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Kritik: Halloween H20 (1998)


Keine Überraschungen! Längst ist der phantasievolle Kinohorror früherer Tage einem postmodernen Initiationsritus gewichen, bei dem alle Beteiligten - auf und vor der Leinwand - die ihnen zugewiesenen Rollen spielen. "Freitag, der 13.", "Nightmare on Elm Street", "Halloween" und alle ihre Fortsetzungen sind durchweg vorhersehbare, hochritualisierte Feierstunden für ein spätpubertäres Publikum, das hingerissen zusieht, wenn seinesgleichen auf der Leinwand abgeschlachtet wird. Strafe muß sein: Die lustfeindlich-puritanische Gesinnung dieser cineastischen Opferrituale bedingt, daß die Delinquenten mit ihrer Unschuld auch das Leben verlieren - und zwar auf die denkbar grausamste Weise. Denn erst das Martyrium der Jugendsünder verspricht den Voyeuren im Zuschauerraum die ersehnte Erlösung. Zwar ist "H20" die inzwischen siebte Inkarnation von John Carpenters "Halloween" aus dem Jahr 1978, Regisseur Steve Miner ("Freitag, der 13., Teil 2") aber ignorierte die vier letzten Filme der Reihe und orientierte sich statt dessen an den beiden ersten Folgen. Getragen wird der Film von Jamie Lee Curtis - der legendären "scream queen", deren Kinokarriere vor zwanzig Jahren in Carpenters Original mit der Rolle der damals 17jährigen Laurie begann. In Miners Fortsetzung kontrastiert Curtis' ungewöhnlich ausdifferenzierte, von Drogen und Paranoia zerrüttete Mutterfigur nun mit der eigentlichen Opferrolle des Films: Lauries Sohn John, dessen Hormonüberschuß ihn und andere todgeweihte Teens auf die grandiose Idee bringt, Halloween ausgerechnet im düsteren Keller des Internats zu feiern. Der Rest ist Routine: Die Macher des durchsichtigen Schlachtfests legen falsche Spuren und erschrecken das Publikum vor allem dadurch, daß an sich harmlose Figuren schockartig ins Bild springen und das besiegt geglaubte Monster zum blutigen Finale wiederaufersteht. Kenner entdecken zudem verschiedene Anspielungen auf ältere Horrorstreifen, die in einem Cameo-Auftritt von Curtis' tatsächlicher Mutter Janet Leigh kulminieren, wobei der Hollywood-Legende nicht nur die Worte "Psycho" und "Dusche" über die Lippen huschen - sie fährt sogar das Auto, mit dem sie früher in Hitchcocks Meisterwerk auf Achse war. So richtig gruselig aber wird "H20" erst, wenn man außer der Leinwand auch den Zuschauerraum im Auge behält: Denn das Erschreckendste an diesem Film ist zweifellos die Begeisterung seiner Zielgruppe.





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