VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Das Ende einer Affäre
Das Ende einer Affäre
© Columbia TriStar

Kritik: Das Ende einer Affäre (1999)


---Waren Sie Distanz, mein Herr!!!---

"Das Ende einer Affäre" ist geschmackvoll- elegant bis ins Detail. Die Ausleuchtung sorgt für rot-bräunliche Bilder, die in geschmackvoll-eleganten Kamerafahrten durch eine geschmackvoll-elegante Ausstattung führen, in der geschmackvoll-elegant gekleidete Darsteller äußerst elloquente Dialoge aussprechen, nicht ohne sichere Pausen zur Akzentuierung zu lassen. Mit einem Wort: Der Film verliert sich in Langweile.

Regisseur Neil Jordan ist ein Wanderer in den Genres. Der Ire ist für seine bösartigen, thrillerartigen Abrechnungen wie "Crying Game" bekannt, fiel aber auch schon im Metier der pompösen Kostümfilme auf. Am berühmtesten dürfte hier wohl seine Anne Rice-Verfilmung "Interview mit einem Vampir" sein. Dennoch kann ich mich nicht erinnern, dass er jemals so sehr in eine Filmform hineinschlüpfte, wie er es hier getan hat. Mit "Das Ende einer Affäre" unterstellt er sich vollkommen den (scheinbaren) Gesetzen der gehoben Literatur-Verfilmung.

Die Story von "Das Ende einer Affäre" geht auf den gleichnamigen Roman von Graham Greene zurück, den Jordan um viele biographische Elemente des Autors bereichert hat. Ich als Rezensent kenne die Vorlage leider nicht, muss mich also, wie wahrscheinliche viele Zuschauer, ganz auf den Film verlassen. Dieser ist aber in sich schlüssig, mir sind keine großen Verständnislücken aufgefallen.
Jordan erzählt von dem britischen Intellektuellen Maurice Bendrix, der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs einen alten Freund wiedertrifft: den Ministerial-Beamten Henry Miles. Dieser ist verzweifelt vor Eifersucht: Seine Frau Sarah gehe wohl fremd. Dennoch kann er sich nicht durchringen, einen Privatdetektiv auf sie anzusetzen. Ganz anders Bendrix, der vor ein paar Jahren eine Affäre mit Sarah hatte und sie bis zu diesem Tage liebt: Er engagiert den Detektiv Parkis, der von nun an ganz unauffällig Henrys Ehefrau beschattet.
An dem Abend, als Bendrix mit Henry wieder zusammenkam, traf er auch wieder Sarah. Er ist voller Flamme für sie und fängt eine erneute Affäre mit ihr an. Dennoch ist alles anders, als es früher war, und bald nimmt alles eine dramatische Wendung.

Natürlich will ich hier nicht zuviel verraten, aber diese Wendung ist dennoch der vielleicht negativste Punkt in der ganzen Filmhandlung. Er nimmt eine wundersame, fast schon spirituelle Form an, was den sonst so kühl distanzierten Film in eine ganz andere Bahn wirft. Denn leider ist mit der so etablierten Atmosphäre keinen Rahmen für das Übernatürliche getroffen worden. Gerade dieser Rahmen machte Neil Jordans Werk aber immer wieder aus. Was bei "Zeit der Wölfe" noch so wundervoll funktionierte, kippt hier den Film ins Unglaubwürdige.
Diese geschmackvolle Distanz, die zu einem bösen Drama hätte werden können, ist überhaupt das große Manko des Films. Während Produktionsdesigner Anthony Pratt (John Boormans "Hope and Glory"), Kostümdesignerin Sandy Powell (Shakespeare in Love, Elizabeth), Komponist Michael Nyman (Das Piano) und Kameramann Roger Pratt (Der König der Fischer, 12 Monkeys) jeweils für sich herausragende Arbeiten abliefern, schafft Neil Jordan es nicht, diese eigentlich ineinander greifenden Production-Values mit der Story zu verbinden. Das selbe gilt für die allesamt überzeugenden Darsteller, die die Menschlichkeit hinter ihren Figuren verdeutlichen, ebenso wie den Konflikt zwischen Emotionen und Moral, der als das Hauptthema des Films gelten kann. Sie sind in ihren eleganten Dialogen wie verlorene Kinder, da die Kamera nie eine wirkliche Nähe zulässt und sich lieber weiterhin der geschmackvollen Einrichtung suhlt.

So ist ein wirklich langatmiger Film enstanden, dem man selten so etwas, wie wirkliches Gefühl abgewinnen kann. Selbst die recht zahlreichen Sexszenen sind sauber und geschmackvoll, von Anstrengung oder wirklichem Begehren zeugt allenfalls ein leicht errötetes Bäckchen von Julianne Moore. Dies ist schade, denn das Potential hatte der Film, immerhin ist er nicht nur wundervoll besetzt, sondern auch mit einem großen Regietalent gesegnet.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.