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Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung
Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung
© 20th Century Fox

Kritik: Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung (1999)


"Ich hab' ein ganz mieses Gefühl bei der Sache." So lautet Ewan McGregors alias Obi-Wan Kenobis erster Satz in diesem Film – und er wird leider recht behalten.

"Episode 1", das erste von drei neuen Kinoabenteuern mit der Vorgeschichte zur bisher bekannten Star-Wars-Trilogie, ist in der Tat noch miserabler als sein ohnehin nicht allzu guter Ruf: Da werden ausgewiesene Charaktermimen wie Liam Neeson und McGregor von einem Regisseur, der offensichtlich besser mit Computern als mit Schauspielern umgehen kann, in ausdrucksschwache Knallchargen verwandelt und die Hauptrolle gar einem Kind mit Einheitsmimik übertragen, das in beinahe jeder Szene heillos überfordert ist. Den Rest besorgt die oft absurde deutsche Synchronisation.

Das Weltall hat hier keine Seele. Den oberflächlichen Figuren und der mit Politik und Ränkespielchen überfrachteten Geschichte stehen indes fantastische Spezialeffekte gegenüber: Die virtuellen Kulissen sind eine Augenweide, die Action-Sequenzen höchst beeindruckend – allen voran das von "Ben Hur" inspirierte und mittlerweile zu einem verkaufsstarken Computerspiel umfunktionierte "Pod-Race". Aber auch das Laserschwertduell am Ende zeigt, dass Lucas es durchaus versteht, die jeweils Besten ihrer Zunft für seine Zwecke einzuspannen. Doch Kreativität bedeutet mehr als technisches Geschick im Umgang mit Computern.

Die Macht hat ihn scheinbar verlassen: Wenn Lucas wenigstens darauf verzichtet hätte, das Drehbuch selber auszuformulieren und die Regie zu übernehmen! Dann wäre uns vielleicht die im Computer generierte androgyne Riesenkröte Jar Jar Binks erspart geblieben, die Aphorismen von der Sorte "Michse seien superheftig!" von sich gibt. Mitunter erreichen die Dialoge ein Niveau, bei dem man sich nicht mehr in einem echten Star-Wars-Film, sondern in einer Parodie desselben wähnt.

George Lucas, das wird hier überdeutlich klar, ist zweifellos ein kommerzieller Entertainment-Visionär, jedoch kein guter Regisseur: Dass sich die Kamera so einfallslos wie bei irgendeiner Fernsehserie bewegt, fällt angesichts der Visual Effects drumrum nicht wirklich ins Gewicht. Erheblich schwerer wiegt das Fehlen eines packenden, kompakten und vor allem originellen Plots sowie von Identifikationsfiguren, für die man – gerade auch als echter Star-Wars-Fan – etwas in seinem Innersten empfinden kann. Statt dessen erinnert einen alles an ein großes Videospiel im Stil von über 50 Jahre alten Fantasy- und Science-fiction-Reihen, die man ja heutzutage insbesondere wegen ihrer Defizite schätzt.

Der Originaltitel "The Phantom Menace" könnte geradewegs aus einem der "Republic Serials" stammen, deren lausige Dialoge, hölzerne Akteure und rührend-unbeholfene Ernsthaftigkeit man nun im postmodernen Star-Wars-Universum wiederfindet. Im Gegensatz zu einst liegt das natürlich nicht an mangelndem Talent, kleinen Budgets und windigen Effekten – Schuld ist im Gegenteil der übertriebene Fokus auf die digitale Technik. Der Schöpfer dieser neuen Künstlichkeit ging bei der Arbeit mit den Schauspielern schließlich so weit, die Gestik eines bestimmten Takes mit der Mimik eines anderen per Computer zu einer neuen Szene zu verschmelzen, die so, wie wir sie auf der Leinwand sehen, nie vor der Kamera stattgefunden hat.

Im Endeffekt ist "Episode 1", das gibt George Lucas selber zu, ein Kinderfilm, mit dem die Klientel der Sesamstraße ihre wahre Freude haben dürfte. Dagegen hinkt "Die dunkle Bedrohung" den angesichts des ganzen Ringelpiezes durchaus berechtigten Erwartungen der Erwachsenen um Lichtjahre hinterher. Für dumme Witze, infantilen Slapstick und eine Prise Nervenkitzel ist gesorgt – die Emotionen und der Mythos aber bleiben auf der Strecke.

