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Kritik: Auf die stürmische Art (1998)


Kritik 1:
"Auf die stürmische Art" ist besser als seine Werbekampagne. Wer eine abgedroschene romantische Komödie nach Schema F erwartet, erlebt hier eine angenehme Überraschung, denn dieser Film ist breiter angelegt und erweist sich als gefällige Mischung aus Neo-Screwball-Comedy und Roadmovie.

Murphy's Law spielt dabei eine integrale Rolle: Was immer schief gehen kann – hier stößt es den beiden Helden mit absoluter Sicherheit zu. Und so entpuppt sich deren Reise von New Work ins südliche Savannah als turbulente Odyssee per Flugzeug, Auto, Bus und Bahn, in deren Verlauf sich Sandra Bullock und Ben Affleck auch in Sachen Liebe näher kommen. Unter anderem werden sie von der Polizei gejagt und verhaftet, landen im falschen Zug, verlieren ihr gesamtes Geld, mimen ein verheiratetes Paar und enden schließlich inmitten eines Hurricanes.

Die Reise mit Hindernissen ist nicht nur frisch und witzig anzusehen, auch die Chemie kommt nicht zu kurz. Nach groben Schnitzern wie "Eine zweite Chance" und "Zauberhafte Schwestern" wirkt "Auf die stürmische Art" für Sandra Bullock wie ein längst überfälliger Befreiungsschlag: Die 34 Jahre alte Schauspielerin strotzt vor Charme und Energie, aber auch Ben Affleck dürfte als liebenswerter Jedermann die Sympathien des Publikums gewinnen.

Im übrigen ist Bronwen Hughes' erste Regiearbeit fürs Kino auch visuell höchst attraktiv. Zwar zünden längst nicht alle Gags, und manch eingebaute Nebenhandlung erweist sich gar als überflüssig – den positiven Gesamteindruck aber vermag das nicht zu trüben.

Kritik 2:
Zweifelos ist es der (Hollywood-) Produzenten liebstes Genre: die romantische Komödie. Der Produktionsaufwand hält sich in Grenzen, und wenn die üblichen Bausteine gut zusammenpassen, dankt es das Publikum mit regem Zuspruch. Am Ende sind alle zufrieden und ein Haufen Geld hat den Besitzer gewechselt. So geschieht’s, wenn die filmischen Bausteine zusammenpassen. D.h. ein spritziges Drehbuch mit Dialogwitz und Situationskomik muß vorhanden sein, die Chemie zwischen den beiden gegengeschlechtlichen Hauptdarstellern muß knistern, ein stimmiges Produktionsdesign sowie kompetente Kamera- und Schnittarbeit müssen dem Film ein einheitliches Aussehen verpassen. Und über allem sollte ein Regisseur thronen, der die einzelnen Komponenten zusammenbringt und somit dafür sorgt, daß der Film genau den Charme ausstrahlt, der für das Genre unabdingbar ist.

Wenn nun also Dreamworks, die Produktionsfirma von S. Spielberg und seit drei Jahren Hollywoods mutigster und innovativster Laden, eine romantische Komödie auf den Markt bringt, kann eigentlich nichts schiefgehen...sollte man meinen. Aber...Überraschung: "Auf die stürmische Art" ist nicht nur ein maues, halbherziges Filmchen, es ist ein grottenschlechtes, bei dem so gut wie nichts stimmt.

Dabei liest sich die Geschichte nicht schlecht. Ben und Bridget sind fest entschlossen in den heiligen Stand der Ehe zu treten. Er ist ein etwas linkischer Nachwuchsyuppie in New York, sie eine Südstaatenschönheit aus Savannah. Am Vorabend des großen Festes macht er sich auf den Weg zu ihr. Doch bevor das Flugzeug in der Luft ist, nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Es kommt in durchaus attraktiver Gestalt daher und hat den Namen Sarah. Die flippige Großstadtfurie zieht den ansonsten eher reservierten jungen Mann in eine geradezu kuriose Abfolge von Katastrophen. Einzelne Stationen sind: Flugzeugunfall, versehentliche Verhaftung wg. Drogenbesitz, Zugumleitung, Hotelbrand etc. Klar, daß sich das ungleiche Paar bei derlei konzentrierter Unbill näher kommt. Derweil wird in Savannah letzte Hand an die Hochzeitfeier gelegt.

Von der Story her ist das genau der Stoff aus dem schon Dutzende von passablen bis guten Screwball-Comedys gezimmert wurden. "Auf die stürmische Art" zählt jedenfalls nicht dazu. Der Film hat weder Rhythmus noch Timing, er ist völlig ungelenk inszeniert, jedweden Charme läßt er vermissen, und die beiden Hauptdarsteller -Sandra Bullock und Ben Affleck- stolpern völlig hilflos durch die Sets. Am schlimmsten aber ist, daß über dem Ganzen eine ganz miese Spießerideologie wabert und dabei kein noch so dämliches Klischee ausgelassen wird. Tristes Fazit: "Auf die stürmische Art": ein durch und durch peinliches Filmchen !





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