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The Green Mile - Tom Hanks und Michael Clarke Duncan
The Green Mile - Tom Hanks und Michael Clarke Duncan
© United International Pictures

Kritik: The Green Mile (1999)


Ob einen ein Film packt und mitreisst oder ob man als Zuschauer auf Distanz gehalten und somit früher oder später gelangweilt wird, das stellt sich in der Regel in den ersten fünf Minuten heraus. Im vorliegenden Fall "The Green Mile", der zweiten Regiearbeit des vormaligen Drehbuchautors Frank Darabont, wird man von der ersten Minute an von einer geradezu magischen (hier durchaus wörtlich zu nahmen) Kraft gepackt. Und die lässt einen satte drei Stunden nicht mehr los. Vorausgesetzt, und das ist hier besonders wichtig, man akzeptiert die wundersamen Wendungen des Films hundertprozentig. Das ist es nämlich, worum es im Kern geht: um Magie und Wunder. Was zunächst wie ein das Subgenre prächtig bedienender Gefängnisfilm beginnt, macht etwa zur Hälfte der Geschichte einen Galoppsprung und hat fortan die Bodenhaftung verloren. Wir sind plötzlich in einem Märchen, wo bekanntlich alles möglich ist und nichts so uninteressant wie die Regeln von Logik und Physik.

"The Green Mile" ist, wie bereits Darabonts erster Film "Die Verurteilten", die Adaption einer literarische Vorlage von Stephen King. Beide Filme haben jedoch nicht das Geringste mit dem Gros der meist öden Gruselfilmchen, die in der Regel ungleich schlechter waren als die Romane, zu tun. Gemein ist ihnen der Schauplatz, ein Gefängnis. Bei "Green Mile" sogar nur ein Teil des Ganzen, nämlich ein Todestrakt, in dem die zum elektrischen Stuhl Verurteilten ihre letzten Monate verbüßen. Der Film spielt in den 30er Jahren irgendwo im Süden der USA. Es ist die Zeit der Weltwirtschaftskrise: Arbeitslosigkeit und Armut grassieren. Paul Edgecomb, ein warmherziger und verantwortungsbewusster Mann, hat einen Job, der so gar nicht zu seinem Charakter passen will. Er ist Aufseher in einem Gefängnis und hat unter seiner Leitung die sog. grüne Meile, die Zellen der Todeskandidaten samt Hinrichtungstrakt. Über die Jahre hat er einen Haufen schlimmster Schwerverbrecher durch die grüne Meile hin zum elektrischen Stuhl geleitet. Doch eines Tages wird ihm ein ganz besonderer Gefangener unterstellt. John Coffey ist ein riesenhafter Schwarzer, der für den Mord an zwei Kindern zum Tode verurteilt wurde. Edgecomp und seine Kollegen sind beeindruckt von der äußeren Gestalt des neuen Gefangenen, stellen jedoch fest, dass sie es hier mit einem scheuen Menschen von sanfter Natur zu tun haben. Vor allem Edgecomb fühlt sich zu dem ungewöhnlichen Zeitgenossen hingezogen und merkt nach kurzem, dass dieser über eine ungewöhnliche Gabe verfügt. In dem Wärter verdichten sich Zweifel an der Schuld von Coffey, erst recht, als sich im Todestrakt Vorkommnisse mehren, die an Wunder grenzen.
Bedächtig und ruhig, aber nie langatmig entwickelt "The Green Mile" seine faszinierende Geschichte mit ihren eindringlichen Charakteren. Dabei schafft der wunderbar elegant inszenierte Film das Kunststück, trotz seines düsteren Schauplatzes, Wärme und Mitgefühl in einem Maße auszustrahlen, wie man dies im Kino schon lange nicht mehr erlebt hat. Getragen wird dies von einem wunderbaren Tom Hanks, der freilich von einem nicht minder superben Ensemble unterstützt wird. Aber eigentlich sind es alle Beteiligten vor und hinter der Kamera, die dafür sorgen, dass "The Green Mile" pures Emotionskino von seltener Tiefe und Klarheit geworden ist.




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