Schon klar: Ganz gleich, was hier geschrieben steht – am Ende rennen trotzdem alle in den Film, der auch bei uns Rekorde brechen dürfte. Doch sagen Sie dann bitte nicht, man hätte Sie nicht gewarnt!
Rico

--Willkommen daheim!--

Das Wunder, welches George Lucas mit 'Star Wars' schaffte, kann bis heute in jedem Buchladen nachgelesen werden: Neben zahlreichen Fanzines und mehreren Romanen findet man hier Bücher, die zeigen, wieso diese Filmreihe und insbesondere die ersten beiden Teile so lange Kultobjekt der Massen waren: Trotz seiner märchenhaften Geschichte ist 'Star Wars' ungeheuer komplex, dies zeigt ein Blick in die "Star Wars-Enzyklopädie", und weithinaus von mythischen Qualitäten, wie das Buch "Star Wars-Magie und Mythos" mit viel Detailreichtum erklärt. Vielleicht ist es diese Mischung, die einfache Erfaßbarkeit einer epischen, wie mythologischen Handlung und der detailreiche Hintergrund, die 'Star Wars' so einzigartig macht.
Nur begannen die Filme ihrerzeit mitten in der Handlung. Dies war nötig, denn gerade ein erste Teil muß immer viel zu bieten haben, sonst endet das Ganze im Konkurs. Wenn man sich aber die epische Natur bewußt macht, so bleibt die Frage: Wie begann alles? Nach nun 16 Jahren 'Star Wars'-Abstinenz macht sich George Lucas auf, diesen Anfang zu erzählen.

Es geht um den jungen Anakin Skywalker, der von dem Jedi-Meister Qui-Gon Jinn auf Tatooine gefunden wird. Der Junge ist unglaublich fähig im Gebrauch der Macht, so daß der weise Jedi-Meister ihn mitnehmen will, um das Training zum Jedi-Ritter zu beginnen. Sein derzeitiger Schüler Obi Wan Kenobi scheint langsam so weit zu sein, selbst zum Meister gekührt zu werden. Problematisch ist aber die Tatsache, daß der Junge ein Sklave ist und erst freigekauft werden muß. Da man nicht einmal die Kosten für die Reparatur des Raumschiffes tragen kann, mit welchem man eine eher unfreiwillige Landung auf dem Planeten hatte, fehlt aber das leidige Geld. An Bord des Schiffes befindet sich die junge Königin Amidala der Naboo. Ihr Planet wurde von der Handelsföderation besetzt, die mit den Steuern in der Galaxis nicht mehr mithalten wollen. Ohne Hilfe von Qui-Gon hätte sie nie fliehen können. Jetzt drängt sie darauf, so schnell wie möglich zum Senat der Republik zu kommen, um dort Hilfe zu bekommen. Gleichzeitig hat der große Sith-Lord, ein Jedi-Meister der dunklen Seite, seinen Schüler Darth Maul losgeschickt, die Königin zu töten. Nun ist es an Qui-Gon Jinn, seinem Schüler Obi Wan und dem jungen Eingeborenen Jar Jar Binks, Amidala und Anakin zu schützen.

Dies zwei recht detailliert erzählten Handlungsstränge bilden den Kern des neuen Star Wars-Films. Es mag bezeichnend sein, daß keine der Handlungen vollkommen aufgelöst wird. Das Ende markiert nur einen neuen Anfang. Innerhalb der insgesamt 6 'Star Wars'-Teile, die es geben wird, stellt der neue Film, 'Episode 1', den Prolog dar. Als solcher gehorcht er den Gesetzen literarischer Epen, nach denen am Anfang nur Charakereinführungen und Setups geleistet werden. Aus diesem Grund funktioniert der Film oberflächlicher, als die mittleren Meisterwerke 'Star Wars' und vor allem 'Das Imperium schlägt zurück'. Die Figuren bleiben skizzenhaft und der Film springt von Ort zu Ort. Daß dies alles dennoch ungeheuer unterhaltsam bleibt, ist auf verschiedene Kunstgriffe des Regisseurs und Schöpfers George Lucas zurückzuführen:

Zum einen ist die Position der Filmveröffentlichungen herausragend gewählt. Jetzt erst den Beginn zu erzählen, eröffnet dem Fan Wiedererkennungswert. Man hat viel neu zu entdecken und erfährt durch die Beginne mehr über die Hintergründe der alten Filme, als man es je zu hoffen wagte. Das unbestimmte Gefühl, daß Vader im zweiten Teil beim Endkampf mit Luke allenfalls spielte, wird hier zum Beispiel zur absoluten Gewißheit, wenn man den Kampf zwischen Jedi-Meister Qui-Gon und dem bösen Sith-Schüler Darth Maul sieht.
Zum anderen sieht man aber auch unglaubliche Welten. Die Effekte, die schon fast omnipräsent sind, werden so klug und hintergründig wie noch nie zuvor eingesetzt. So sieht man eine fulminant detaillierte Welt, wie man sie zuvor nur aus Büchern in ähnlicher Form zu kennen glaubte. Man findet sich in einer Traumwelt wieder, und sieht Dinge, die eigentlich nicht auf die Leinwand umsetzbar schienen. Dieser Film ist und bleibt ein visionärer Vorstoß. Eben weil wir die nachfolgende Geschichte scheinbar kennen, lernen wir hier alles aus anderem Blickwinkel kennen. Diese Leistung ist von unschätzbarem Wert für das Kino, und sie wird es auch bleiben, egal wie sehr man sich über die rudimentäre Story aufregen mag.

