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Kritik: Auf den ersten Blick (1998)


Junge: "Bist Du blind?"
Val Kilmer: "Ja."
Junge: "Cool. Und tschüß."

Das ist der vermutlich beste Dialog in "Auf den ersten Blick", einem geradezu mit Blindheit für das tiefere Innenleben seiner Helden geschlagenem Herzschmerz-Melodram über die Liebe einer New Yorker Architektin zu einem blinden Masseur vom Lande.

Dem Film liegt eine Fallstudie von Oliver Sacks ("Zeit des Erwachsens") zugrunde, und deren Prämisse ist durchaus interessant: Der überwältigende Augenblick, in dem ein seit seinem dritten Lebensjahr Erblindeter nach über zwei Jahrzehnten auf einmal wieder sehen kann, schreit geradezu danach, verfilmt zu werden. Doch Sehen will gelernt sein: Für Virgil alias Val Kilmer ist der neue Sinn ein Sprung ins Ungewisse – nichts ist mehr so, wie es mal war. Die Szenen, in denen er die für ihn bislang dunkle und dennoch so vertraute Welt als visuelles Chaos aus Farben und Licht neu begreifen lernt, gehören dann auch zu den stärksten Eindrücken dieses ansonsten konventionellen Melodrams.

Während Kilmers engelsgleiches Grinsen über den gesamten Film hinweg kaum zu ertragen ist, legt Mira Sorvino alias Amy schauspielerische Klasse an den Tag – man darf der Oscarpreisträgerin ("Geliebte Aphrodite") für die Zukunft allerdings ein besseres Händchen bei der Auswahl ihrer Rollen wünschen.

Auf den zweiten Blick ist "Auf den ersten Blick" ein gutgemeintes aber quälend langes Melodram voller Klischees und Banalitäten – tatsächlich wurde es wohl weniger von einer authentischen Geschichte als von vielen anderen (schlechten) Filmen inspiriert. Zwar passen die Versatzstücke bisweilen auch zusammen, die eigentliche Story eines Blinden aber, der die Welt für kurze Zeit mit anderen Augen sieht – diese Geschichte kommt hier viel zu kurz.





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