VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Pi (1997)


Max (Sean Gulette) ist paranoid, gestört und ein Mathematikgenie: Wo andere nur Chaos sehen, entdeckt er eine höhere Ordnung. Von der Außenwelt abgeschlossen haust der von schrecklichen Migräneanfällen geplagte Zahlenfreak mit seinen Computern in einem winzigen New Yorker Appartement. Dort sucht er verbissen nach jener magischen Zahl, die Gott und die Welt erklären kann - und ruft damit Wall-Street-Hyänen und orthodoxe Juden auf den Plan, die mit seiner Hilfe die Kursentwicklung an der Börse und die Zahlenmystik der Kabbala entschlüsseln wollen.
Das für nur 60.000 Dollar gedrehte Erstlingswerk des Amerikaners Darren Aronofsky ist ein in rhythmischen Schwarzweißbildern erzählter Alptraum, dessen schräge Ästhetik an die exzentrischen Kinowelten eines David Lynch ("Eraserhead") oder Terry Gilliam ("Brazil") erinnert. Das Ergebnis ist ein klaustrophobischer Thriller, der - vom Mainstream weit entfernt - weniger durch seine Dramaturgie als durch seine bizarre Visualität besticht und beim Sundance-Festival 1998 mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet wurde. (Rico Pfirstinger)

"Pi" bewirbt sich selbst als mathematischer Thriller und ist die filmische Hetzjagd nach einer Zahl inmitten religioesem Wahnsinns, kapitalistischer Raffgier und insbesondere des Verfolgungswahns seiner Hauptfigur. Denn mit verstoerender Bilderkraft und streckenweiser Splattermotivik hat ein amerikanischer Experimentalfilm eine neue Variante des verrueckten Genies und seinen paranoiden Zustaenden entworfen.

Verzerrte, grobkoernige Schwarz-Weiss-Photographie, attackierende Schnittfrequenz und ein synthetischer Klangteppich aus hektischem Drum'n'Bass, psychedelischem Trance und atmosphaerischen Geraeuschen: In den Ohren des Mathematikers liegt ein ohrenbetaeubendes Pfeifen, sein Hirn liegt buchstaeblich offen. Nicht zuletzt durch die fast angsteinfloessende Besessenheit seines Hauptdarstellers und der gelungenen Gratwanderung zwischen wissenschaftlicher Komplexitaet und Banalmathematik wird "Pi" zu einem verwirrend beeindruckenden Werk, das eine ebenfalls so banale wie komplexe Frage stellt. Kann man Ordnung ins Chaos bringen?





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.