'The Phantom Menace' ist der absolute Film der Attraktionen. Er bietet eine grandiose Optik und viel Action, wobei George Lucas nach über 20 Jahren Regieabstinenz wiederum beweist, welch großartiger Inszenierer er ist. Das den Mittelteil einnehmende Pod-Race und der Endkampf der Jedis bieten Kinetik am Endpunkt inszenatorischer Möglichkeiten. Auch die Figurenkonstellation stimmt (ja, Jar Jar Binks ist lustig, wenn auch unübersetzbar), die Vorbereitungen für die nächsten Teile sind mehr als vielversprechend. Der geschulte Star Wars- Fan bekommt genug Häppchen als Vorfreude: Vorhersehungen, Anspielungen und mythische Grundtypen weisen auf eine düstere Zukunft hin, von der sonst innerhalb dieses verspielt-fröhlichen Films kaum etwas zu spüren ist.
Wie sehr der Film als Prolog verharrt, mag man an der congenialen Musik am deutlichsten erkennen. War die erste Trilogie noch von Leitmotiven und auf Figuren zugeschnittenen Themen durchsetzt, bietet der neue Score von John Williams allenfalls die Ansätze eines Themas und wenig Melodik. Dennoch ist die Musik fast omnipräsent und dem Film mehr als angemessen. Wenn der sakrale Chor zum Endkampf der Jedis anschwillt, läuft einem ein Schauer über den Rücken. Schon lange vermißte man solche Momente des absoluten Zusammenspiels aus Bild und Ton. Hier entsteht ein wahrer, der Serie angemessener Pathos.

Die neu eingeführten Figuren bergen trotz ihrer kaum vorhandenen Charakterzeichnung jetzt schon viel Potential. Man merkt, daß hier viel Vorarbeit geleistet wird. Sowohl Amidala, als auch Anakin und Obi Wan stehen noch vor ihrem großen Auftritt. Gerade Letzterer darf in 'Episode 1' allenfalls Kurzauftritte absolvieren. Leider verbirgt der Film nicht, daß Lucas kein Schauspieler-Regisseur ist. Wenn auch die alten Hasen, wie Natalie Portman, Ewan McGregor und Liam Neeson, gute Leistungen vollbringen, so fällt Anakin-Darsteller Jake Lloyd doch ziemlich ab. Gerade beim Finale fällt er doch negativ auf, zumal ihm sowieso recht mäßige Sprüche in den Mund gelegt wurden. Bezeichnend ist, daß der Träger des Films Jar Jar Binks ist, eine computergenerierte Figur. Star Wars-Fans auf der ganzen Welt machen ihn, der die wohl erste real wirkende Cartoon-Gestalt der Filmgeschichte sein dürfte, für den scheinbar zu leichten Ton des Filmes verantwortlich, da sie eine düstere Geschichte im Stile von 'Das Imperium schlägt zurück' erwarteten. Nur ist der Ton dieses Filmes Pflicht. Die Funktion, die er innerhalb der Saga zu erfüllen hat, verbietet mehr Handlung und einen düstereren Ansatz. 'Die dunkle Bedrohung' bereitet nur vor. Eine andere Funktion hat er nicht, er ordnet sich ganz dem Nutzen der Trilogie unter. Man muß Lucas sogar dankbar sein, daß dieser Film überhaupt so unterhaltsam geworden ist. Denn darin schlägt er zumindest 'Die Rückkehr der Jedi-Ritter' bei weitem, vor allem aufgrund der weitaus besseren Regie.

'Die dunkle Bedrohung' ist ein virtuose Vorspeise in einem 6-Gänge Menü geworden. Er fängt den Charme der Vorgänger gekonnt ein und präsentiert das berühmteste Film-Universum der Welt in nie dagewesener, brillanter Optik. Auch folgt er der typischen 'Star Wars'-Strategie, mit mythischen und religiösen Themen zu arbeiten. So macht er Appetit auf viel mehr. Nun bleibt zu hoffen, daß die nächsten zwei Hauptgänge diesem Beginn gerecht werden. Denn nur dann wird man erst richtig zu schätzen wissen, was Lucas mit diesem Film wirklich geleistet hat.




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