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Kritik: Ed TV (1999)


Ist "EdTV" nur eine Light-Ausgabe von Peter Weirs "Die Truman Show"? Schon möglich! Es hängt von den Erwartungen des Zuschauers ab, ob man Ron Howards milde Mediensatire als das akzeptiert, was sie tatsächlich ist: eine souverän inszenierte und von einem sympathischen Star-Ensemble bevölkerte Familienkomödie mit ein paar Ecken und Kanten, an denen sich niemand ernsthaft verletzten soll.

Ed Pekurny alias Matthew McConaughey ist ein Jedermann der Working Class, doch im Gegensatz zu Truman Burbank ist er sich der Anwesenheit der ihn beobachtenden Kameras wohl bewußt. Gerade sie sind ja der Kick in Eds bis dato recht ereignislosem Leben: Die Kameras versprechen Ruhm und Glamour und seinem Bruder Ray viel unbezahlte Werbezeit für dessen neue Firma. Und die Moral von der Geschicht? Das Fernsehen kennt letztendlich keine Gnade: Wer sich ihm ausliefert, wird verschlungen. Das klingt banal und ist doch richtig.

Ron Howard, mit Hits wie "Splash", "Apollo 13" und "Cocoon" ein altgediente Regisseur des Hollywood-Systems, wandelt mal wieder auf den Spuren Capras, und das ist auch die große Stärke seines Films, der niemals vorgibt, etwas anderes zu sein als respektable Mainstream-Unterhaltung mit Witz, Herz und Verstand. Mehr Ehrlichkeit kann man vom kommerziellen Hollywood nun wirklich nicht erwarten.

Rico

Eine der großen Kinoüberraschungen des vergangenen Jahres war mit Sicherheit Peter Weirs "Truman Show". Weniger wegen dem Regisseur, sondern weil einem Hollywoodprodukt Unterhaltung mit derart geradezu philosophischem Tiefgang nicht so ohne weiteres zuzutrauen gewesen wäre. Ein knappes Jahr später kommt nun das Nachfolgeprodukt auf den Markt und wird den nicht allzu hohen Erwartungen durchaus gerecht. "EDtv" ist sowas wie die Truman-Show "light" oder böse ausgedrückt "für Arme". Die Ausgangslagen sind ähnlich: Was wäre, wenn das Leben selbst - ungeschnitten, unzensiert - die Hauptrolle in einer Fernsehserie (neudeutsch: daily soap) spielen würde.

In "EDtv" kommen die Programmmacher eines kleinen Kabelkanals, der einen finanziellen Durchhänger zu bestehen hat, auf die Idee, die Quote zu korrigieren, indem das Leben eines Durchschnittsamerikaners 24 Stunden am Tag gefilmt wird. Oberstes Prinzip: Kein Drehbuch, keine Schauspieler, keine Regie.
(Jetzt könnte man an der Stelle durchaus anmerken, daß es dies auch bei uns ja längst gibt, schaut man mal durch die Privatkanäle zwischen 18 und 20 Uhr. Aber das ist ein anderes Thema).

Auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten gerät der Sender an den sympathischen, etwas ungelenken Ed Pekurny aus San Francisco. Der Dreissigjährige ist dann auch nicht abgeneigt, sich, sein familiäres Umfeld und seine Freunde unter die permanete Beobachtung von zwei Kameraterams stellen zu lassen. Prompt wird die neue Sendung "EDtv" landesweit zu einem Renner und verschafft dem Sender die ersehnten Marktanteile zurück.
Zunächst findet Ed an der geradezu hysterischen Aufmerksamkeit um seine Person durchaus Gefallen. Erst nach und nach merkt er, daß der Ruhm seinen Preis hat und das der hoch ist. Zunehmend gerät Ed’s Privatleben aus den Fugen. Als der Fernsehstar schließlich gar seine Würde zu verlieren droht, versucht er die Notbremse zu ziehen. Natürlich ist es dazu eigentlich zu spät, denn der Sender hat sich abgesichert.
Sein Bemühen, Unterhaltung für die MTV-Generation zumindest mit ein bißchen Anspruch zu versehen, ist dem Film nicht abzusprechen. Aber erst im Schlußdrittel konstituiert sich so etwas wie inhaltliche Substanz. Über lange Strecken plätschert das Filmchen gemächlich vor sich hin und schafft es nur selten von seiner Belanglosigkeit abzulenken. Auch ist das Ganze formal äußerst dürftig. So sind z.B. die Filmbilder von den Fernsehbildern eigentlich nur ihre Grobkörnigkeit zu unterscheiden. Immerhin, der Hauptdarsteller ist nicht unsymphatisch, die Nebenrollen sind hochkarätig besetzt und da "EDtv" gegen Ende immer besser wird, ist ihm auch ein gescheites Timing nicht abzusprechen.




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