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Clint Eastwood - Ein wahres Verbrechen
Clint Eastwood - Ein wahres Verbrechen
© Warner Bros.

Kritik: Ein wahres Verbrechen (1998)


Clint Eastwood hat die Ruhe weg. Das Alterswerk des Meisterregisseurs und Kultschauspielers nimmt sich Zeit: für die Figuren, für Details und für die Atmosphäre. Was für ein Unterschied zu seinen frühen Western und Action-Filmen, in denen Eastwood als einsamer Rächer oder "Dirty Harry" im Kampf von Gut gegen Böse wild um sich schießend über die Leinwand fegte! Und dann auch wieder nicht: Denn auch in Eastwoods abgeklärten Arbeiten der 90er Jahre – vom oscarprämierten Westernfanal "Unforgiven" bis zum Justizdrama "Mitternacht im Garten von Gut und Böse" – steht immer wieder das Motiv von Ausgleich und Gerechtigkeit im Mittelpunkt. Es geht um Rache und Erlösung – das eigentliche Schlachtfeld aber ist die Innenwelt der Charaktere.

Steve Everett ist kein tugendhafter Mensch. "Ein wahres Verbrechen" erzählt von einem Tag im Leben dieses abgetakelten, von Eastwood in seiner gewohnt sparsamen Art verkörperten Reporters. So folgt der Film dem Rhythmus eines Zeitungsredakteurs, dessen Tag zwar ohne jede Hast beginnt, dann aber mit einem verzweifelten Wettrennen gegen die (im wahrsten Sinne des Wortes) Deadline zu Ende geht.

Zugegeben: "Ein wahres Verbrechen" ist wohl nicht Eastwoods bester Film. Dazu ist der Thriller zu konventionell, zu vorsehbar, zu klischeebeladen – die zugrundeliegende Story ist die Schwäche dieses Films. Darüber aber kann getrost hinweggesehen werden, solange man Eastwoods innere Werte zu schätzen weiß und Freude daran hat, herausragenden Nebendarstellern wie James Woods bei der Arbeit zuzusehen. Während sich die meisten Action-Filme unserer Zeit vorwiegend mit technischen Spielereien beschäftigen, interessiert sich Eastwood für die Charaktere und ihre menschlischen Schwächen, die er mit großer Gelassenheit Strich für Strich auf die Leinwand malt: Nicht umsonst spielen Bilder, Zeichnungen und Fotografien in seinen letzten Filmen immer wieder eine Rolle.

Schon klar: Den auf schnelle Schnitte, simple Charaktere und Action getrimmten Kinokids wird das wohl alles viel zu langsam gehen. Nicht weiter schlimm – denn Eastwoods Filme sind wie alter Wein: Wer sie genießen will, braucht selbst eine gewisse Reife.




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