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Kritik: 23 - Nichts ist wie es scheint (1998)


Na sowas! Da macht ein deutscher Regisseur einen Film über Rebellion, Drogensucht und Paranoia, über Computer-Spionage und eine vermeintliche Weltverschwörung, über die Medien und den Kalten Krieg – und das Ergebnis ist kein überfrachteter Langweiler, sondern ein facettenreicher, akribisch recherchierter Thriller und obendrein ein zeitgeschichtliches Dokument über deutsche Befindlichkeiten der 80er Jahre.
Sie ahnen es: Das Prädikat "Thriller" ist hier eigentlich zu kurz gegriffen. Zwar handelt "23" von jenem spektakulären Computerspionage-Skandal, der Ende der 80er Jahre den Blätterwald bewegte – Regisseur und Co-Autor Hans-Christian Schmid ("Nach Fünf im Urwald") aber blickt hinter die Kulissen des Falls und entwickelt daraus eine gleichermaßen kuriose wie spannende Geschichte.
"23" erzählt von Karl, dem rebellischen Kind einer Zeit, die geprägt ist von Ereignissen wie Tschernobyl, dem Attentat auf Olof Palme oder dem Anschlag auf die Berliner Diskothek "La Belle". Karl verinnerlicht Robert Anton Wilsons Verschwörungsroman "Illuminatus!" und vertieft sich mit Hilfe seines Computers in Mailboxen, Chats und Datennetze. Sein Erfolg als Hacker ruft den Dealer Pepe und den Bundeswehrflüchtling Lupo auf den Plan: Die beiden stiften Karl und seinen Freund David dazu an, Informationen aus westlichen Computernetzen zu stehlen und an den KGB zu verkaufen. Dabei gerät Karl in einen ausweglosen Strudel aus Drogensucht, paranoider Schizophrenie und realer Bedrohung.
Daß der Film diese thematische Fülle bestens verkraftet, liegt an den unverbrauchten, durchweg glaubwürdigen Darstellern, an Schmids sicherem Umgang mit den filmischen Mitteln, seinem Auge fürs Detail und am klaren, unsentimentalen Erzählstil, der alle Elemente scheinbar mühelos zu einem differenzierten, ungeschminkt realistischen Gesamtbild zusammenfügt, ohne dabei in Larmoyance und Tristesse zu versinken.

"23" ist ein zutiefst menschlicher Film, der seine Charaktere und damit auch sein Publikum respektiert – ein Film, dessen Wirkung noch lange anhält, nachdem man das Kino verlassen hat.





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