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Kritik: Lebenslänglich (1999)


Eigentlich ist es ja überhaupt nicht komisch, 60(!) lange Jahre unschuldig im Gefängnis zu verbringen. Aber natürlich kommt es darauf an, wer hinter Gitter landet. Die Labertaschen Eddie Murphy und Martin Lawrence sorgen bei den übrigen Knastinsassen natürlich schnell für Turbulenzen.

Eigentlich auch gar nicht komisch ist der ziemlich laue Plot des Films. "Lebenslänglich" ist zudem ein unerfreuliches Exempel für einen vielleicht sogar mal ansatzweise amüsanten Streifen, den der deutsche Filmverleih zu Tode synchronisiert.

Viel mehr gibt es zu diesem Dialog-Desaster, das die beiden schwarzen Komödianten zu bedauernswerten Witzfiguren degradiert, leider nicht zu sagen. Nur eins vielleicht: Den Film gibt's in den USA und selbst in Großbritannien schon seit Monaten im Original auf DVD. Für Lawrence/Murphy-Fans, die jeden Streifen ihrer Helden sehen müssen, ist das in jedem Fall die bessere Alternative.

Rico Pfirstinger

Zugegeben, ein kleines Phänomen ist es bzw. er schon. Seit fast 20 Jahren sonnt sich Eddie Murphy bereits in der Rolle von Hollywoods Vorzeige- bzw. Alibi-Schwarzen. Durchaus eine zwiespältige Präsenz. Auf der einen Seite lenkt er durch sich davon ab, dass die farbige amerikanische Bevölkerung nach wie vor im Hollywood-Mainstream unterrepräsentiert ist. Auf der anderen Seite ist bekannt, dass er bei seinen Filmen stets dafür sorgt, dass soviel Farbige wie möglich neben ihm mitspielen. Weniger erfreulich ist, dass Eddie Murphy bei aller unbestrittenen Leinwandpräsenz eigentlich immer die gleiche Figur spielt: den nervösen Zappelphilip, der sich mit zotigen Sprüchen den Mund fusselig redet. Dies ist gerade noch zu ertragen, wenn der Film ansonsten gut bzw. stimmig ist. Nervtötend wird’s, wenn Murphys überbordende Redeschwalle quasi für sich selbst stehen und vom Drehbuch ungebremst lossprudeln, wie es leider bei "Lebenslänglich" der Fall ist. Dabei wurde ihm hier mit Martin Lawrence ein klassischer Buddy zur Seite gestellt. Aber die verbalen Funken, die sich zwischen beiden Komikern entzünden, vermögen keinerlei erwärmendes Humor-Feuerchen zu entfachen. Behäbig schleppt sich die lahme Geschichte dahin, und die beiden Hauptdarsteller haben sich offensichtlich von der allgemeinen Lustlosigkeit anstecken lassen. Dabei könnte die Geschichte im Kern durchaus Substanz entfalten. Die Möglichkeiten und Ansätze hierfür werden aber leichtfertig an die Beliebigkeit verschenkt.
Erzählt wird vom Leben von Ray Gibson und Claude Banks, deren Geschichte weit in die 30er Jahre zurückreicht. In einem Harlemer Nachtclub treffen die beiden gänzlich unterschiedlichen Typen aufeinander. Ray ist ständig bestrebt, als Kleinganove seine kriminelle Energie in finanziell erträglichere Bahnen zu lenken, während Ray ausgerechnet von einem Job als Bankangestellter träumt. Da beide Schulden haben, lassen sie sich zu einem gemeinsamen Alkohol-schmuggel überreden. Hierbei geraten sie durch eine unglückliche Verkettung fataler Umstände in einen Mordfall. Als Verdächtige werden sie vor Gericht gestellt und verurteilt...zu lebenslänglich Knast und Arbeitslager.
Kurz darauf finden sich die beiden überzeugten Großstädter in einem verschärften Südstaatenknast samt Knochenarbeit wieder. Die wenig rosigen Aussichten lassen alsbald Fluchtgedanken reifen. Im Laufe der Jahre scheitert der Freiheitsdrang aber immer wieder an der Tücke des Objekts. Und so geht ein Jahrzehnt nach dem anderen an den beiden Unschuldigen vorüber. Dass sie darüber längst zum Inventar des Knasts geworden sind, akzeptieren Ray und Claude zwar, ihre Hoffnung, vielleicht doch noch einmal ungesiebte Luft atmen zu können, kann dies freilich nicht beeinträchtigen. Und dann bietet sich nach 60 Jahren, die beiden sind längst im Greisenalter, plötzlich wieder mal eine Gelegenheit.
Wenn schon ein Film zur großen epischen Geste ausholt, sollte er auch etwas übers Leben -und zwar das ganze- zu sagen haben. "Lebenslänglich" hat dies nicht. Dabei hat das Drehbuch so wenig Esprit wie der Film Atmosphäre. Und dass überhaupt Zeit vergeht, merkt man nur an den eingestreuten, üblichen Wochenschau-Schnipseln. Zurück leibt Langeweile und Ärger darüber, wie sorglos der Film mit Gefühlen umgeht.






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