstückeltes Script verhindern, daß sich ein Schauspieler voll entfalten kann. Das ist in "The Apostle" mit Sicherheit anders (und er erinnert dabei wohl nicht zufällig an Billy Bob Thorntons Oscargekrönten "Sling Blade"). Das Hauptthema - der Kampf eines Mannes mit inneren Widersprüchen und Rissen - macht verständlich, warum Bill Clinton hier geistiges Asyl gesucht hatte.




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